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Tunesien schlägt Alarm wegen Jihad-Rückkehrern

Islamisten, die im Ausland kämpfen, soll die Regierung die Staatsbürgerschaft entziehen. Das Land drohe sonst zu einem «Somalia» zu werden, warnen tunesische Geheimdienstler.

Mehr als 5000 Tunesier sollen in extremistischen Gruppen kämpfen: Zusammenstösse zwischen Sicherheitskräften und Anhängern der islamistischen Ansar al-Shariah in Ettadhamen. (19. Mai 2013)
Mehr als 5000 Tunesier sollen in extremistischen Gruppen kämpfen: Zusammenstösse zwischen Sicherheitskräften und Anhängern der islamistischen Ansar al-Shariah in Ettadhamen. (19. Mai 2013)
Hassene Dridi, Keystone
An der Grenze zu Libyen baut Tunesien einen Anti-Jihad-Wall, um das Einsickern von Kämpfern zu verhindern. (6. Februar 2016)
An der Grenze zu Libyen baut Tunesien einen Anti-Jihad-Wall, um das Einsickern von Kämpfern zu verhindern. (6. Februar 2016)
AP Photo/Benjamin Wiacek, Keystone
Vor dem Parlament in Tunis demonstrierten nach Angaben der Veranstalter rund 1500 Menschen gegen die Rückkher von Jihadisten. (24. Dezember 2016)
Vor dem Parlament in Tunis demonstrierten nach Angaben der Veranstalter rund 1500 Menschen gegen die Rückkher von Jihadisten. (24. Dezember 2016)
Keystone
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Die Sicherheitsdienste in Tunesien warnen vor einer massenhaften Rückkehr tunesischer Jihadisten in ihre Heimat. Wenn die Regierung diese nicht mit «aussergewöhnlichen Massnahmen» bekämpfe, drohe Tunesien zu einem neuen «Somalia» zu werden, erklärte die nationale Gewerkschaft der inländischen Geheimdienste am Sonntag.

Bei Einsätzen im Irak, in Syrien oder in Libyen hätten die Jihadisten eine militärische Ausbildung erhalten und könnten jegliche Arten von hochentwickelten Kriegswaffen bedienen, warnte die Gewerkschaft. Zurück in Tunesien könnten sich die Islamisten «Schläferzellen» anschliessen. «Ihre Rückkehr zu akzeptieren (...) wird dazu beitragen, dass sich der Kreis des Terrorismus vergrössert», hiess es in der Erklärung.

Die Regierung müsse daher dringend «ausserordentliche» Massnahmen ergreifen, etwa den Entzug der Staatsangehörigkeit. Nach Angaben des Innenministeriums in Tunis sind bereits 800 Jihadisten in ihre Heimat zurückgekehrt. Nach Schätzungen einer UNO-Arbeitsgruppe kämpfen mehr als 5000 Tunesier in extremistischen Gruppen vor allem im Irak und in Syrien.

Protest gegen Rückkehrer

Am Samstag hatten hunderte Menschen vor dem Parlament in Tunis gegen eine Rückkehr von Jihadisten in ihr Land protestiert. Mehrere Nichtregierungsorganisationen hatten zu der Demonstration aufgerufen, an der nach Angaben der Veranstalter rund 1500 Menschen teilnahmen.

Anlass waren Äusserungen von Präsident Béji Caid Essebsi, wonach die Behörden die Rückkehr von Jihadisten nicht verhindern könnten. Diese Aussage empörte viele Tunesier. Seit dem Arabischen Frühling 2011 wurden in dem nordafrikanischen Land mehr als hundert Soldaten und Polizisten bei Anschlägen getötet - ebenso wie rund 20 Zivilisten und 59 ausländische Touristen.

Ein Tunesier war auch der mutmassliche Attentäter des Berliner Weihnachtsmarkts. Der 24-jährige Anis Amri war nach Erkenntnissen der Ermittler vor einer Woche mit einem Lastwagen über den Markt an der Gedächtniskirche gerast und hatte zwölf Menschen getötet sowie fast 50 weitere verletzt. Auf der Flucht wurde er am Freitag von der italienischen Polizei erschossen.

Festnahmen

Im Zusammenhang mit Amri nahmen die tunesischen Ermittler drei Verdächtige fest, unter ihnen seinen Neffen. Die zwischen 18 und 27 Jahre alten mutmasslichen Jihadisten seien Mitglieder einer «Terrorzelle», die in Verbindung zu Amri gestanden habe, erklärte das Innenministerium. Ob die Festnahmen am Freitag in direkten Zusammenhang zu dem Anschlag in Berlin stehen, blieb zunächst unklar.

Amris Neffe sagte den Angaben zufolge aus, sein Onkel habe ihm unter falschem Absender Geld per Post geschickt, damit er ihm nach Deutschland folge. Er habe ferner erklärt, dass sein Onkel der Anführer einer Jihadistengruppe in Deutschland gewesen sei.

Am Sonntag wurden nördlich der Hauptstadt Tunis fünf weitere mutmassliche Extremisten festgenommen, die jihadistische Kämpfer rekrutiert haben sollen, um sie in Konfliktgebiete zu schicken.

SDA/rub

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