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Ägyptens stärkste Oppositionskraft in Lauerstellung

Die Muslimbruderschaft ist die älteste und einflussreichste Oppositionsbewegung in Ägypten. Seit Freitag stellt sie sich offen hinter die Demonstranten.

Eine einflussreiche Bewegung: Muhammed al-Beltagi, ein Vertreter der Muslimbruderschaft, beim Wahlkampf Ende November 2010.
Eine einflussreiche Bewegung: Muhammed al-Beltagi, ein Vertreter der Muslimbruderschaft, beim Wahlkampf Ende November 2010.
Keystone

Offiziell ist die Muslimbruderschaft verboten. Doch Ägyptens einflussreichste Oppositionsbewegung wird toleriert und wirkt auf vielfältige Weise der Regierung von Staatschef Hosni Mubarak entgegen. Am Freitag unterstützte die islamistische Bruderschaft erstmals offen die Proteste gegen den seit fast drei Jahrzehnten regierenden Präsidenten.

Die Reaktion der Behörden liess nicht lang auf sich warten: Nach Angaben ihres Anwalts wurden schon im Vorfeld mindestens 20 Mitglieder der Bruderschaft festgenommen. Im scheidenden Parlament hatten die Kandidaten der islamistischen Muslimbruderschaft 88 Sitze. Die zweite Runde der Parlamentswahl im Dezember boykottierte die Oppositionsbewegung aber und begründete dies mit Wahlfälschungen und Einschüchterungen.

Doch auch ohne die Arbeit im Parlament bleiben den Muslimbrüdern genügend Möglichkeiten, ihren Einfluss auf die ägyptische Gesellschaft zu festigen. Sie sind besonders aktiv in den Moscheen des Landes, kümmern sich um Bedürftige und verfügen ausserdem über Einfluss auf Universitäten und Gewerkschaften. Die Muslimbruderschaft ist die älteste sunnitisch-islamistische Bewegung. Sie wurde 1928 von Hassan el Banna gegründet. Ihre Lehre folgt dem «Tauhid», der Einheit zwischen Staat und Islam.

Wechselvolle Geschichte

In ihrer langen Geschichte pendelte die Bruderschaft zwischen gewalttätiger Opposition und Zusammenarbeit mit der Führung, zwischen Einsatz für einen islamischen Staat und Bekenntnissen zur Demokratie. In den 40er Jahren verübten die Muslimbrüder blutige Angriffe, insbesondere den Mord an dem ägyptischen Ministerpräsidenten Mahmud Fahmi el Nokratschi 1948.

In den folgenden Jahrzehnten ging die ägyptische Führung hart gegen die Bruderschaft vor. Um den von der Sowjetunion unterstützten Staatschef Gamal Abdel Nasser zu schwächen, unterstützte der US- Geheimdienst CIA ab 1956 die Muslimbruderschaft. Nassers Nachfolger Anwar el Sadat erliess 1971 eine Generalamnestie für die Muslimbrüder. Als aber Sadat sich politisch umorientierte und Frieden mit Israel schloss, wandte sich die Bruderschaft tief enttäuscht ab. Radikalisierte Ex-Muslimbrüder töteten Sadat 1981.

SDA/jak

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