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«Will sie meine Eier auf einem silbernen Tablett serviert?»

Zum politischen Erbe des verstorbenen Jacques Chirac gehören etliche Bonmots und spitze Bemerkungen, die er mehr oder weniger gezielt fallen liess.

Zwölf Jahre lang war er Präsident Frankreichs: Jacques Chirac ist im Alter von 86 Jahren gestorben.
Zwölf Jahre lang war er Präsident Frankreichs: Jacques Chirac ist im Alter von 86 Jahren gestorben.
Philippe Wojazer, Reuters
Er prägte wie kaum ein anderer Politiker über Jahrzehnte das Bild Frankreichs: Jacques Chirac macht Spässe mit seinen Anhängern 1988 im Bordeaux.
Er prägte wie kaum ein anderer Politiker über Jahrzehnte das Bild Frankreichs: Jacques Chirac macht Spässe mit seinen Anhängern 1988 im Bordeaux.
Regis Duvignau, Reuters
Als erstes ehemaliges Staatsoberhaupt Frankreichs wurde Chirac vor Gericht gestellt und im Dezember 2011 – unter anderem wegen Untreue – zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. (14. August 2011)
Als erstes ehemaliges Staatsoberhaupt Frankreichs wurde Chirac vor Gericht gestellt und im Dezember 2011 – unter anderem wegen Untreue – zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. (14. August 2011)
Sebastien Nogier, Reuters
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Der frühere französische Präsident Jacques Chirac, der im Alter von 86 Jahren gestorben ist, konnte erheiternd und verletzend sein.

Einwanderung und Rechtsextremismus

1991 sagte Chirac zur Frage der Einwanderung, die seine Präsidentschaft begleiten sollte: «Unser Problem sind nicht die Ausländer, es ist die Überdosis. (...) Wie soll ein französischer Arbeiter, der mit seiner Frau arbeitet und die zusammen 15'000 Francs verdienen, wenn er nebenan eine Familie mit einem Vater und drei oder vier Frauen sieht, der 50'000 Francs an Sozialleistungen erhält (...), und dann kommt noch der Lärm und der Geruch dazu, dann wird der französische Arbeiter verrückt! (...) Und es ist nicht rassistisch, das zu sagen.»

Im Laufe der Jahre gewann der rechtsextreme Front National (FN) Stimmenanteile hinzu. Als Chirac 2002 gegen FN-Gründer Jean-Marie Le Pen in der Stichwahl stand, verweigerte er diesem ein TV-Duell mit der Begründung, er wolle nicht dazu beitragen, dass «Hass und Intoleranz zur Normalität werden».

Grossbritannien und Margaret Thatcher

Aus dem Jahr 1986 ist ein Ausspruch über die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher überliefert, die Chirac bei einem EU-Gipfel auf die Nerven ging: «Was will die Hausfrau denn noch, etwa meine Eier, auf einem silbernen Tablett serviert?», ereiferte sich Chirac vor einem Mikrofon, das nicht abgeschaltet war.

Und die Genervtheit schien über die Jahre nicht zu verblassen. Im Juli 2005 fing ein Mikrofon einen Ausspruch Chiracs über die Briten im Allgemeinen ein, der wenig diplomatisch war: «Das Einzige, was sie für die europäische Landwirtschaft getan haben, ist der Rinderwahn. (...) Man kann Leuten nicht vertrauen, die so schlecht kochen.»

USA und osteuropäische Länder

Wenig Verständnis zeigte Chirac dafür, dass die Regierungen mehrerer osteuropäischer Staaten 2003 US-Präsident George W. Bush im Irak-Krieg unterstützten. «Diese Länder waren (...) nicht sehr gut gebildet und sich nicht richtig der Gefahren bewusst, die eine zu schnelle Anlehnung an die US-Position beinhaltet», sagte Chirac im Februar 2003. «Ich glaube, sie haben eine gute Gelegenheit verpasst, zu schweigen.»

Schwierigkeiten mit Nachfolger Sarkozy

Kein sonderliches Vergnügen bereitete Chirac der Umgang mit Nicolas Sarkozy – obschon dieser zu seiner politischen Familie gehört. Auf die Dauer konnte Chirac nicht verhindern, dass Sarkozy sich als sein Nachfolger im Präsidentenamt aufbaute. Aber im Juli 2004 sagte er über die Rollenverteilung mit dem damaligen Finanzminister: «Ich entscheide, und er führt aus.»

Nachdem Sarkozy 2007 in den Elysée-Palast eingezogen war, entspannte sich das Verhältnis nicht. Chirac nutzte seine Memoiren zu einer Abrechnung mit Sarkozy. Dieser sei «nervös, ungestüm, ohne Zweifel an irgendetwas, vor allem nicht an sich selbst».

Als Sarkozy sich 2012 um eine Wiederwahl bewarb, griff Chirac zu einem ungewöhnlichen Mittel der Auseinandersetzung und schlug sich auf die Seite des sozialistischen Herausforderers François Hollande: «Ich kann Ihnen sagen, dass ich Hollande wählen werde!»

Raubbau an der Natur

Obwohl Chirac in seiner Amtszeit die zeittypische Art des Umgangs mit Landwirtschaft und Natur nicht grundsätzlich infrage stellte, wirkt es im Nachhinein hellsichtig, dass er beim Erdgipfel in Johannesburg im September 2002 ausrief: «Unser Haus brennt – und wir schauen fort!» Die Natur werde «verstümmelt» und «übermässig ausgebeutet», fügte Chirac hinzu. «Die Erde und die Menschheit sind in Gefahr, und wir sind alle dafür verantwortlich.»

Verpasste Chance

Der Sportzeitung «L'Equipe» vertraute Chirac 1998 an, dass er vielleicht das Zeug zu einem Sumo-Ringer gehabt hätte. «Wenn ich jung begonnen hätte, hätte ich Sumo machen können», sagte der 65-Jährige. «Die Grösse hatte ich, und für das nötige Gewicht kann man sorgen.»

SDA/nag

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