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Assad verfolgt seine Kritiker bis nach Genf

Das Regime des Präsidenten Bashar al-Assad lauert seinen Gegnern ausserhalb Syriens auf – auch in der Schweiz. In Genf ist laut einem Bericht ein Schweizer mit syrischen Wurzeln bedroht worden.

Sein Auto wurde sabotiert: Shady Ammane, Gründer des Genfer Jasmin-Kollektivs.
Sein Auto wurde sabotiert: Shady Ammane, Gründer des Genfer Jasmin-Kollektivs.
Keystone

Bei dem bedrohten Mann handelt sich um Shady Ammane, Gründer des Genfer Jasmin-Kollektivs. Er habe für den UNO-Menschenrechtsrat ein Dossier über die Situation in Syrien vorbereitet. Am Tag vor dem Treffen sei sein Auto aufgebrochen und alle Dokumente, sein Computer und DVD über Syrien gestohlen worden, sagte Ammane auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Anonyme Anrufe

Zudem sei sein Auspuff seines Autos mit Papier und Kitt verstopft worden, wodurch es beim Starten des Motors einen lauten Knall gegeben habe. Ammane erstattete daraufhin Anzeige. Es war nicht die erste: Schon vor Wochen, als er anonyme Anrufe und bedrohliche Besuche bei sich zu Hause bekam, hatte er dies der Polizei gemeldet.

Die Einschüchterung in Genf ist kein Einzelfall. Die französische Zeitung «Le Monde» berichtete heute von syrischen Aktivisten, die in Paris angegriffen worden waren. Der französische Aussenminister protestierte noch am gleichen Tag gegen die Übergriffe.

«Wir akzeptieren nicht, dass ein fremder Staat gewalttätige Aktionen oder Einschüchterungen auf unserem Territorium organisiert (...), und das haben wir der syrischen Botschafterin in Paris auch unmissverständlich mitgeteilt», sagte ein Sprecher des Aussenministers. Mehrere Verdächtige wurden nach Angaben der französischen Regierung festgenommen.

Systematische Einschüchterung

Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) sind mindestens 30 Fälle bekannt, in welchen syrische Oppositionelle im Ausland von Diplomaten ihres Heimatlandes bedroht worden sind. In einem Bericht, der am Dienstag in London veröffentlicht wurde, sind solche Übergriffe aus Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Spanien, Schweden, den USA, Kanada und Chile dokumentiert.

Amnesty forderte die Länder auf, gegen die Einschüchterungen durch syrische Diplomaten vorzugehen. Syrer versuchten im Ausland mit friedlichen Protesten, Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuprangern, die in ihrer Heimat begangen würden, sagte der Syrien- Beauftragte von ai, Neil Sammonds.

Dies werde von der Führung in Damaskus als Bedrohung aufgefasst. Daher habe die syrische Führung eine «systematische und bisweilen gewalttätige Kampagne» gestartet, um die syrischen Oppositionellen im Ausland einzuschüchtern. So würden Teilnehmer von Protestkundgebungen gefilmt oder fotografiert und bedroht.

Panzer gegen Zivilisten

In Syrien selber setzten die Sicherheitskräfte ihre Kampagne gegen Regimekritiker mit unverminderter Härte fort. Am Wochenende war die Armee in die Stadt Rastan in der Nähe von Homs einmarschiert und hatte über 3000 Menschen festgenommen.

Vorher hatten Panzer, Artillerie und die Luftwaffe bei mehrtägigen Kämpfen mit Aufständischen und desertierten Armeeeinheiten einen grossen Teil der Stadt zerstört.

Dies berichtete ein in der Schweiz lebender Syrer, der in Kontakt mit Bekannten aus der Region steht, der Nachrichtenagentur sda. Bei der Verfolgung von Aufständischen nahm die Armee in der Nacht auf Montag auch die Stadt Tel Bisi unter Beschuss.

Mehrere Menschen wurden in ihren Häusern durch Granaten getötet. Am Dienstag durchsuchten Tausende Soldaten den Ort und nahmen bisher rund 300 Menschen fest. In Tel Bisi herrscht seit fünf Tagen eine Ausgangssperre. Menschen, die auf der Suche nach Wasser oder Nahrung ihre Häuser verlassen, werden von Scharfschützen unter Beschuss genommen.

SDA/wid

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