Warum Hongkonger in Hamburg Angst vor dem Protestieren haben

Die jungen Leute in der norddeutschen Stadt spüren den langen Arm Pekings.

Wie in Hamburg, bekunden auch in Berlin Hongkonger und Deutsche Solidarität mit Hong Kong. Foto: Keystone

Wie in Hamburg, bekunden auch in Berlin Hongkonger und Deutsche Solidarität mit Hong Kong. Foto: Keystone

Lea Deuber@Lea_Deuber

Am Samstag wollen sie in Hamburg wieder an Hongkong erinnern, trotz allem. «Stand with Hong Kong», lautet ihr Motto. «Der Hongkonger Kampf für Freiheit und Menschenrechte erreicht Hamburg!» In der Hansestadt lebende Hongkonger werden auf den Konflikt zwischen China und Hongkong und die aktuellen Gefahren aufmerksam machen. Und weil bei ihrer letzten Demo erschreckende Dinge gemeldet wurden, schickt die Bewegung dies voraus: «Wir lassen uns unsere Rechte nicht nehmen – erst recht nicht in Deutschland!»

Am 17. August hatten die jungen Leute schon einmal demonstriert. Sie sassen vor dem Rathaus, mit Fotos und Plakaten. «Demokratie für Hongkong», stand darauf. Oder «No violence!», keine Gewalt. Oder «Together we fight», gemeinsam kämpfen wir.

Daheim in Hongkong werden Demonstranten von Polizisten und Schlägertrupps verprügelt, nebenan wartet die chinesische Armee. Deutschland sollte für protestierende Hongkonger sicherer sein, doch Teilnehmer sind seit dem 17. August nachhaltig verstört. Eine Frau und ein Mann erzählen. Ihre Namen, ihr Alter und ihre Jobs behalten sie für sich, seit jenem Hamburger Nachmittag begleitet sie eine diffuse Angst. Da kamen Botschaften über die sozialen Netzwerke. «Ich hoffe, dass deine ganze Familie stirbt», habe einer geschrieben und sich als Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas ausgegeben.

Beleidigt und gefilmt

Bei ihrer angemeldeten Kundgebung in Hamburg scheinen plötzlich mehr regimetreue Chinesen als kritische Hongkonger aufgetaucht zu sein. Sie hätten provoziert und beleidigt, sie sangen die chinesische Hymne und breiteten eine grosse chinesische Flagge aus. Vor allem aber hätten die an dieser Stelle unangemeldeten Gegendemonstranten ständig gefilmt und fotografiert, gerne aus nächster Nähe, was nach Ansicht der Betroffenen eher nicht mit asiatischer Freude an Fotos und Videos zu erklären ist.

Bei einer angemeldeten Kundgebung in Hamburg scheinen plötzlich mehr regimetreue Chinesen als kritische Hongkonger aufgetaucht zu sein.

Sie würden die Aufnahmen im Internet verbreiten und an das chinesische Konsulat weiterleiten, hätten die Hongkonger von den Chinesen zu hören bekommen. Das darf als Drohung verstanden werden, denn wer auf solchen Bildern zu erkennen ist, der oder dessen Angehörige könnten in Hongkong Probleme bekommen. «Unsere Familien sind unsere grösste Sorge», sagt eine Hamburger Hongkongerin. Ein Kollege fürchtet eine chinesische Gesichtserkennungssoftware. «Ziemlich organisiert» ­kamen ihm die chinesischen Rivalen vor. Welcher Regie sie folgten und ob es mehr sein könnte als der Versuch, eine Demonstration durcheinanderzubringen, ist schwer abzuschätzen.

Die Störungen sind denen in anderen Städten ähnlich, auch wenn es nicht so schlimm zuging wie in Australien. Schauplatz waren dort vor allem die Universitäten, prochinesische Studenten griffen Demonstranten aus Hongkong und Australien an. Die Regierung in Canberra hat eine Ermittlungsgruppe eingesetzt, um zu klären, inwieweit die Hochschulen des Landes von Kräften aus China unterwandert sind.

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