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Schäuble: In Athen entscheidet sich Europas Schicksal

Der deutsche Finanzminister stilisiert die Rettung der griechischen Finanzen zur Schicksalsfrage für die ganze EU. Und Wolfgang Schäuble warnt Italien.

«Vertrauen ist die wichtigste, aber derzeit auch die knappste Ressource»: Wolfgang Schäuble, hier bei einer Budgetdebatte im Bundestag in Berlin. (9. September 2011)
«Vertrauen ist die wichtigste, aber derzeit auch die knappste Ressource»: Wolfgang Schäuble, hier bei einer Budgetdebatte im Bundestag in Berlin. (9. September 2011)
Reuters

Rund zehn Jahre wird es dauern bis die Griechen nach der Schuldenkrise wieder Boden unter den Füssen haben, glaubt der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. Dass Athen nicht schon im Jahr 2012 an den Kapitalmarkt zurückkehren könne, sei klar, sagte Schäuble der neuesten Ausgabe der «Wirtschaftswoche». «Griechenland wird zur vollen Herstellung seiner Wettbewerbsfähigkeit sicher eher ein Jahrzehnt brauchen als ein Jahr».

Ob die Rettungsmassnahmen letztlich erfolgreich seien, hänge aber vom Durchhaltewillen der Griechen ab. «Wir können dem griechischen Volk die erforderlichen Anpassungsleistungen nicht ersparen», sagte Schäuble. «Am Ende muss das Volk entscheiden, ob es die Last tragen kann und will.»

Kein Austritt aus dem Euro

Schäuble rechnet mit einem Zerfall der Europäischen Union und einer weiteren Bankenkrise, sollte Griechenland in der Euro-Krise nicht gerettet werden können. «Es besteht die reelle Gefahr, dass die Währungsunion auseinanderfallen würde», sagte Schäuble. «Die EU würde enorm an politischem Vertrauen und weltweiter Handlungsfähigkeit verlieren.»

Ein Scheitern hätte sogar globale Folgen. «Wenn wir es nicht schafften, den Euro stabil zu halten, leidet mehr als nur die Währung – unser Zusammenhalt und unser Handlungsspielraum in einer globalisierten Welt.» Griechenland müsse deshalb unter allen Umständen in der Euro-Zone gehalten werden, sagte Schäuble.

Kritik an Italiens Politikern

Schäuble kritisiert in dem Interview mit der «Wirtschaftswoche» auch den Kurs der italienischen Regierung. «Die Verantwortlichen in Italien – und in allen anderen Ländern – müssen wissen, dass es problematisch ist, Massnahmen oder Verpflichtungen anzukündigen und dann nicht dazu zu stehen. So kann man das Vertrauen der Finanzmärkte verlieren», sagte Schäuble. «Vertrauen ist die wichtigste, aber derzeit auch die knappste Ressource.»

Schäuble sagte, Italien habe eine gesunde Basis, um die Krise zu bewältigen. «Italiens Schulden sind beherrschbar und wären relativ schnell in die Regeln des Paktes zurückzuführen», sagte er. Die Abwertung durch die Ratingagentur Standard & Poor's könnte dem Land helfen, die Krise beherzter anzugehen.

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