Zum Hauptinhalt springen

Russland erklärt McDonald's den Krieg

McDonald's gerät ins Visier der russischen Behörden. Drei Filialen wurden bereits geschlossen. Offizielle Begründung: Verstösse gegen Hygienevorschriften.

Hier gibts bis auf weiteres keine Fritten mehr: McDonald's-Filiale in Moskau.
Hier gibts bis auf weiteres keine Fritten mehr: McDonald's-Filiale in Moskau.
Keystone

Offenbar als weitere Reaktion auf die Sanktionen des Westens hat Russland Filialen der US-Fastfoodkette McDonald's in Moskau geschlossen. Die Verbraucherschutzbehörde kündigte am Donnerstag zudem Kontrollen von McDonald's im ganzen Land an. Als Grund für die Schliessung der drei Läden führte die Behörde Verstösse gegen Hygienevorschriften an. Der wahre Grund dürfte nach Expertenmeinung aber die hohe Symbolkraft sein: McDonald's stehe für amerikanische Lebensart.

Die Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor schloss am Mittwochabend zunächst vier McDonald's-Filialen in Moskau; eine davon öffnete am Donnerstag aber wie gewohnt. Einer der geschlossenen Läden ist der McDonald's am Puschkin-Platz, der 1990 noch zu Zeiten der Sowjetunion aufgemacht hatte und zu den bestbesuchten Filialen weltweit gehört. Eine weitere geschlossene Filiale liegt neben dem Kreml.

Weitere Filialen sollen kontrolliert werden

Ein Vertreter der Verbraucherschutzbehörde sagte der russischen Nachrichtenagentur Interfax, die Regierung habe per Dekret angeordnet, auch Filialen im Ural und in Sibirien sollten kontrolliert werden.

McDonald's betreibt 438 Filialen in Russland und beschäftigt etwa 37'000 Menschen. Das Land gehört somit zu den wichtigsten ausländischen Märkten. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr umgerechnet 1,3 Milliarden Euro. Die Zutaten für seine Produkte bezieht das Unternehmen nach eigenen Angaben fast ausschliesslich von einheimischen Herstellern. McDonald's teilte mit, es prüfe die Beschwerden der Lebensmittelaufsicht. Oberste Priorität des Unternehmens seien «sichere Qualitätsprodukte».

Angeblich Bakterien gefunden

Die russische Lebensmittelaufsicht hatte bereits Ende Juli mehrere Produkte von McDonald's beanstandet und angekündigt, sie werde den Verkauf verbieten. Den Behördenangaben zufolge wurden damals bei Kontrollen in McDonald's-Filialen in der Stadt Nowgorod nördlich von Moskau Bakterien in einem Salat und mehreren Sandwiches gefunden. Ausserdem hätten bei mehreren Burgern, etwa dem Cheeseburger, die Nährwertangaben nicht mit der Realität übereingestimmt.

Russischen Behörden, die sich mit Lebensmittel- und Hygienevorschriften befassen, wird oft vorgeworfen, Entscheidungen aus politischen Beweggründen zu treffen. Wegen der Ukraine-Krise verschlechterte sich das Klima zwischen den USA und Russland; beide Staaten verhängten Sanktionen. Seit Anfang August ist die Einfuhr zahlreicher Lebensmittel aus den USA und der EU nach Russland verboten.

Landwirtschaftsminister Nikolai Fjodorow hatte am Mittwoch zugegeben, dass der Importstopp Russland teuer zu stehen kommen werde. Um die mit dem Embargo belegten Waren zu ersetzen, seien allein bis zum Jahresende «dutzende Milliarden Rubel» als Hilfen für die heimische Landwirtschaft nötig, sagte er dem Sender Rossija 24. In den kommenden Jahren müsse der Staat mit Kosten von etwa hundert Milliarden Rubel (2,1 Milliarden Euro) rechnen.

AFP/mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch