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Anschlagserie auf schiitische Ziele in Bagdad

Im Morgenverkehr von Bagdad wurden heute mehrere Bomben gezündet. Bei der neuen Gewaltwelle im Irak kommen mindestens 60 Menschen ums Leben – die Anschläge galten vor allem schiitischen Zielen.

Nach der Explosion einer Autobombe: Ein Feuerwehrmann löscht einen ausgebrannten Bus in Bagdad. (23. Februar 2012)
Nach der Explosion einer Autobombe: Ein Feuerwehrmann löscht einen ausgebrannten Bus in Bagdad. (23. Februar 2012)
Keystone
Rund zehn Explosionen fielen in den morgendlichen Berufsverkehr in Bagdad. (23. Februar 2012)
Rund zehn Explosionen fielen in den morgendlichen Berufsverkehr in Bagdad. (23. Februar 2012)
Keystone
Seit dem Abzug der US-Truppen haben die Spannungen zwischen den Volksgruppen im Irak zugenommen.
Seit dem Abzug der US-Truppen haben die Spannungen zwischen den Volksgruppen im Irak zugenommen.
Keystone
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Im Irak sind am Donnerstag bei mehreren Bombenanschlägen mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen und Dutzende verletzt worden. Die Anschläge richteten sich hauptsächlich gegen Schiiten. Seit dem Abzug der US-Truppen haben die Spannungen zwischen den Volksgruppen im Irak zugenommen.

Allein in Bagdad erschütterten während des morgendlichen Berufsverkehrs zehn Explosionen vorwiegend schiitische Stadtteile. Weitere Angriffe richteten sich gegen Polizeistreifen, Pendler und belebte Einkaufsviertel. Über 30 Personen starben alleine in der irakischen Hauptstadt.

Weitere Explosionen südlich von Bagdad

«Wir sassen in einem Restaurant und assen Suppe zum Frühstück als die Bombe explodierte», sagte Polizist Ahmed Kadhim der Nachrichtenagentur Reuters. «Ich habe das Bewusstsein verloren und als ich wieder zu mir kam, sah ich nur Staub und Rauch. Überall waren Menschen und Leichenteile.»

Weitere Explosionen gab es in der Provinz Babylon südlich von Bagdad, in der westlichen Anbar-Provinz sowie in Salaheddin, Dijala, Kirkuk und Ninive im Norden. Unbehelligt blieben nur die südlichen Provinzen, in denen inzwischen fast nur noch Schiiten leben.

In der Anbar-Provinz kam es am Nachmittag zu einem Feuergefecht, als Unbekannte eine Strassensperre der Armee angriffen. Im Kugelhagel starben nach Angaben der Polizei ein Soldat und drei Passanten.

Al-Qaida soll Urheber sein

Das irakische Innenministerium machte al-Qaida und ihr nahestehenden Gruppen für das Blutbad verantwortlich. Die Anschläge erschütterten das Land nur wenige Wochen vor einem geplanten Gipfel der Arabischen Liga in Bagdad.

«Die Angriffe zielen auf die konfessionelle Spaltung des irakischen Volkes ab und sollen das Treffen der Arabischen Liga verhindern», sagte Parlamentspräsident Osama al-Nudschaifi. Erst am Sonntag waren in Bagdad bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeiakademie 20 Menschen getötet worden.

Seit dem Abzug der letzten US-Soldaten explodieren im Irak mit trauriger Regelmässigkeit Bomben. Die irakischen Regierungsparteien nutzen die brutale Gewalt für Schuldzuweisungen, anstatt sich im Angesicht des Terrors zusammenzuraufen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

«Die volle Verantwortung für den Schutz der Bürger und für die Beendigung des Blutvergiessens tragen die Regierung und der Befehlshaber der Streitkräfte, (Ministerpräsident) Nuri al-Maliki», erklärt die Sprecherin der Irakischen Allianz, Majsun al-Damludschi.

«Durch die jüngsten Äusserungen von Vizepräsident Tarik al- Haschimi, der die Fähigkeiten und die Redlichkeit der irakischen Justiz infrage gestellt hatte, haben die Terroristen grünes Licht für ihre Anschläge erhalten», sagt dagegen der Parlamentarier Ali al- Schalaa, der zu Al-Malikis Fraktion gehört.

Der Sunnit Al-Haschimi gehört der Irakischen Allianz an. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl wegen angeblicher Terroraktivitäten vor. Al- Maliki behauptet zwar, die Justiz sei völlig unabhängig. Doch Al- Haschimi, der sich ins kurdische Autonomiegebiet im Nordirak abgesetzt hat, spricht von einem «politischen Verfahren», hinter dem er Al-Maliki vermutet.

dapd/jak/mrs

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