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Alles läuft für die Taliban

Nach dem Vertragsabschluss von Doha haben die Islamisten von US-Präsident Trump nicht mehr viel zu befürchten.

Mitglieder der Taliban-Führung gratulieren sich gegenseitig nach dem Unterzeichnung des Abkommens mit den USA. Foto: EPA/Keystone
Mitglieder der Taliban-Führung gratulieren sich gegenseitig nach dem Unterzeichnung des Abkommens mit den USA. Foto: EPA/Keystone

Die Taliban dürfen nach Kabul zurück, gut zwei Jahrzehnte nach ihrem Sturz. Zwar sind die Islamisten nicht der alleinige Sieger des Afghanistankriegs, denn dieser Krieg kennt keine Sieger. Aber die Islamisten können nun auf einen ersten diplomatischen Erfolg bauen: Zunächst verpflichten sich die USA, das Land zu verlassen. Und erst nach dieser Zusage müssen sich die Taliban mit der afghanischen Regierung an einen Tisch setzen.

Bei den nun anstehenden Verhandlungen mit Präsident Ashraf Ghani können die Taliban relativ entspannt auf den Kalender schauen: Bis Ende April 2021 sollen alle westlichen Truppen in ihre Heimat zurückkehren. Und auch wenn die USA Bedingungen an diese Konzession knüpfen, ist es nur schwer vorstellbar, dass Donald Trump im anstehenden Wahlkampf sein Ver­sprechen zurücknimmt, die US-Soldaten nach Hause zu holen, wenn die Gespräche zwischen Ghani und den Taliban ins Stocken geraten.

«Die meisten alten Machthaber sind nach wie vor so einflussreich wie früher.»

Die Taliban werden, wenn sie sich tatsächlich mit Ghani auf eine Machtteilung einigen können, zwar in ein anderes Kabul zurückkehren, als sie es 2001 hinterlassen haben. In diesem Kabul gehen Frauen an die Universität und diskutieren in den Fernsehtalkshows mit. Aber in diesem Kabul sitzen auch Warlords mit in der Regierung, die ihre Macht am Nutzen ihres Clans, nicht des Landes ausrichten.

Der Westen verweist nicht zu Unrecht auf neu gewonnene Frauenrechte, obwohl niemand in Brüssel, London oder Washington garantieren kann, dass diese nach dem Abzug gewahrt bleiben. Noch gravierender aber ist: Die USA installierten eine Zentralregierung mit einem Präsidenten in Kabul, während sie die Macht der Regionalfürsten und Warlords in den Provinzen nicht antasteten. Die meisten alten Machthaber sind nach wie vor so einflussreich wie früher. Und sie halten sich gegenseitig in Schach.

Das Resultat: Die Taliban treffen nun in Kabul auf eine heillos zerstrittene politische Klasse. Und darin liegt für sie ein strategischer Vorteil bei den innerafghanischen Friedensverhandlungen, die jetzt anstehen.

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