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Proteste in Paris eskalieren – elf Verletzte

Bei den Demonstrationen gegen die Reform des Arbeitsrechts in Frankreich plünderten Jugendliche Geschäfte. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Auswirkungen der Proteste: Wegen Blockaden von mehreren Öldepots in Frankreich kommt es zu Schlangen bei den Tankstellen, wie hier in Le Havre. (25. Mai 2016)
Auswirkungen der Proteste: Wegen Blockaden von mehreren Öldepots in Frankreich kommt es zu Schlangen bei den Tankstellen, wie hier in Le Havre. (25. Mai 2016)
EPA/Thilbault Vandermersch
Streikende Arbeiter blockieren am 26. Mai 2016 den Eingang zum AKW von Nogent-sur-Marne. Die Proteste gegen die Arbeitsmarktrefom in Frankreich eskalieren.
Streikende Arbeiter blockieren am 26. Mai 2016 den Eingang zum AKW von Nogent-sur-Marne. Die Proteste gegen die Arbeitsmarktrefom in Frankreich eskalieren.
Francois Nascimbeni, AFP
Hollande hatte in seiner Ansprache die umstrittenen Arbeitsmarktreformen verteidigt. (14. April 2016)
Hollande hatte in seiner Ansprache die umstrittenen Arbeitsmarktreformen verteidigt. (14. April 2016)
Sebastien Bozon, AFP
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Nach einem Interview des französischen Präsidenten François Hollande ist es am Donnerstagabend in Paris zu schweren Ausschreitungen gekommen. Nachdem Hollande im Fernsehen seine umstrittenen Arbeitsmarktreformen verteidigt hatte, zogen nach Polizeiangaben rund 300 Jugendliche randalierend durch die französische Hauptstadt. Rund 20 Menschen wurden festgenommen.

Zuvor hatte sich die Bewegung «Nuit debout» («Nacht der Aufrechten») zu Protesten gegen die geplante Änderung des Arbeitstrechts versammelt. Wie seit zwei Wochen kamen am Place de la République, dem Zentrum der Protestbewegung, am Abend wieder hunderte Menschen zusammen. Einige verfolgten auf einem Fernseher das Interview mit dem französischen Präsidenten.

Marsch auf Elysée-Palast

Nach dem Ende der Sendung verliessen hunderte Demonstranten gemeinsam den Platz, wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Sie kündigten an, zum Elysée-Palast, dem Sitz des Präsidenten, zu marschieren. Polizisten stellten sich ihnen jedoch in den Weg, woraufhin die Demonstranten in andere Richtungen zogen und im Norden und Osten der Hauptstadt randalierten.

Die Demonstranten schlugen Schaufensterscheiben ein, plünderten Geschäfte und beschädigten Autos. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot im Einsatz. Nach einiger Zeit zogen sich die Demonstranten in kleinen Gruppen zurück.

Elf Verletzte

Bereits am Donnerstagnachmittag hatten sich nach Polizeiangaben 1700 Aktivisten auf dem Place de la République versammelt. Dabei kam es zu Zusammenstössen, als vermummte Demonstranten Stühle, Stöcke und Flaschen auf die Polizisten schleuderten. Die Beamten setzten Tränengas ein.

Nach Polizeiangaben wurden vier Demonstranten und sieben Polizisten verletzt. Sechs Demonstranten seien festgenommen worden. Am Abend gab es zudem Proteste nahe dem Fernsehstudio, in dem das Interview mit Hollande geführt wurde.

Hollande hält an Reformen fest

Hollande verteidigte das Vorhaben am Donnerstagabend im TV-Sender France 2. Er habe das Land in den vergangenen vier Jahren modernisiert und dabei das Sozialmodell bewahrt. Er werde bis zu seinem letzten Tag im Amt an Reformen arbeiten.

«Ja, es geht besser: es gibt mehr Wachstum, ein niedrigeres Defizit, weniger Steuern, höhere Margen für die Unternehmen, mehr Kaufkraft für die Arbeitnehmer», sagte der Staatschef. «Deshalb werde ich bis zum Schluss weitermachen.»

Beim Volk immer unbeliebter

Seit Hollandes Amtsantritt 2012 ist die Zahl der Arbeitslosen um fast 650'000 gestiegen und hat den historischen Höchstwert von knapp 3,6 Millionen erreicht. Hollande hat eine erneute Kandidatur im kommenden Jahr von Erfolgen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit abhängig gemacht. In dem Interview kündigte er an, Ende dieses Jahres zu entscheiden, ob er 2017 für eine zweite Amtszeit kandidieren werde.

Der Sozialist ist angesichts von schwachem Wirtschaftswachstum und Rekordarbeitslosigkeit so unbeliebt wie kein anderer Präsident vor ihm in Frankreichs jüngerer Geschichte. Er verharrt rund ein Jahr vor der Präsidentenwahl in einem beispiellosen Umfragetief.

Drei Viertel der Franzosen wollen, dass Hollande auf eine Kandidatur im Frühjahr 2017 verzichtet, wie eine am Donnerstag in der Tageszeitung «Le Parisien» veröffentlichte Umfrage ergab. In einer anderen Umfrage für den TV-Sender BFMTV bescheinigen 87 Prozent der Befragten Hollande eine schlechte Bilanz.

SDA/ij

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