Prunk, Trauer und eine Trump-Entgleisung

In Paris nahmen Emmanuel Macron und Donald Trump eine glanzvolle Truppenparade zum Nationalfeiertag ab. Doch die Blicke waren nach Nizza gerichtet: Dort gedachte Frankreich des LKW-Attentats vor einem Jahr.

Trump salutiert, Macron applaudiert: Flankiert von ihren Gattinnen nehmen die beiden Staatspräsidenten die Militärparade in Paris ab.

Trump salutiert, Macron applaudiert: Flankiert von ihren Gattinnen nehmen die beiden Staatspräsidenten die Militärparade in Paris ab.

(Bild: Keystone)

86 Kerzen bildeten den Kern der Trauerfeier, die gestern in Nizza abgehalten wurde. So viele Todesopfer hatte vor genau einem Jahr die Amokfahrt eines 31-jährigen Tunesiers auf der Prome­nade des Anglais entlang des Stadtstrandes gefordert. Zehntausende kamen an jenem Abend gerade vom lokalen Feuerwerk, als der 19 Tonnen schwere Lastwagen in die Menge raste.

Die 340'000 Einwohner von Nizza haben sich bis heute nicht von dem Trauma erholt. Die schillernde Metropole der Côte d’Azur, die es einst Nietzsche oder Matisse angetan hatte, «verlor am 14. Juli 2016 proportional mehr Einwohner als New York am 11. September 2001», versucht das Newsportal «Atlantico» das Leid der mediterranen Stadt zu beschreiben.

Doch angesichts des Leids versagen die Worte. Die Illustrierte «Paris-Match» versuchte es mit Bildern – furchtbaren Fotos von Leichenteilen und überrollten Menschen, erstellt an jenem Abend von Überwachungskameras, bisher unter Verschluss gehalten. Bürgermeister Christian Estrosi verlangte am Donnerstag ein Sofortverbot dieser Horrorbilder.

Die Justiz lehnte das Gesuch Stunden später knapp ab. Die Zeitungshändler in Nizza weigerten sich trotzdem, «Paris-Match» zu verkaufen. Zu frisch ist die Erinnerung auch nach einem Jahr noch, zu schmerzhaft die Wunde, die der Anschlag in die lebensfreudige Stadt gerissen hat. Bis heute dauert die Polemik, ob die Polizeibehörden den Zugang zur Promenade zu fahrlässig gesperrt hatten.

«Nichts wird uns je trennen!»

Zu dem so besonderen Nationalfeiertag für Nizza trafen sich die Opferangehörigen am Freitag zuerst zu einem interreligiösen Gottesdienst. Später organisierte die Stadt eine eigene Parade aus Polizei, Feuerwehr und Ambulanzdiensten. Nach mehreren symbolischen Publikumsaktionen mit Strassenplaketten, Ballons und Lichtschriften waren klassische Konzerte und ein Auftritt des Sängers Calogero geplant.

Auch Präsident Emmanuel Macron besucht die Stadt am Abend. Am Morgen hatte er in Paris neben seinem Ehrengast Donald Trump die Militärparade des Quatorze Juillet abgenommen. Unter den 3700 Soldatinnen und Soldaten waren 145 Amerikaner in Uniformen des Ersten Weltkriegs – eine Hommage an den Kriegseintritt der USA vor hundert Jahren.

Macron würdigte die USA als «sichere Verbündete einer unvergänglichen Freundschaft» und rief: «Nichts wird uns jemals trennen!» Das klang fast beschwörend, nachdem er am Tag zuvor selber die Uneinigkeit in der Klimapolitik festgestellt hatte.

Trump und Brigittes Hüfte

Am Vorabend protestierten in Paris nur einige Dutzend Trump-Gegner gegen dessen Einladung. Keine Wellen warf die Bemerkung Trumps an die Präsidentengattin Brigitte Macron, sie sei «im Schuss» («in good shape»). Dabei liess sich Trumps Bewegung so deuten, als würde er mit beiden Händen die Form ihrer Hüfte beschreiben. Das Kompliment wurde in US- und deutschen Medien als sexistisch gewertet.

In Frankreich ging es völlig unter – sei es, weil die Staatsräson Trump zum Nationalfeiertag verschonte, sei es, weil die Pariser Galanterie auch nicht immer lupenrein ist. Oder weil die Franzosen solche Dinge einfach lockerer sehen?

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