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Verdrehte Wahl in Dänemark

Die Gewinner haben am Ende verloren, die Verlierer gewonnen. Der unerwartet grosse Erfolg der Rechtspopulisten hat die Politik in Dänemark auf den Kopf gestellt.

Während des Wahlkampfs ging es vor allem um das Duell zwischen Oppositionsführer Lars Løkke Rasmussen von den Liberalen und Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt von den Sozialdemokraten. Nun hat Lars Løkke Rasmussen das schlechteste Ergebnis seiner Partei seit 25 Jahren eingefahren. 13 Mandate muss er abgeben. Trotzdem wird er wahrscheinlich Ministerpräsident. Die amtierende Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt dagegen hat ihre Partei zum Erfolg geführt. Sie ist mit 26,3 Prozent der Stimmen stärkste Kraft geworden, hat im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren zugelegt. Damals, 2011, war Thorning-Schmidt diejenige mit dem historisch schlechten Ergebnis. Trotzdem wurde sie Ministerpräsidentin. Nun muss sie den Posten jedoch wieder verlassen – trotz ihres guten Ergebnisses. Noch am Wahlabend kündete sie auch ihren Rücktritt als Parteichefin an. Es wirkt fast so, als hätten hier nicht die Wähler, sondern fremde Mächte über Sieg und Niederlage bestimmt.

Tatsächlich war es die Dänische Volkspartei, die alles verkehrte. Die EU-Kritiker und Einwanderungsfeinde waren der unbestrittene Gewinner dieser Wahl. 21,1 Prozent stimmten für sie, mehr als jeder fünfte Wähler. Das macht sie zur zweitstärksten Partei im Land und zur stärksten Partei im bürgerlichen Lager – stärker als die Liberalen, die bisher grösste Fraktion im Parlament. Die Rechtspopulisten werden den liberalen Kandidaten Rasmussen wohl trotzdem zum Regierungschef machen. Doch er wird ihre Stärke noch zu spüren bekommen, spätestens wenn die Dänische Volkspartei ihre Politik durchdrücken möchte.

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