Zum Hauptinhalt springen

Türkei lässt zwei prominente Journalisten frei

Drei Monate sassen Can Dündar und Erdem Gül von einer regierungskritischen Zeitung in Haft. Sie sollten zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Das Gericht entschied anders.

Galten international als Beispiel der Unterdrückung der türkischen Presse: Erdem Gül (links) und Can Dündar geben Interviews. (26. Februar 2016)
Galten international als Beispiel der Unterdrückung der türkischen Presse: Erdem Gül (links) und Can Dündar geben Interviews. (26. Februar 2016)
Vedat Arik, AFP

Die beiden seit drei Monaten inhaftierten türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül sind wieder frei. Die beiden hätten am Freitagmorgen das Silivri-Gefängnis in Istanbul verlassen, berichteten türkische Medien. Das türkische Verfassungsgericht hatte das Vorgehen gegen den Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung «Cumhuriyet» und seines Bürochefs in Ankara am Vortag für nicht rechtens erklärt. Der Fall hatte auch international scharfe Kritik an Präsident Recep Tayyip Erdogan ausgelöst.

Die beiden Männer wurden von ihren Familien und Kollegen vor dem Gefängnistor jubelnd empfangen. Das Verfassungsgericht hatte am Donnerstag mit zwölf gegen drei Richterstimmen entschieden, dass die «Rechte auf persönliche Freiheit und Sicherheit» von Dündar und Gül verletzt wurden.

Vorwurf: Spionage

Die für Terrordelikte zuständige Staatsanwaltschaft in Istanbul wirft den Journalisten, die Ende November in U-Haft kamen, Spionage und einen Umsturzversuch gegen die Regierung vor. Sie sollen mit Berichten über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an islamistische Rebellen in Syrien Staatsgeheimnisse verraten haben. Die Staatsanwaltschaft forderte lebenslange Haft für das Duo.

Dündars und Güls Festnahme hatte in der Türkei und anderen Ländern Empörung ausgelöst. Ihr Fall gilt als Beispiel für eine zunehmende Unterdrückung der Presse unter Staatspräsident Erdogan. Der Europarat und mehrere internationale Journalistenverbände kritisierten die Inhaftierungen in dem EU-Bewerberland. Dündar warf der EU vor, die Drangsalierung der Medien in der Türkei aus Rücksicht auf die erhoffte Zusammenarbeit mit Ankara bei der Flüchtlingsabwehr totzuschweigen.

AFP/chk

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch