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Nationalheldin schaltet sich in hitzigen britischen Wahlkampf ein

«Harry Potter»-Erfinderin Joanne K. Rowling schreibt in der «Times» in deutlichen Worten, warum sie welche Partei wählt.

Heute eine der reichsten Frauen der Welt: Joanne K. Rowling 2007 in London.
Heute eine der reichsten Frauen der Welt: Joanne K. Rowling 2007 in London.

Joanne K. Rowling hat genug. In den letzten Monaten haben sich tröpfchenweise Künstler als Anhänger der Konservativen geoutet – prominent Tracey Emin im Mai 2009, erst letzte Woche der Schauspieler Michael Caine. Der britische «Guardian» schrieb anlässlich Emins Rechtsrutsch im letzten Frühling, dass der Umschwung der Künstler auch damit zu tun habe, dass sich die Tories inzwischen für Kunstsubventionen aussprechen und vermehrt gute Partys organisierten.

Jedenfalls: Rowling hat genug. In einem Gastbeitrag der britischen «Times» schreibt die Autorin heute, warum sie, die zwischen 1993 und 1997 als Alleinerziehende um das finanzielle Überleben kämpfte, nicht die Konservativen wählen wird. «Manifest der alleinerziehenden Mutter», lautet der Titel ihres Beitrags. Das Fazit zieht Rowling bereits im Untertitel: «David Cameron sagt, die Partei, die mich einst quälte, habe sich geändert – ich kaufe ihm das nicht ab.»

«Keine Ahnung von deren tatsächlichen Situation»

Mit ihrer Scheidung im Jahr 1993, so die Autorin, sei sie damals zum «Buhmann» der Tories geworden. «Frauen wie ich, so die Darstellung, griffen nach allem, was sie bekommen konnten: gratis Geld, staatlich finanzierte Wohnungen, ein bequemes Leben.» In diesem «bequemen Leben» habe sie die Arbeit von zwei Elternteilen erledigt, sich zur Lehrerin ausbilden lassen und als Lehrerin gearbeitet, einen Roman geschrieben und fünf weitere vorbereitet, zeitweise sei sie klinisch depressiv gewesen. «Erzählt zu bekommen, dass ich faul sei, unmoralisch gar, hat nicht geholfen.»

Rowlings «Manifest» erscheint einen Tag, nachdem die Tories ihr Programm vorgestellt haben. Darin verspricht Konservativen-Chef David Cameron eine Steuererleichterung von 150 Pfund jährlich für schlecht verdienende verheiratete Paare. Es gehe darum, «an der Ehe festzuhalten», schreiben die Tories – also Alleinerziehende wieder zu einem Teil eines Paares zu machen. «Wenn Herr Camerons einziger praktischer Ratschlag an alleinerziehende, arme Mütter ist: ‹heiratet, und ihr bekommt 150 Pfund›, dann zeigt er, dass er überhaupt keine Ahnung von deren tatsächlichen Situation hat», schreibt Rowling.

«Kosteneffizienter, Blumen zu schicken»

«Wie viele potenzielle Ehemänner traf ich, als ich ein Kleinkind betreute, kaum arbeiten konnte, Abend für Abend in meiner Wohnung feststeckte? Hätte ich dem Burschen einen Antrag machen sollen, der um 3 Uhr nachts in meine Wohnung einbrach?» Ihm gehe es um die Botschaft, nicht um das Geld, habe Cameron gesagt. Das könne nur von jemandem stammen, der nie Armut erlebt habe. «Eine halbe Milliarde Pfund, nur um eine Botschaft zu senden – wäre es da nicht kosteneffizienter und persönlicher, allen verheirateten, armen Ehepaaren Blumen zu schicken?»

Heute sei sie von ihrer eigenen Abhängigkeit von der Sozialhilfe Welten entfernt, schreibt Rowling, die inzwischen eine der reichsten Frauen der Welt ist. Da könnte man vielleicht annehmen, sie sei nun eine naturgegebene Tory-Wählerin. «Es tut mir leid, aber das bin ich nicht. Das aktuelle konservative Wahlprogramm hat mir den wachsenden Graben zwischen ihren Werten und meinen aufgezeigt.»

Die Armut von Kindern in Grossbritannien bleibe eines der schlimmsten Probleme des Landes. «Aber es wird nicht gelöst, indem die Regierung Millionen von Steuererleichterungen an Paare vergibt, die nicht einmal Kinder haben.» David Cameron verspreche, dass die Konservativen nicht länger die «Bösen» seien. «Ich kaufe ihm das nicht ab. Das Programm seiner Partei hat verzweifelte Leben schlimmer gemacht, als die Tories an der Macht waren. Jetzt hat Cameron es neu verpackt – aber es bleibt dasselbe.»

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