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UN-Kriegsverbrechertribunal fällt das bisher härteste Urteil

Das Gericht in Den Haag hat 15 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica zwei Mittäter verurteilt. Das Urteil könnte Auswirkungen auf den Prozess gegen Karadzic haben.

Kein Zeichen von Reue: Die Angeklagten Vujadin Popovic und Ljubisa Beara (von links) vor der Urteilsverkündung.
Kein Zeichen von Reue: Die Angeklagten Vujadin Popovic und Ljubisa Beara (von links) vor der Urteilsverkündung.
Reuters

Die bosnischen Serben Vujadin Popovic und Ljubisa Beara wurden am Donnerstag des Völkermords schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Es war das bislang härteste Urteil des Tribunals seit seiner Gründung 1993. Ein dritter Angeklagter, Drago Nikolic, wurde wegen Beihilfe zum Völkermord zu 35 Jahren Haft verurteilt. Vier weitere erhielten Gefängnisstrafen zwischen vier und 19 Jahren.

Popovic und Beara waren ranghohe Sicherheitsoffiziere des bosnisch-serbischen Heeres, Nikolic war Sicherheitskommandeur einer Brigade. Alle drei unterstanden General Ratko Mladic, gegen den vor 15 Jahren Anklage erhoben wurde und der noch immer flüchtig ist. Popovic organisierte und überwachte dem Urteil zufolge die Tötung von Gefangenen in einer Schule in Orahovac, Beara koordinierte demnach die Tötung muslimischer Gefangener und organisierte ihre Bestattung in Massengräbern.

Auswirkungen auf Karadzic-Prozess

Das Tribunal hatte zuvor erst einen Angeklagten wegen Völkermordes schuldig gesprochen. In der Berufungsverhandlung wurde das Urteil gegen General Radislav Kristic aus dem Jahr 2001 aber auf den Tatbestand der Beihilfe abgemildert. Seit dem vergangenen Jahr wird auch dem früheren bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic unter dem Vorwurf des Völkermords in Srebrenica der Prozess gemacht. In ihrem Urteil schrieben die Richter am Donnerstag, die Angeklagten hätten ihre brutalsten Verbrechen nach einer Direktive Karadzics ausgeführt. Experten sind der Ansicht, dass das Urteil indirekt Auswirkungen auf den Prozess gegen Karadzic haben könnte.

In der bosnischen Stadt Srebrenica ermordeten bosnisch-serbische Streitkräfte 1995 rund 8000 überwiegend muslimische Jungen und Männer. Das Massaker ging als schwerstes Kriegsverbrechen in Europa nach 1945 in die Geschichte ein.

dapd/jak

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