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Ukraine verliert Kontrolle über Luftwaffenbasen

Russische Truppen haben auf der Krim ukrainische Stützpunkte gestürmt. Mit einem Panzerwagen durchbrachen die Angreifer das Tor einer Luftwaffenbasis, anschliessend schossen sie in die Luft.

Übernehmen die Kontrolle: Russische Soldaten in Belbek auf der Krim. (22. März 2014)
Übernehmen die Kontrolle: Russische Soldaten in Belbek auf der Krim. (22. März 2014)
Shamil Zhumatov, Reuters
Die Soldaten werden von Milizionären unterstützt: Handgemenge vor dem Stützpunkt in Belbek. (22. März 2014)
Die Soldaten werden von Milizionären unterstützt: Handgemenge vor dem Stützpunkt in Belbek. (22. März 2014)
EPA/SERGEI ILNITSKY
Ein Offizier antwortet darauf mit einer Rauchbombe.
Ein Offizier antwortet darauf mit einer Rauchbombe.
DMITRY SEREBRYAKOV, AFP
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Die Ukraine hat auf der Krim die Kontrolle über zwei weitere Militärbasen und ein Kriegsschiff an Russland verloren. Russische Truppen mit gepanzerten Fahrzeugen stürmten gewaltsam den Stützpunkt Belbek nahe Sewastopol und gaben Schüsse in die Luft ab. Zuvor hatten prorussische Aktivisten in Nowofedorowka im Westen der Krim eine Luftwaffenbasis unter ihre Kontrolle gebracht.

Ein Fahrzeug durchbrach das Tor des Militärstützpunktes Belbek, zwei weitere durchbrachen die Mauern des Geländes, wie eine AFP-Reporterin berichtete. Daraufhin stürmten Bewaffnete auf das Gelände, feuerten Schüsse in die Luft und hielten ukrainische Soldaten mit ihren Automatikwaffen in Schach. Ein Mann in Tarnkleidung und Sonnenbrille montierte eine Kamera ab, die automatische Aufnahmen von dem Komplex macht. Reporter der Nachrichtenagentur AFP wurden gezwungen, ihre Videoaufnahmen abzugeben. Im Internet wurden jedoch Bilder einer Überwachungskamera veröffentlicht.

Keine Gegenwehr: Russische Truppen stürmen den Luftwaffenstützpunkt in Belbek. (22. März 2014)

Lage beruhigt

Später beruhigte sich die Lage. Viele der unbewaffneten ukrainischen Soldaten sangen die Nationalhymne. Das regionale Verteidigungsministerium der Krim erklärte, dass prorussische Milizen im Inneren der Luftwaffenbasis seien. Der Komplex sei «umstellt», sagte ein Sprecher. Demnach soll ein Journalist verletzt worden sein. Die Basis Belbek hatte am Morgen auf ihrer Internetseite berichtet, russische Truppen hätten den Soldaten ein «Ultimatum» gestellt, ihre Waffen niederzulegen, sonst werde ihr Komplex «gestürmt».

Der Stützpunkt in der Stadt Nowofedorowka wurde ebenfalls attackiert. Prorussische Demonstranten rissen die ukrainische Fahne herunter und hängten eine russische Flagge auf, anschliessend stürmten sie das Gebäude und warfen mehrere Fenster ein. Vom Dach warfen ukrainische Militärs Rauchbomben herab. «Das ist meine Einheit und ich muss sie schützen», rief ein ukrainischer Offizier. Nach Verhandlungen mit russischen Soldaten gaben sie aber auf. Schon in den vergangenen Tagen waren Basen von russischen Militärs und prorussischen Milizen kampflos eingenommen worden.

Aktivisten stürmen den Luftwaffenstützpunkt in Nowofedorowka. (22. März 2014) (Video: Youtube/9plus0)

Im Hafen von Sewastopol eroberten Bewaffnete eines der letzten ukrainischen Marineschiffe auf der Krim. «Informanten in Simferopol geben an, dass Milizionäre und russische Spezialkräfte die Slawutitsch unter ihre Kontrolle gebracht haben», schrieb ein Sprecher des Kiewer Verteidigungsministeriums auf seiner Facebook-Seite. Das Schiff war seit Tagen von der russischen Marine im Krim-Hafen von Sewastopol blockiert. Die Korvette hatte sich vom Dock entfernt, um einer Erstürmung zu entkommen.

Steinmeier: Moskau betreibt «Spaltung Europas»

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier forderte im ostukrainischen Donezk die militärischen Einheiten der Ukraine und Russlands zu Gesprächen über den Umgang miteinander auf. Es sei «keine gute Idee, dass jetzt abschnittsweise Mannschaften entwaffnet oder technische Einheiten übernommen» würden. Steinmeier hatte zuvor in Kiew Gespräche über die Lage im Land geführt. Dabei hatte er Moskau vorgeworfen, eine «Spaltung Europas» zu betreiben. Europa dürfe dies «nicht zulassen». Der ukrainischen Regierung sagte er Unterstützung bei der Stabilisierung des Landes zu.

Steinmeier äusserte die Hoffnung, dass die OSZE-Beobachter «schnell in der Ukraine eintreffen werden, um Deeskalation zu unterstützen». Der Einsatz, den die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa am Freitag beschlossen hatte, soll bis zum Sonntag eingeleitet werden. Ziel der bis zu 400 Beobachter soll es sein, Spannungen in der Ukraine zu reduzieren und «Frieden, Stabilität und Sicherheit zu fördern». Da die Krim von dem OSZE-Auftrag ausgeklammert bleibt, hatte Moskau seinen Widerstand aufgegeben.

Demonstration in Donezk

In Donezk selbst demonstrierten rund 4000 Menschen für die Wiedereinsetzung des entmachteten prorussischen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. «Russland, hilf uns!» riefen die Demonstranten und schwenkten russische Flaggen. Janukowitsch war im Februar abgesetzt worden und nach Russland geflohen. In Donezk leben wie auf der Krim viele russischstämmige Bürger.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel kritisierte mit Blick auf den Gipfel zur atomaren Sicherheit in Den Haag ab Montag, dass die Abtrennung der Krim durch Russland auch ein Verstoss gegen das «Budapester Memorandum» von 1994 sei. Es sei damals «ein richtiger Schritt» gewesen, dass die Ukraine darin den Verzicht auf Atomwaffen versprochen habe. Im Gegenzug hätten Russland, Grossbritannien und die USA der Ukraine die Achtung ihrer Souveränität und ihrer Grenzen zugesichert.

Moskau erklärte, dass Aussenminister Sergej Lawrow und sein US-Kollege John Kerry die Ukraine-Krise in Den Haag am Rande des Gipfels erneut diskutieren wollen.

Militante gründen eigene Partei

Der gewaltbereite Flügel der ukrainischen Protestbewegung, der nationalistische Rechte Sektor, hat in Kiew eine eigene Partei gegründet. Der Vorsitzende Dmitri Jarosch trete bei der Präsidentenwahl am 25. Mai an, teilte die Partei mit.

Die Gruppierung stellte den militanten Kern der Proteste gegen den inzwischen gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch. Sie sind bekannt für ihr martialisches Auftreten mit Schutzschilden, Knüppeln und schwarz-roten Armbinden. Kritiker bezeichnen sie als Faschisten. Die russische Justiz hat gegen Jarosch Haftbefehl wegen Terrorismus erlassen.

AFP/sda/mw

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