Zum Hauptinhalt springen

Tief atmen. Abstimmen

Der Hype um die achtsame Innerlichkeit macht auch vor Parlamenten nicht halt.

Im britischen Unterhaus wird seit 2013 über Parteigrenzen hinweg gemeinsam meditiert. Foto: Keystone
Im britischen Unterhaus wird seit 2013 über Parteigrenzen hinweg gemeinsam meditiert. Foto: Keystone

Die Politik setzt auf Achtsamkeits­meditation. Jawohl, richtig gehört, Achtsamkeit. Da möchte man erst mal einatmen, ausatmen und sich ein bisschen zusammenreissen, um dieser Nachricht wertfrei nachspüren zu können. Bilder meditierender Abgeordneter und achtsamer Ministerinnen passen schliesslich nicht sehr gut in diese hitzigen Zeiten, die von Schreihälsen und Spaltpilzen dominiert werden. Doch der Hype um die achtsame Innerlichkeit macht auch vor Parlamenten nicht halt. Im britischen Unterhaus wird seit 2013 über Parteigrenzen hinweg ohne Fraktionszwang gemeinsam meditiert. Und auch in Schweden, den Niederlanden und im US-Kongress haben Abgeordnete in den vergangenen Jahren ­Achtsamkeitsinitiativen gestartet.

Aber funktioniert das auch? Diese Frage lässt sich so einfach nicht ­beantworten. Bisher fehlten Belege dafür, dass derlei politische Achtsamkeitsinterventionen die gewünschte Wirkung erzielen, sagen Michael Bang Petersen und Panagiotis Mitkidis von der dänischen Universität Aarhus.

Kann die Achtsamkeit also zu den politischen Akten gelegt werden? «Die Studie ist höchstens ein erster Schritt und lässt sehr viele Fragen offen», sagt der Psychologe Simon Schindlert. Selbst wenn es keine Belege für eine toleranzförderliche Wirkung gebe, dürfe in der Politik meditiert werden. «Es schadet laut den Befunden der Studie auch nicht», sagt Schindler.

Alan Howarth, Mitglied des britischen Oberhauses, schwärmte über die parlamentarischen Achtsamkeits­sitzungen: Diese seien «Oasen des Vertrauens und der Freundschaft». Ob dahinter nun die Meditation oder das Gruppenerlebnis steckt? Egal.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch