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Spaniens Infantin Cristina muss vor Gericht

Erstmals wird ein Mitglied der spanischen Königsfamilie vor Richter gestellt. Der Schwester von König Felipe VI. wird Steuerbetrug vorgeworfen.

Musste bereits aussagen in der Sache: Infantin Cristina trifft lächelnd beim Gericht in Palma de Mallorca ein. (8. Februar 2014)
Musste bereits aussagen in der Sache: Infantin Cristina trifft lächelnd beim Gericht in Palma de Mallorca ein. (8. Februar 2014)
AFP

Als erstes Mitglied der Königsfamilie in Spaniens Geschichte muss sich die Infantin Cristina vor Gericht verantworten. Ein Richter in Palma de Mallorca entschied am Montag, der Schwester von König Felipe VI. wegen mutmasslichen Steuerbetrugs den Prozess zu machen. Hintergrund sind illegale Geschäfte ihres ebenfalls beschuldigten Ehemanns Iñaki Urdangarin.

Angeklagt ist die 49-jährige Cristina wegen Beihilfe zu Steuerbetrug in zwei Fällen. Den Hauptvorwurf der Geldwäsche gegen die Nummer sechs in der spanischen Thronfolge hatte Ermittlungsrichter José Castro Anfang November fallen lassen. Am Montag entschied er, neben Cristina und Urdangarin 15 weiteren Verdächtigen den Prozess zu machen. Das Königshaus erklärte, die Unabhängigkeit der Justiz «uneingeschränkt» zu achten.

Die Ermittlungen in dem Verfahren dauern seit dem Jahr 2010 an. Die Staatsanwaltschaft forderte zwar vor zwei Wochen die Einstellung, verlangte aber von der Infantin die Zahlung von Schadenersatz. In der vergangenen Woche hinterlegte Cristina gut 587'000 Euro auf einem Gerichtskonto. Für Urdangarin fordert die Staatsanwaltschaft 19,5 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 3,5 Millionen Euro.

Vorwurf Veruntreuung Spendengelder

Urdangarin wird vorgeworfen, zusammen mit einem früheren Geschäftspartner sechs Millionen Euro Spendengelder für die Wohltätigkeitsorganisation Nóos veruntreut zu haben, deren Vorsitzender er war. Cristina war Mitglied im Nóos-Vorstand. Die Ermittler vermuten, dass ein gemeinsam von dem Ehepaar geführtes Unternehmen namens Aizoon zum Zweck der Geldwäsche der Spenden für Nóos genutzt wurde.

Es ist das erste Mal, dass sich ein Spross der spanischen Königsfamilie vor Gericht verantworten muss. Die vierfache Mutter Cristina beteuert, nichts von den mutmasslichen Machenschaften gewusst und in finanziellen Dingen vollkommen ihrem Mann vertraut zu haben. Seit der Aufdeckung des Skandals spielt das Paar keine öffentliche Rolle mehr. Auch der Krönung Felipes am 19. Juni blieben beide fern.

Der Skandal um Urdangarin hatte die letzten Thronjahre von König Juan Carlos, der im Juni im Alter von 76 Jahren zugunsten seines Sohns abdankte, stark belastet. Seit ihr Bruder König ist, gehören Cristina und ihre Schwester Elena der Königsfamilie formal nicht mehr an, sie haben keine repräsentativen Pflichten mehr.

AFP/rub

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