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Todesrate in Moskau explodiert

Durch die Hitze und die verheerende Waldbrände sterben in der russischen Hauptstadt massiv mehr Menschen als im Jahr zuvor. Und eine Entwarnung ist nicht in Sicht.

Eingeschränktes Leben: Russin in Moskau.
Eingeschränktes Leben: Russin in Moskau.
Reuters

Nach Angaben des Einwohnermeldeamts starben im Juli fast 5000 Hauptstädter mehr als im gleichen Vorjahresmonat. Verglichen zum Juli 2009 sei die Todesrate um rund 50 Prozent angestiegen, sagte die Sprecherin des Einwohnermeldeamts, Jewgenja Smirnowa. "Die Hitzewelle hat dabei sicherlich einen Einfluss." Die Rekordhitze bringt insbesondere ältere Menschen in Lebensgefahr.

Der giftige Rauch der Waldbrände hatte Moskau am Freitag weiter im Griff: In der russischen Hauptstadt wuchs die Angst vor schweren gesundheitlichen Problemen, da sich nach Angaben der Behörden die Konzentration giftiger Stoffe in der Luft wieder erhöhte. Zahlreiche Moskauer trugen Schutzmasken oder hielten sich Taschentücher vor ihr Gesicht.

Flugbetrieb nur beschränkt möglich

"Seit Donnerstag beobachten wir ein ansteigendes Niveau der Luftverschmutzung", sagte ein Vertreter der Abteilung für Umweltschutz in Moskau laut der Nachrichtenagentur Interfax. Laut Mosekomonitoring lag die Konzentration giftiger Partikel in der Luft weit über dem Normalmass. Die Sichtweite betrug weniger als 400 Meter, das Stadtbild wurde vom Smog vernebelt. Auf den Flughäfen Domodedowo und Wnukowo war der Betrieb nur eingeschränkt möglich. In Moskau wurden für den Tag erneut Temperaturen um die 40 Grad erwartet.

Nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums hat sich die Lage bei den Waldbränden unterdessen etwas stabilisiert, allerdings wurden noch immer 588 Brände gezählt. Die Zahl der Feuertoten stieg nach Angaben der Gesundheitsbehörden auf 52; 471 Menschen mussten medizinisch betreut werden. Das Katastrophenschutzministerium rief die Bevölkerung am Freitag auf, sich freiwillig für den Kampf gegen die Flammen zu melden.

Evakuierung von Waffendepots

Sorge bereite nach wie vor die Situation in der Region von Moskau sowie in der Nähe der Stadt Sarow mit dem Atomwaffen-Forschungszentrum, sagte der Leiter des Krisenzentrums, Wladimir Stepanow. Dort waren bis Donnerstag vorsorglich alle radioaktiven und explosiven Materialien geräumt worden. Wegen der Gefahr durch die Waldbrände ordnete das russische Militär zudem die Evakuierung von Waffen- und Munitionsdepots in der Region Moskau an.

Die Armee räumte am Freitag ein, dass ein zweiter Stützpunkt von den Flammen zerstört wurde. Bereits Ende Juli sei der Logistik-Standort der Fallschirmjäger in der Gegend von Moskau ausgebrannt. Zuvor war die Zerstörung eines Marine-Nachschubzentrums in Kolomna südöstlich der Hauptstadt bekannt geworden.

Bemühungen verstärkt

Angesichts der Waldbrände befürchten die Behörden auch, dass in Gebieten, die bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor knapp einem Vierteljahrhundert verstrahlt wurden, radioaktive Stoffe freigesetzt werden könnten. Das Katastrophenschutzministerium verstärkte deshalb seine Bemühungen, die Brände in der Region Brjansk unter Kontrolle zu bekommen.

Es befürchtet, dass durch den Rauch radioaktive Partikel aufsteigen und dadurch weitere Gebiete verstrahlt werden könnten. Die Region Brjansk, die im Westen Russlands an die Ukraine und Weissrussland grenzt, wurde im April 1986 durch die radioaktive Wolke aus dem Atommeiler Tschernobyl erheblich verseucht.

AFP/sam

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