Putin und Erdogan treiben Kooperation voran

Russland und die Türkei haben ihren monatelangen Streit im August zu den Akten gelegt – nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen. Milliardenschwere Energie-Projekte stehen an.

Machen sich für Gas-Pipeline stark: Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan beim Handshake in Istanbul. (10. Oktober 2016)

Machen sich für Gas-Pipeline stark: Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan beim Handshake in Istanbul. (10. Oktober 2016)

(Bild: Keystone Alexei Druzhinin)

Der türkische Präsident Erdogan will sein Land zum «Erdgas- und Energiehandelszentrum» machen, und zwar mit russischer Hilfe. Beim ersten Türkei-Besuch von Kremlchef Putin seit der Aussöhnung geht es um Energie – und hinter verschlossenen Türen auch um Syrien.

Zwei Monate nach ihrer Aussöhnung wollen Erdogan und Putin ihre Zusammenarbeit im Energiebereich vorantreiben. Erdogan kündigte heute beim Weltenergiekongress in Istanbul umfangreiche Investitionen an, «um unser Land zum Erdgas- und Energiehandelszentrum zu machen».

Putins Bekenntnis

Die Türkei leiste damit auch «einen Beitrag zur Erdgasversorgungssicherheit Europas». Ziel sei es, «im Erdgashandel ein vertrauenswürdiger Partner für alle Länder in unserer Region zu werden».

Erdogan sagte, die Arbeiten für die geplante Pipeline Turkish Stream, die russisches Erdgas nach Südeuropa bringen soll, dauerten an. Putin bekannte sich ebenfalls klar zu dem Projekt, das während der monatelangen Krise zwischen Russland und der Türkei auf Eis lag. «Russland wird im Energiebereich mit allen Partnern gleichberechtigt zusammenarbeiten, die dazu bereit sind», sagte Putin. «Das betrifft Nord Stream 2, woran wir derzeit arbeiten, und wir wollen auch Turkish Stream umsetzen.»

Vertrag für Turkish Stream unter Dach und Fach

Die Energieminister beider Länder unterzeichneten heute den Vertrag zum Bau der Pipeline. Mit ihr soll russisches Erdgas durch das Schwarze Meer in die Türkei und nach Südeuropa transportiert werden. Moskau und Ankara sind bestrebt, ihre Wirtschaftsbeziehungen auszubauen und sie auf ein Volumen von 100 Milliarden Dollar (fast 90 Milliarden Euro) jährlich anzuheben.

Putin machte in Istanbul deutlich, dass er ein Einfrieren der Öl-Fördermengen zur Stabilisierung der Ölpreise unterstützt. «Ein Einfrieren oder sogar eine Kürzung der Förderung ist wohl die einzig richtige Entscheidung», sagte er der Agentur Tass zufolge. Russland sei bereit, sich einer entsprechenden Initiative des Ölkartells OPEC anzuschliessen. Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew sagte, der Konzern unterstütze das Einfrieren, aber nicht das Zurückfahren der Ölförderung.

Keine Medienkonferenz

Nach ihren Ansprachen beim Weltenergiekongress kamen Erdogan und Putin in Istanbul zu einem bilateralen Gespräch zusammen. Danach war keine Medienkonferenz geplant. Bei dem Gespräch dürfte neben Energiethemen der Bürgerkrieg in Syrien, bei dem Moskau und Ankara gegensätzliche Positionen vertreten, eine zentrale Rolle gespielt haben. Russland unterstützt den syrischen Machthaber Baschar al-Assad, dessen Sturz Erdogan fordert.

Es war Putins erster Türkei-Besuch seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe im vergangenen November. Danach legte Russland die Beziehungen zur Türkei auf Eis. Erst im Juni näherten sich beide Seiten wieder an, im August folgte ein Treffen Putins und Erdogans in St. Petersburg. Beim G20-Gipfel in China im vergangenen Monat sprachen beide über eine vollständige Wiederaufnahme der bilateralen Beziehungen.

nag/sda

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