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Al-Qaida kauft sich Macht zurück

Im Irak nutzt al-Qaida die Politikverdrossenheit sunnitischer Muslime zur Rekrutierung ehemaliger Kämpfer. Dafür greifen sie tief in die Brieftasche.

Al-Qaida nutzt das Misstrauen in die Regierung: An Check-Points gehen sie auf Mitgliederfang.
Al-Qaida nutzt das Misstrauen in die Regierung: An Check-Points gehen sie auf Mitgliederfang.
Keystone

Mit Geld werden Abtrünnige gelockt, wieder die Seiten zu wechseln, sagen Stammesführer und irakische Regierungsmitglieder. Sie warnen inzwischen davor, dass al-Qaida im Irak wieder an Macht gewinnt.

«Die Regierung muss uns im Kampf gegen ein Wiedererstarken der al-Qaida in Anbar helfen», sagte Mahmud Schaker, ein einflussreicher Stammesangehöriger aus der sunnitischen Provinz westlich von Bagdad, die früher als Hochburg der Al-Kaida galt. Doch Armut und Arbeitslosigkeit bereiten auch in anderen Landesteilen einen fruchtbaren Boden für die Anwerbungsversuche von al-Qaida.

Ein Beispiel ist die sunnitische Sahwa-Miliz: Sunnitische Stammesangehörige wandten sich in den Jahren 2006 und 2007 von al-Qaida ab, um in einer Allianz mit Amerikanern und der irakischen Regierung gegen die Aufständischen zu kämpfen. Amerikanische Streitkräfte zahlten den Sahwa-Kämpfern durchschnittlich 250 bis 300 Dollar (rund 230 Euro) im Monat. Mit dem schrittweisen Abzug der US-Truppen sollte die irakische Regierung zunehmend den Sold übernehmen. Von den Sahwa-Kämpfern, deren Zahl 2008 mit 100'000 einen Höchststand erreichte, arbeiten aber nur noch 20'000 als Sicherheitskräfte für die irakische Regierung, der Rest ist arbeitslos oder bekommt seine Gehaltschecks mit bis zu dreimonatiger Verspätung.

Al-Kaida setzt Sunniten doppelt unter Druck

Sollten die Gehälter weiter nur mit Verspätung ausgezahlt werden, könnten Sahwa-Kämpfer auch aus eigenem Antrieb in die Reihen der al-Qaida zurückkehren, warnte Rafia Adel, ein hochrangiger Sahwa-Anführer aus der Provinz Salaheddin. Die al-Qaida nutzt den Unmut über die Regierung in Bagdad aus und bietet Sahwa-Kämpfern einen Sold von bis zu 400 Dollar, wie Sahwa-Führer rund um die Hauptstadt und aus den sunnitisch geprägten Provinzen Anbar und Salaheddin übereinstimmend berichten.

Al-Qaida setzt die Sunniten doppelt unter Druck: Neben den Anwerbeversuchen kommt es vermehrt zu Angriffen auf diejenigen, die sie zu rekrutieren suchen. Zuletzt kamen Mitte Juli Dutzende Sahwa-Kämpfer um, als sie vor einer Militärbasis in einem Vorort Bagdads auf ihren Sold warteten.

dapd/mrs

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