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«Nazi-Jägerin» könnte gegen Gauck antreten

Die Linke spricht sich weiterhin geschlossen gegen Joachim Gauck als Bundespräsidenten aus. Nun bringt die Partei drei Kandidaten aus den eigenen Kreisen ins Spiel.

Drei Persönlichkeiten stünden bereit: Die Linke will Gauck nicht kampflos hinnehmen.

Die Linke will einen eigenen Kandidaten zur Bundespräsidentenwahl schicken, hat aber noch niemanden benannt. Drei Persönlichkeiten hätten sich zur Kandidatur bereit erklärt, sagte Parteichefin Gesine Lötzsch nach einer fast vierstündigen Sitzung von Linke-Spitzenpolitikern aus Bund und Ländern am Donnerstag in Berlin. Es handele sich um die Linke-Abgeordnete Lukrezia Jochimsen, die als «Nazi-Jägerin» bekannt gewordene Beate Klarsfeld und den Sozialforscher Christoph Butterwegge.

Die Entscheidung, wer nominiert wird, werde die Parteispitze am Montag treffen, sagte Lötzsch. Am Wochenende würden mit Butterwegge und Klarsfeld persönliche Gespräche geführt, nachdem bisher nur telefonische Kontakte möglich gewesen seien. «Zu unserer grossen Freude sind wir in der sehr komfortablen Situation, dass wir drei hervorragende Menschen haben, die sich zur Verfügung gestellt haben», sagte Lötzsch.

Ablehnung der Occupy-Bewegung als Problem

Als Grund für den Wunsch nach einem eigenen Kandidaten führte ihr Ko-Vorsitzender Klaus Ernst die grossen Bedenken der Linken gegen den von Union, FDP, SPD und Grünen nominierten Joachim Gauck an. Er verwies erneut auf das Unbehagen in seiner Partei angesichts der Aussagen Gaucks zur bankenkritischen Occupy-Bewegung und zum umstrittenen Buch-Autor Thilo Sarrazin. Die Linke wolle eine «Alternative» zu Gauck anbieten, die «über Parteigrenzen hinweg auf Zustimmung stösst». Die Entscheidung für einen eigenen Kandidaten sei einhellig erfolgt.

Lötzsch verwies darauf, dass es in Teilen der SPD und der Grünen Bedenken gegen Gauck gebe. Mit den entsprechenden Politikern wolle die Linke das Gespräch suchen, um sie möglicherweise für ihren Kandidaten zu gewinnen.

Wer welchen Kandidaten vorgeschlagen hatte, wollten Lötzsch und Ernst nicht sagen. Die 73-jährige Beate Klarsfeld war bereits seit Mittwoch im Gespräch gewesen. Sie erklärte sich in mehreren Interviews zur Kandidatur bereit. Butterwegges Name tauchte erst am Donnerstag auf. Lötzsch hob vor allem die Verdienste des Kölner Wissenschaftlers auf dem Gebiet der Armutsforschung hervor.

Aussichtslose Kandidatur

Die Abgeordnete Jochimsen war schon bei der letzten Bundespräsidentenwahl im Jahr 2010 für die Linke angetreten, hatte ihre chancenlose Kandidatur allerdings im dritten und letzten Wahlgang zurückgezogen. Auch bei der nächsten Bundespräsidentenwahl am 18. März gilt ein Kandidat der Linken als aussichtslos, da die Partei nur etwa zehn Prozent der Wahlleute stellt.

An den entscheidenden Gesprächen am Montag sollen der Parteivorstand, Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi, die Vorsitzende der Fraktionsvorsitzenden Konferenz, Dora Heyenn aus Bremen, und der Linke-Spitzenkandidat im Saarland, der frühere Parteichef Oskar Lafontaine, teilnehmen. Lötzsch wollte am Donnerstag nicht ausschliessen, dass bis zur entscheidenden Sitzung weitere Kandidaten in die engere Wahl aufgenommen werden.

dapd/mrs

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