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Tausende mit Tränengas aus Gezi-Park verjagt

Türkische Demonstranten trotzten den Warnungen der Behörden und versuchten zu Tausenden, den abgesperrten Gezi-Park zu betreten. Die Polizei reagiert mit dem Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern.

Schweres Geschütz: Ein türkischer Polizist feuert in Istanbul eine Tränengas-Kanone ab. (6. Juli 2013)
Schweres Geschütz: Ein türkischer Polizist feuert in Istanbul eine Tränengas-Kanone ab. (6. Juli 2013)
Reuters

Mit Tränengas und Wasserwerfern ist die Polizei in Istanbul am Samstag gegen Demonstranten auf dem zentralen Taksim-Platz vorgegangen. Ein Dutzend Menschen wurden festgenommen, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Wenige Stunden zuvor hatte Istanbuls Gouverneur Hüseyin Avni Mutlu die Kundgebung für illegal erklärt und mit deren Auflösung gedroht.

Tausende Menschen versuchten dennoch in den abgesperrten Gezi-Park vorzudringen, dessen geplante Bebauung Ende Mai Massenproteste gegen die Regierung von Recep Tayyip Erdogan ausgelöst hatte. Die jüngste Kundgebung sollte laut den Organisatoren auf das kürzlich ergangene Gerichtsurteil aufmerksam machen, das Bauprojekte im Gezi-Park verbietet.

Eingang zum Taksim-Platz verbarrikadiert

Zunächst lieferten sich die Demonstranten am Samstag lautstarke Wortgefechte mit Bereitschaftspolizisten und forderten, den Park betreten zu dürfen. Unter Einsatz von Wasserwerfen und Tränengas drängten die Beamten die Menge daraufhin vom Gelände. Dann setzten die Polizisten den davonrennenden Demonstranten in zwei nahe gelegene Hauptstrassen nach und feuerten erneut Tränengas und Wasserwerfer auf sie ab. Später verbarrikadierten die Beamten einen Eingang zum Taksim-Platz.

Videoaufnahmen der privaten Nachrichtenagentur Dogan zeigten einen Mann mit blutüberströmten Gesicht, dem in einen Krankenwagen geholfen wurde. Auf anderen Bilder waren zwei mutmassliche Regierungsanhänger zu sehen, die vor Demonstranten bedrohlich mit machetenartigen Schwertern herumfuchtelten. Die Männer seien festgenommen worden, teilte Gouverneur Mutlu per Twitter mit. Beim Versuch, die Verdächtigen in Schach zu halten, sei ein Polizist verletzt worden.

Gezi-Park soll bald wieder offen sein

Ein Istanbuler Gericht hatte im Juni verfügt, dass geplante Sanierungsprojekte im Gezi-Park, darunter die Nachbildung einer osmanischen Kaserne, nicht zulässig seien. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig und wird möglicherweise vor einer höheren Instanz angefochten.

Das brutale Vorgehen der Polizei gegen eine friedliche Demonstration von Umweltschützern gegen die Abholzung des Gezi-Parks hatte Ende Mai landesweite Proteste ausgelöst, die sich schliesslich ganz allgemein gegen den von vielen als autoritär angesehenen Regierungsstil von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan richteten. Bei den Demonstrationen kamen vier Menschen ums Leben.

Gouverneur Mutlu sagte derweil, der Gezi-Park solle am Sonntag oder Montag wieder geöffnet werden.

AP/fko

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