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Papst verneigt sich gen Mekka

Am zweiten Tag seiner Türkei-Reise hat Franziskus Istanbuls Sehenswürdigkeiten besucht. Der 77-Jährige ist der dritte Papst der Kirchengeschichte, der eine Moschee besucht.

Respekt für den Islam: Papst Franziskus un der Grossmufti von Istanbul Rahmi Yaran in der blauen Moschee in Istanbul. (29. November 2014)
Respekt für den Islam: Papst Franziskus un der Grossmufti von Istanbul Rahmi Yaran in der blauen Moschee in Istanbul. (29. November 2014)
AP/L'Osservatore Romano
Treibende Kräfte gegen die Kirchenspaltung: Patriarch Bartholomäus I. begrüsst den Papst am Istanbuler Flughafen. (29. November 2014)
Treibende Kräfte gegen die Kirchenspaltung: Patriarch Bartholomäus I. begrüsst den Papst am Istanbuler Flughafen. (29. November 2014)
Osservatore Romano, Reuters
Staatsbesuch: Die Delegationen des Vatikans (l.) und der Türkei treffen sich zu Gesprächen.
Staatsbesuch: Die Delegationen des Vatikans (l.) und der Türkei treffen sich zu Gesprächen.
Präsidialer Pressedienst der Türkei, Keystone
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Am zweiten Tag seines Türkei-Besuchs hat Papst Franziskus historische Sakralbauten in Istanbul besichtigt und mit einer symbolischen Geste seinen Respekt vor dem Islam bekundet. In der Blauen Moschee verharrte der Papst zwei Minuten lang in stiller Kontemplation und neigte seinen Kopf dabei gen Mekka, wie dies 2006 bereits sein Vorgänger Benedikt XVI. getan hatte.

Anschliessend besuchte Franziskus die von Christen und Muslimen verehrte Hagia Sophia. Der Besuch des Papstes stand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen, direkter Kontakt mit der Bevölkerung war - anders als bei vorherigen Auslandsreisen - nicht vorgesehen. Gemäss seiner Aussendarstellung als bescheidenes Kirchenoberhaupt liess sich Franziskus im normalen Mittelklassewagen eines französischen Herstellers durch Istanbul chauffieren. Die vom Präsidentenpalast bereitgestellte gepanzerte Limousine liess er stehen.

Verständigung im einstigen Konstantinopel

Die Blaue Moschee besichtigte Franziskus mit dem Grossmufti von Istanbul, Rahmi Yaran. An der Seite des islamischen Geistlichen schloss der Papst die Augen und faltete die Hände. Ein Vatikansprecher legte Wert auf die Feststellung, dass es sich dabei bloss um eine stille Kontemplation gehandelt habe, da beim Besuch eines Christen in einer Moschee formell nicht von einem Gebet gesprochen werden könne.

Eine ähnliche Geste von Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. in der Blauen Moschee vor acht Jahren war damals als überraschendes Zeichen der Verständigung zwischen Christen und Muslimen gedeutet worden - zumal im einstigen Konstantinopel, das von beiden Weltreligionen geprägt und 1453 von der osmanischen Armee erobert worden war.

Besondere Aufmerksamkeit

Anschliessend begab sich Franziskus in die Hagia Sophia, die nach dem Fall der Stadt an die Osmanen von einer christlich-byzantinischen Basilika zur Moschee umfunktioniert worden war. Heute dient das einstige Gotteshaus als säkulares Museum, über dessen Nutzung Christen und Muslime aber weiterhin streiten.

Auch vor diesem Hintergrund galt der Papst-Visite besondere Aufmerksamkeit. Scharfschützen auf den beiden vorderen Minaretten der Hagia Sophia standen Wache für den Fall möglicher Attentatsversuche, während das Kirchenoberhaupt den gewaltigen Sakralbau mit seiner 55 Meter hohen Kuppel besichtigte.

Treibende Kräfte gegen die Kirchenspaltung

Anschliessend stand eine ökumenische Messe in der Istanbuler Kathedrale des Heiligen Geistes auf dem Programm, gefolgt von einem ökumenischen Gebet in der orthodoxen Georgskirche. Später wollte Franziskus den orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I. treffen, Ehrenoberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche und geistlicher Führer von rund 300 Millionen orthodoxen Christen weltweit. Beide gelten als treibende Kräfte hinter dem Versuch, die gut tausend Jahre zurückliegende Kirchenspaltung zu überwinden. Bartholomäus I. strebt für das kommende Jahrzehnt ein gemeinsames Treffen der katholischen und der orthodoxen Kirche in der Türkei an.

Franziskus' dreitägige Visite ist der erste Türkei-Besuch eines Papstes seit acht Jahren. Zum Auftakt seiner Reise war er am Freitag in Ankara mit dem islamisch-konservativen Staatschef Recep Tayyip Erdogan zusammengetroffen und hatte sich für Religionsfreiheit sowie mehr interreligiösen Dialog angesichts des Vormarschs der Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) ausgesprochen.

AFP/ajk

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