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Wer war der vierte Mann im Unglücks-Cockpit?

Die Untersuchung zum Flugzeugabsturz, bei dem ein grosser Teil von Polens Staatselite ums Leben kam, liefert erste gesicherte Erkenntnisse. Sie wirft aber auch neue Fragen auf.

Der polnische Präsident Lech Kaczynski wollte eine Gedenkfeier im russischen Smolensk besuchen. Beim Landeanflug zerschellte die Regierungsmaschine.
Der polnische Präsident Lech Kaczynski wollte eine Gedenkfeier im russischen Smolensk besuchen. Beim Landeanflug zerschellte die Regierungsmaschine.
Reuters
Russische Offiziere am Unglücksort.
Russische Offiziere am Unglücksort.
Reuters
Hart in der Sache, freundlich im Umgang: Am 20. Oktober 2006 beim EU-Gipfel in Lahti mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Hart in der Sache, freundlich im Umgang: Am 20. Oktober 2006 beim EU-Gipfel in Lahti mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Reuters
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Rund vier Wochen nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine im russischen Smolensk, bei dem 96 Menschen ums Leben kamen, geht das Rätselraten über die Unfallursache weiter. Laut polnischen Medienberichten haben Experten aus Russland und Polen technische Mängel am Flugzeug des sowjetischen Typs Tupolew Tu-154 ausgeschlossen, wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet.

Die Untersuchungen konzentrieren sich nun auf Fehler der Piloten und Fluglotsen sowie auf Mängel an den technischen Einrichtungen des Flughafens von Smolensk. Polnische Medien zeigten Bilder eines russischen Pressefotografen, auf denen Soldaten auf dem Smolensker Flughafen die Glühbirnen für die Beleuchtung der Landebahn erneuerten. Daraus wird geschlossen, dass die Beleuchtung zuvor defekt war.

Schon beim ersten Landeversuch abgestürzt

Bisher gibt es keine Hinweise, dass Präsident Lech Kaczynski den Piloten die Landung befohlen hat, wie verschiedentlich kolportiert wurde. Überraschend ist aber die Erkenntnis, dass auf dem Flugschreiber die Stimme einer vierten Person im Cockpit festgestellt wurde. Diese Person wurde offensichtlich noch nicht identifiziert. Dabei hatte es zunächst geheissen, dass alle Flugzeuginsassen identifiziert worden seien. Die russischen Untersuchungsbehörden wollten dazu keinen Kommentar abgeben.

Sie korrigierten aber bisher verbreitete Informationen. So geschah das Unglück nicht beim vierten, sondern beim ersten Landeversuch. Ausserdem sei der Pilot keinesfalls unerfahren gewesen, schreibt die «Süddeutsche Zeitung». Der Pilot sei in den Tagen vor dem Absturz bereits ein halbes Dutzend Mal von Warschau nach Smolensk geflogen.

Russland übergibt Dokumente an Polen

Solange die Absturzursache nicht geklärt ist, wird es weiter Spekulationen geben. Gleichzeitig kursieren in Polen wildeste Verschwörungstheorien - nicht zuletzt, weil die Untersuchungen von den Russen geführt werden. Inzwischen haben die russischen Ermittlungsbehörden der polnischen Staatsanwaltschaft die Übergabe von Dokumenten zugesichert. Darunter befinden sich auch Protokolle von den Autopsien der Opfer und Befragungen von Zeugen, wie etwa den Verantwortlichen im Kontrollturm des Flughafens in Smolensk. Die konservative polnische Opposition hatte zuvor die Ermittlungen bemängelt und verlangt, dass die Untersuchungen in polnische Hände übergehen solle.

Das Flugzeug von Präsident Lech Kaczynski war am 10. April auf dem Weg zu einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Massakers von Katyn vor 70 Jahren beim Anflug auf die westrussische Stadt Smolensk abgestürzt. Niemand überlebte das Unglück. An Bord befanden sich insgesamt 96 Personen - neben Kaczynski und seiner Frau Maria zahlreiche Vertreter der polnischen Elite.

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