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Afghanistan erhält bis 2024 internationale Rückendeckung

Afghanistan bleibt nach dem Abzug der Truppen nicht allein. Die internationalen Vertreter sagten dem Land an der Afghanistan-Konferenz bis 2024 ihre Unterstützung zu – forderten dafür aber Gegenleistungen.

Hören konzentriert zu: US-Aussenministerin Hillary Clinton (r.) und eine Vertreterin einer afghanischen Zivilbevölkerungs-Delegation. (5. Dezember 2011)
Hören konzentriert zu: US-Aussenministerin Hillary Clinton (r.) und eine Vertreterin einer afghanischen Zivilbevölkerungs-Delegation. (5. Dezember 2011)
Reuters
Unter vier Augen: Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai in Bonn. (5. Dezember 2011)
Unter vier Augen: Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai in Bonn. (5. Dezember 2011)
Keystone
Das illustre Gruppenfoto zur Eröffnung der Hilfs-Konfrenez.
Das illustre Gruppenfoto zur Eröffnung der Hilfs-Konfrenez.
Keystone
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Afghanistan kann bis 2024 mit Milliardenhilfen der internationalen Gemeinschaft rechnen. Die Vertreter von 100 Staaten und Organisationen verständigten sich heute bei der Afghanistan-Konferenz in Bonn darauf, das Land auch nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen Ende 2014 zu unterstützen. Konkrete Finanzzusagen gab es aber nicht. Genaue Zahlen sollen bei einer Geberkonferenz im kommenden Juli in Tokio folgen. Afghanistan versprach im Gegenzug weitere Reformen. Der afghanische Präsident Hamid Karzai sprach von einem «goldenen Tag» für sein Land.

Rund 1000 Konferenzteilnehmer waren im früheren Bundestagsplenarsaal in Bonn zusammengekommen, um über die Zukunft Afghanistans zu beraten - über den Friedensprozess im Land, die Übergangsphase bis zum Truppenabzug und die Zeit danach. Deutschland richtete die Konferenz aus, den Vorsitz hatten die Afghanen.

Die internationale Gemeinschaft sagte in der Abschlusserklärung zu, Afghanistan nach dem Abzug der Truppen nicht alleine zu lassen, sondern weiter finanzielle Hilfen bereitzustellen und bei der Ausbildung und Ausrüstung der nationalen Sicherheitskräfte zu helfen. Die afghanische Seite versicherte als Gegenleistung, die Korruption effektiver zu bekämpfen, eine funktionsfähige Justiz aufzubauen, die Rechtsstaatlichkeit und die Wahlinstitutionen zu stärken und die Regierungsführung zu verbessern. Überprüfbare Zwischenziele wurden nicht gesetzt. Die Verpflichtungen auf beiden Seiten fielen vorerst wenig konkret aus.

Konkretes folgt bei weiteren Konferenzen

Klarer sollen die Pläne bei den weiteren Konferenzen im kommenden Jahr werden. Bereits vor der Geberkonferenz in Japan ist im Mai ein NATO-Gipfel in Chicago angesetzt. Ziel für die Jahre bis 2024 ist auch, die regionale Zusammenarbeit rund um Afghanistan zu stärken und das Land mit den Nachbarstaaten wirtschaftlich zu vernetzen, um es langfristig unabhängig von internationalem Geld zu machen.

Auch der Friedensprozess soll vorangetrieben werden. Die internationale Gemeinschaft will dabei helfen. In der Abschlusserklärung wurden die Grundprinzipien dafür festgeschrieben: darunter Gewaltverzicht, die Abkehr vom internationalen Terrorismus und das Bekenntnis zur afghanischen Verfassung und Menschenrechten. Alle ethnischen Gruppen sollen eingebunden werden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte an die Adresse der Menschen in Afghanistan: «Die Vereinten Nationen sind da für euch, wir hören euch zu und sind bereit, euch in jeglicher Form zu unterstützen.»

«Wir lassen euch nicht allein»

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte: «Afghanistan kann auf unsere Unterstützung zählen.» Aussenminister Guido Westerwelle versprach den Menschen in Afghanistan: «Wir lassen euch nicht allein.» Die Partnerschaft mit den Afghanen sei in Bonn neu begründet worden. «Gemeinsam wollen wir, dass nach 2014 ein Jahrzehnt der Transformation anbricht.»

US-Aussenministerin Hillary Clinton betonte, auch die Afghanen müssten allerdings ihre Verpflichtungen einhalten. «Die internationale Gemeinschaft steht neuen budgetären Zwängen und Herausforderungen gegenüber», sagte sie. Deshalb müssten die Afghanen, die Region und die Staatengemeinschaft eine effektive Strategie für die Zukunft des Landes entwickeln.

Karzai dankte für die erneuten Hilfszusagen und betonte, sein Land wolle keine Belastung für die internationale Gemeinschaft sein. Doch Afghanistan brauche für ein weiteres Jahrzehnt nach 2014 Hilfe aus dem Ausland. Ziel sei ein friedliches, demokratisches Afghanistan.

«Wir brauchen mehr Zeit»

Vertreter der afghanischen Zivilgesellschaft betonten, es könne keine kurzfristige Lösung geben. Andernfalls warteten die Aufständischen nur, bis sich die internationale Gemeinschaft zurückgezogen habe, um wieder die Oberhand zu gewinnen.

Die Arbeit an der Abschlusserklärung hatte sich bis zur letzten Minute hingezogen. Die Unterhändler der 100 Delegationen rangen bis zum Montagnachmittag um einzelne Formulierungen in der Abschlusserklärung. Letzte Unstimmigkeiten räumte Westerwelle bei einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow aus.

Pakistan - ein Schlüsselland für die Zukunft Afghanistans - fehlte bei der Konferenz. Islamabad hatte seine Teilnahme wegen eines US-Angriffs auf eine pakistanische Armee-Stellung vor einigen Tagen abgesagt.

Die Beratungen in Bonn wurden am Montag von kleineren Protesten von Friedensaktivisten begleitet. Am Samstag hatte es noch eine Grossdemonstration mit rund 5000 Menschen gegeben.

dapd/wid

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