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Ägyptische Ultras reagieren heftig auf Todesurteile

Anhänger des Fussballclubs Al-Ahli setzten heute in Kairo mehrere Gebäude in Brand. Mindestens eine Person kam ums Leben. Zuvor wurde gegen 21 Hooligans das Todesurteil bestätigt.

Die Zentrale des ägyptischen Fussballverbands steht in Brand.
Die Zentrale des ägyptischen Fussballverbands steht in Brand.
Reuters
Die Fans protestierten gegen das Urteil, nach dem sieben Polizeibeamte von Vorwürfen freigesprochen wurden, sie hätten im Februar 2012 zu wenig gegen die Krawalle mit 74 Toten nach einem Spiel in Port Said unternommen.
Die Fans protestierten gegen das Urteil, nach dem sieben Polizeibeamte von Vorwürfen freigesprochen wurden, sie hätten im Februar 2012 zu wenig gegen die Krawalle mit 74 Toten nach einem Spiel in Port Said unternommen.
AFP
Die Anhänger des Fussballvereins gedenken ihrer «74 Märtyrer», die beim Spiel in Port Said ums Leben kamen.
Die Anhänger des Fussballvereins gedenken ihrer «74 Märtyrer», die beim Spiel in Port Said ums Leben kamen.
Reuters
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In der ägyptischen Hauptstadt Kairo ist es nach Urteilen zu tödlichen Fussballkrawallen im vergangenen Jahr zu schweren Ausschreitungen gekommen. Militante Fussballfans aus Kairo stürmten einen Komplex mit einem Club für Polizeioffiziere und steckten mehrere Gebäude in Brand, wie ein Vertreter der Sicherheitskräfte sagte. Kurz darauf stand auch der Sitz des ägyptischen Fussballverbandes in der Hauptstadt in Flammen.

Nach Angaben der Rettungskräfte kam mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Ein Mann sei in der Hauptstadt Kairo erstickt, nachdem er in der Nähe des Tahrir-Platzes Tränengas eingeatmet habe, sagte der Leiter der Rettungsdienste, Mohammed Sultan, der Nachrichtenagentur AFP. Er sei «im Krankenwagen gestorben». Ein AFP-Reporter sah einen Mann, der in einer nahegelegenen Moschee von Sanitätern für tot erklärt wurde. Es war unklar, ob es sich um dasselbe oder ein weiteres Opfer handelte.

Auf Fernsehbildern waren hunderte sogenannte Ultras zu sehen, die zum Innenministerium unterwegs waren, das in der Nähe des Tahrir-Platzes im Zentrum liegt. In dem Gebäudekomplex mit dem Polizeiclub versuchten Anwohner mit Gartenschläuchen die brennenden Gebäude zu löschen, wie ein AFP-Reporter berichtete. An anderen Gebäuden waren demnach Fensterscheiben zerstört. Der Sitz des in der Nähe liegenden Fussballverbandes wurde nur wenige Minuten später in Brand gesteckt. Feuerwehrleute versuchten das Feuer zu löschen, das sich im Gebäude ausbreitete.

21 Todesurteile bestätigt

Die ägyptische Justiz hatte am Samstagvormittag in Kairo die Todesurteile gegen 21 Angeklagte wegen tödlicher Fussballkrawalle in der Hafenstadt Port Said im vergangenen Jahr bestätigt und gegen weitere Beteiligte teils langjährige Haftstrafen verhängt.

Die Krawalle hatten sich im Februar 2012 in Port Said nach dem Ende eines Spiels zwischen der Heimmannschaft Al-Masri und dem aus Kairo kommenden Tabellenführer Al-Ahli ereignet. Nach der Niederlage ihres Clubs stürmten Al-Masri-Anhänger das Spielfeld und bewarfen die Fans von Al-Ahli mit Steinen und Flaschen. Mehr als 70 Menschen wurden getötet, zudem lösten die Krawalle blutige Proteste und Unruhen auch in Kairo aus, bei denen weitere Menschen starben.

Bei den Fans, die jetzt die Gebäude des Polizeiclubs stürmten, handelte es sich um Anhänger von Al-Ahli. Die im Januar in erster Instanz verhängten Todesurteile zu den Stadionkrawallen hatten in Port Said in den vergangenen Wochen heftige Krawalle ausgelöst, bei denen mehrere Menschen getötet wurden.

Militante Anhänger von Al-Ahli hatten eine zentrale Rolle bei den Protesten gespielt, die im Februar 2011 zum Sturz des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak führten. Die Al-Ahli-Anhänger vermuten, dass die blutigen Fussballkrawalle in Port Said ein Jahr später von der Polizei oder Mubarak-Anhängern aus Rache angezettelt worden waren.

AFP/mrs

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