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Russischer Aktivist rettet Daten mit Drohne

Nach den Regionalwahlen wurden Dutzende Wohnungen von Mitarbeitern des Kremlkritikers Nawalny durchsucht – auch die von Sergei Boyko.

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Die Datenrettungsaktion wurde von einer Kollegin Boykos gefilmt. Quelle: Screenshot aus dem Video von Sergei Boyko.
Die Datenrettungsaktion wurde von einer Kollegin Boykos gefilmt. Quelle: Screenshot aus dem Video von Sergei Boyko.

Nach den Regionalwahlen in Russland hat die Polizei Dutzende Büros und Wohnungen von Mitarbeitern des Kremlkritikers Alexei Nawalny durchsucht; so auch die Privatwohnung von Sergei Boyko in Nowosibirsk.

Bevor sich die Polizei Zutritt zur Wohnung verschaffen konnte, brachte Boyko verschiedene Festplatten, Laufwerke und Sticks mithilfe einer Drohne in Sicherheit. Er habe die Drohne einem Freund geschickt, um zu verhindern, dass die Polizei an die Daten gelange, schreibt die BBC. Ein Youtube-Video, das von einer Gefährtin Boykos aufgenommen wurde, zeigt den Aktivisten, wie er die Drohne von seiner Hochhauswohnung aus steuert, bis sie (laut Boyko) «ihr Ziel erreicht hat.»

Boyko hat den Vorfall in einem Video dokumentiert. Quelle: Youtube/Sergei Boyko

Am Tag nach Boykos Datenevakuierung wurde seine Wohnung erneut durchsucht, was laut Aktivisten eine Rache für den Drohneneinsatz war.

Das Video – die Langfassung dauert rund 40 Minuten – zeigt auch den Versuch der Polizei, Boykos Tür aufzubrechen, nachdem er sich zuvor geweigert hat, den Beamten Zutritt zu gewähren, ohne ihm einen Hausdurchsuchungsbefehl vorzulegen.

Landesweite Aktion

Mehr als 1000 Polizisten hätten Material und Computer aus rund 40 Büros im ganzen Land mitgenommen, sagte Nawalny in einem Video. «Wir haben noch nie so einen heftigen Schlag erlebt», twitterte seine Sprecherin Kira Jarmysch.

Nawalny und sein Team hatten wegen des Ausschlusses Oppositioneller von den Regionalwahlen regelmässig zu Protesten in Moskau aufgerufen. Bei der Wahl am Sonntag vor einer Woche musste die Regierungspartei Geeintes Russland vor allem in der Hauptstadt herbe Verluste hinnehmen.

«Putin ist nervös»

Nawalny hatte zu einer «smarten Stimmabgabe» aufgerufen, bei der die Bürger alle wählen sollten – nur nicht die Kandidaten der Kremlpartei. «Wladimir Putin ist nervös», sagte Nawalny. Er räche sich nun, weil Nawalny ihm Stimmen weggenommen habe. Die Behörden wollten nun die Oppositionellen einschüchtern und unter Druck setzen.

Als offiziellen Grund für die Polizeiaktion seien Ermittlungen gegen den sogenannten Fonds zur Bekämpfung von Korruption wegen angeblicher Geldwäsche genannt worden, hiess es. Nach Angaben der Behörden soll es dabei um eine Summe von einer Milliarde Rubel (15,2 Millionen Franken) gehen. Nawalny wies die Vorwürfe als absurd zurück. Die Stiftung hatte immer wieder zu Korruptionsfällen bekannter Politiker recherchiert, unter anderem hatte sie auch über Regierungschef Dmitri Medwedew berichtet. Neue Enthüllungen richteten sich gegen die Moskauer Stadtführung.

(SDA)

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