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Zypriotische Polizei zwingt Flüchtlinge von Bord

Mehrere Stunden weigerten sich syrische Flüchtlinge, ein Kreuzfahrtschiff zu verlassen, das sie aus Seenot gerettet hat. Nun haben sich die Behörden durchgesetzt.

Haben die Flüchtlinge begleitet: Beamte neben den syrischen Flüchtlingen am Hafen von Limassol. (25. September 2014)
Haben die Flüchtlinge begleitet: Beamte neben den syrischen Flüchtlingen am Hafen von Limassol. (25. September 2014)
Keystone
Kreuzfahrt mit Flüchtlingen: 345 aus Seenot gerettete syrische Flüchtlinge auf einem zypriotischen Kreuzfahrtschiff. (25. September 2014).
Kreuzfahrt mit Flüchtlingen: 345 aus Seenot gerettete syrische Flüchtlinge auf einem zypriotischen Kreuzfahrtschiff. (25. September 2014).
Andrew Caballero-Reynolds, AFP
... und blockierten derweil die Weiterfahrt der russischen Gäste auf der Salamis Filoxenia nach Israel (25. September 2014).
... und blockierten derweil die Weiterfahrt der russischen Gäste auf der Salamis Filoxenia nach Israel (25. September 2014).
EPA, Keystone
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Am Freitag ist in Zypern eine dramatische Rettungsaktion für fast 350 mehrheitlich syrische Bootsflüchtlinge zu Ende gegangen. In der Nacht musste die zypriotische Polizei rund 280 der Geretteten in mühsamen Verhandlungen überzeugen, ein Kreuzfahrtschiff zu verlassen, das die Menschen am Donnerstag aus ihrer Seenot gerettet hatte.

Das zypriotische Kreuzfahrtschiff «Salamis Filoxenia» war am Donnerstag mit rund 700 Passagieren an Bord auf dem Weg zur zypriotischen Hafenstadt Limassol, als es zur Rettung der Flüchtlinge aufgefordert wurde. Die zypriotischen Behörden hatten zuvor einen Notruf eines Flüchtlingsboots erhalten, das bei rauer See etwa 90 Kilometer südwestlich der Küstenstadt Paphos trieb und zu kentern drohte.

«Das Meer war schrecklich», sagte die Passagierin Chrystalla Eflatsoumis der Nachrichtenagentur AFP. Als das Schiff dem kleinen, überfüllten Flüchtlingsboot zur Hilfe kam, sei dieses bereits drei Tage auf See gewesen. Eflatsoumis sah nach eigenen Angaben «viele schwangere Frauen und 20 Säuglinge» unter den Flüchtlingen.

Flüchtlinge wollten nach Italien

Nach Angaben des zypriotischen Verteidigungsministeriums wurden 345 Menschen von dem Boot geborgen, darunter 52 Kinder. Alle Geretteten waren dem Hafenchef von Limassol zufolge bei guter Gesundheit.

Doch nach der Ankunft in Limassol waren nur einige Dutzend Flüchtlinge bereit, in das vorbereitete Auffanglager nahe der Hauptstadt Nikosia zu gehen. Rund 280 Gerettete forderten, stattdessen nach Italien gebracht zu werden und blieben auf dem Kreuzfahrtschiff.

«Wir haben sie gerettet, gefüttert und jetzt wollen sie das Schiff nicht verlassen. Wir werden ruiniert», sagte ein Sprecher des Kreuzfahrtbetreibers im Rundfunk in der Nacht. Durch den Ausfall einer Kreuzfahrt am Freitag habe sein Unternehmen hunderttausende Euro verloren.

Schliesslich ging die Polizei an Bord und versuchte in mehr als sechs Stunden dauernden Gesprächen die Flüchtlinge davon zu überzeugen, das Kreuzfahrtschiff zu verlassen. «Gegen fünf Uhr morgens (Freitag) wurden die Lichter an Bord des Schiffes ausgeschaltet. Dann ging die Polizei rein», sagte ein Augenzeuge.

«Keine Gewalt angewendet»

Die Migranten kamen wenig später heraus. «Wir haben Druck, aber keine Gewalt angewendet», erklärte der zypriotische Justizminister, Ionas Nikolaou, im Radio. Zypern werde die Rechte der Migranten respektieren und jeden Asylantrag einzeln prüfen. Man könne aber nicht die Menschen in ein anderes EU-Land transportieren, hiess es.

Die Flüchtlinge wurden am Freitag in kleineren Gruppen in ein Flüchtlingslager westlich der Inselhauptstadt Nikosia gebracht, wie das Fernsehen zeigte. Zwei Kinder mussten ins Spital gebracht werden. Ein Mann habe versucht sich zu erhängen. Die Polizei konnte rechtzeitig einschreiten und ihn davon abhalten, berichtete das Staatsfernsehen.

Fahrt kostete 6000 Euro

Die Flüchtlinge stammen nach Angaben der Behörden fast alle aus Syrien. Sie sagten den Behörden, sie hätten pro Kopf 6000 Euro an eine Schleuserbande gezahlt, die sie aus Syrien nach Italien bringen sollte. Der Kapitän und die Besatzung hätten aber heimlich am Donnerstag den Kutter verlassen und die Menschen ihrem Schicksal überlassen.

Zypern liegt nur rund 100 Kilometer von der syrischen Küste entfernt. Die zahlreichen Konflikte im Nahen Osten sowie in Ost- und Zentralafrika haben 2014 eine beispiellose Zahl von Menschen in die Flucht getrieben. Seit Jahresbeginn kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration bereits etwa 300 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ums Leben.

SDA/wid

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