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Spanisches Militär übernimmt Kontrolle über Luftraum

Ein breit angelegter Streik der Fluglotsen legt fast den gesamten Flugverkehr in Spanien lahm. Nun hat Regierungschef Zapatero zu einer überraschenden Massnahme gegriffen.

Nach dem Streik: Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba kündigt Konsequenzen an.
Nach dem Streik: Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba kündigt Konsequenzen an.
Keystone
Das lange Warte: Auch am Samstag ist keine Bewegung in den Fluglotsenstreik gekommen. Am Flughafen von Bilbao.
Das lange Warte: Auch am Samstag ist keine Bewegung in den Fluglotsenstreik gekommen. Am Flughafen von Bilbao.
Keystone
Politiker im Wartezustand: Auch Oppositionsführer Mariano Rajoy steckt am Flughafen von Lanzarote fest.
Politiker im Wartezustand: Auch Oppositionsführer Mariano Rajoy steckt am Flughafen von Lanzarote fest.
Keystone
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Nach dem inoffiziellen Streik der Fluglotsen haben die spanischen Streitkräfte die Kontrolle über den Luftraum des Landes übernommen. Das teilte der stellvertretende spanische Ministerpräsident Alfredo Pérez Rubalcaba mit. Zuvor hatten acht Flughäfen wegen fehlender Fluglotsen schliessen müssen.

Die spanische Regierung drohte den streikenden Fluglotsen zudem mit der Festnahme. Wie Rubalcaba in der Nacht zum Samstag mitteilte, hat Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero das Kabinett wegen eines wilden Streiks der Lotsen für Samstagmorgen zu einer Krisensitzung einberufen. Die Regierung werde erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes den Alarmzustand ausrufen, wenn die Lage auf den Flughäfen sich bis dahin nicht normalisiere, sagte der Minister. Dies bedeute, dass den streikenden Fluglotsen die sofortige Festnahme drohe.

200'000 Reisende sassen fest

Mit ihrem wilden Streik haben die Fluglotsen den Flugverkehr über Spanien am Freitag beinahe vollständig zum Erliegen gebracht. Durch den Streik wurden die Flughäfen von Madrid, Barcelona, Mallorca, Menorca, Ibiza und auf den Kanarischen Inseln geschlossen.

Nach Angaben der Fluggesellschaft Iberia sassen 200'000 Reisende fest. Das Madrider Verkehrsministerium berief ein Krisenkomitee, um das Chaos unter Kontrolle zu bekommen. Auf den Flughäfen bildeten sich an den Abfertigungsschaltern lange Warteschlangen. Nach Angaben des staatlichen Radios RNE durften noch einige wenige Flugzeuge landen, die sich bei Beginn der Protestaktion bereits in der Luft befunden hatten. Reisende, die auf den Flughäfen auf ihre Maschinen warteten, wurden dazu aufgerufen, die Abfertigungshallen zu verlassen.

Swiss-Maschine kehrt um

Auf dem Flughafen auf Mallorca protestierten Tausende festsitzende Passagieren. Die spanischen Fluggesellschaften bezeichneten die Lage als sehr kritisch. Die Lage wurde dadurch erschwert, dass am Freitag Tausende von Spaniern in ein langes Wochenende aufbrechen wollten. Der kommende Montag und Mittwoch ist für die meisten Spanier arbeitsfrei.

Vom wilden Streik waren auch insgesamt sieben Flüge der Gesellschaft Swiss betroffen, wie Mediensprecher Jean-Claude Donzel gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagte. Ein Flugzeug, das in Zürich bereits Richtung Madrid gestartet war, musste umkehren.

Monatelanger Streit

Nach Angaben der Aena hatten 70 Prozent der Lotsen ohne vorherige Ankündigung ihre Arbeitsplätze verlassen. Die Behörde setzte sich mit Eurocontrol in Verbindung, um zu verhindern, dass Flugzeuge aus anderen europäischen Ländern spanische Flughäfen anflogen.

Sie beschuldigte die Lotsen, die Fluggäste als Geiseln genommen zu haben. Die Protestaktion sei ein strafbares Vergehen und könne zur Entlassung führen. Die Fluglotsen reagierten mit ihrem Streik offenbar auf einen Beschluss der spanischen Regierung, die eine neue Regelung für die Dienstzeiten der Lotsen eingeführt hatte.

Zapatero billigt weitere Sparmassnahmen

Hintergrund ist ein Streit der Fluglotsen über ihre Löhne, Arbeitsbedingungen und Vergünstigungen. Die Fluglotsengewerkschaft hatte bereits vor Wochen mitgeteilt, dass ihre Mitglieder die Maximalarbeitszeit für dieses Jahr erreicht hätten.

Nur wenige Stunden vor dem mutmasslichen Ausstand hatte die Regierung von Ministerpräsident Zapatero weitere Sparmassnahmen gebilligt, um den zunehmenden Druck der Anleger angesichts der angespannten Haushaltslage zu entschärfen. Vorgesehen ist unter anderem die teilweise Privatisierung von Flughäfen. Ein Teil der Fluglotsen nahm die Arbeit am späten Freitagabend wieder auf. In Barcelona konnten dadurch mehrere Flugzeuge am frühen Samstagmorgen starten.

SDA/jak/mrs

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