Trump: «Ich war nie ein Fan des Vietnamkriegs»

Der US-Präsident rechtfertigt seine Nicht-Teilnahme am Vietnamkrieg. Und er macht einen kurzen Trip nach Irland.

Abstecher nach Irland: Donald Trump und die First Lady Melania besteigen das Flugzeug in Southampton. (Reuters/Carlos Barria/5. Juni 2019)

Abstecher nach Irland: Donald Trump und die First Lady Melania besteigen das Flugzeug in Southampton. (Reuters/Carlos Barria/5. Juni 2019)

Donald Trump ist nach seinen eigenen Worten noch «nie ein Fan» des Vietnamkriegs gewesen. Er bedaure in keinster Weise, nicht in dem Krieg gedient zu haben, sagte der amerikanische Präsident dem britischen Fernsehsender ITV am Mittwoch während seiner Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag des D-Day in Grossbritannien.

«Lassen Sie mich ehrlich sein, ich war nie ein Fan dieses Krieges. Ich hielt ihn für einen schrecklichen Krieg. Ich fand, er war sehr weit weg», sagte Trump und fügte hinzu: «Jeder spricht über Vietnam und zugleich hat damals niemand je von diesem Land gehört. Es ist nicht dasselbe wie 'Ich kämpfe gegen Nazi-Deutschland, wir kämpfen gegen Hitler.'»

Seit seinem Amtsantritt als US-Präsident hat Trump immer wieder verschiedene Gründe dafür angeführt, warum er nicht am Vietnamkrieg teilgenommen hat. Als Absolvent der Wharton School of Finance im Jahr 1968 hätte Trump damals verpflichtet werden können – rund eine halbe Million US-Soldaten waren in jenem Jahr im Einsatz. Trump entging dem Einsatz in Vietnam zunächst wegen mehrerer Freistellungen, die er als Student bekam. Später erhielt er eine medizinische Befreiung, nachdem ein Arzt einen Fersensporn diagnostiziert hatte.

Viele junge Männer, die wie Trump aus wohlhabenden Familien stammten oder die Möglichkeit hatten zu studieren, konnten sich einem Einsatz in Vietnam entziehen, darunter auch die früheren US-Präsidenten George W. Bush und Bill Clinton.

Über Kriegsveteranen gelästert

Trump hatte sich in der Vergangenheit auch abwertend über Vietnamkriegsveteranen geäussert, insbesondere über den republikanischen Senator John McCain, der vor seinem Tod im vergangenen August als hartnäckiger innerparteilicher Kritiker Trumps galt. 2015 hatte er McCain, der in Vietnam in Gefangenschaft geraten und dort gefoltert worden war, verspottet und ihm den Status als «Kriegsheld» abgesprochen. «Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen worden sind», erklärte Trump damals.

Im Interview mit ITV sagte Trump nun, es wäre ihm eine «Ehre» gewesen, an einem Krieg teilzunehmen, den er unterstützt hätte. Dass er nie in einem Militäreinsatz war, mache er aber nun durch die erhöhte Finanzausstattung des Pentagon wieder wett. «Ich denke, ich gleiche das gerade wieder aus», sagte Trump.

Irische Grenze beim Brexit «kein grosses Problem»

Trump flog am Mittwoch von England nach Irland. Die Frage der inner-irischen Grenze ist nach Darstellung des US-Präsidenten in der Brexit-Diskussion weitgehend unproblematisch. «Ich denke nicht, dass die Grenze überhaupt ein Problem sein wird».

Das sagte Trump am Mittwoch bei seiner Ankunft in Shannon (Irland), wo er mit dem irischen Regierungschef Leo Varadkar zusammentraf.

Die Frage der Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Provinz Nordirland, die künftig gemeinsam mit dem Rest Grossbritanniens aus der EU austreten will, gilt seit Jahren als eines der schwierigsten Themen bei der Umsetzung des Brexits. Der von Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelte Austrittsvertrag wurde unter anderem wegen der umstrittenen Backstop-Regelung wiederholt vom britischen Parlament abgelehnt.

Die Regel soll garantieren, dass es nach dem Brexit keine Grenzkontrollen zwischen der Republik Irland und Nordirland gibt. Demnach bleibt das ganze Königreich zunächst in der Zollunion und Nordirland in Teilen des Binnenmarkts, bis London und Brüssel eine bessere Lösung gefunden haben. Die EU hat zugesagt, dass der Backstop nicht als Dauerlösung gedacht ist. Brexit-Hardliner wollen ein einseitiges Kündigungsrecht.

Die Gefahr der Unruhen

Ohne Zollunion käme es zu einer Zollgrenze innerhalb Irlands, die das tägliche Leben in seiner jetzigen Form praktisch unmöglich machen würde und nach Einschätzung Dublins die Gefahr erneuter Unruhen heraufbeschwören würde.

Konservative Kreise in den USA betreiben vehement einen Austritt Grossbritanniens aus der Zollunion - und damit einen «No-Deal»-Brexit. Nur so könne schnell ein umfassendes Freihandelsabkommen zwischen den USA und Grossbritannien zustande kommen, was im nationalen Interesse der USA sei. Interesse daran besteht vor allem in den Finanzzentren New York und London. Die EU versuche, dies mit dem angeblich nur vorgeschobenen irischen Grenzargument zu verhindern.

fal/afp

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