Zum Hauptinhalt springen

Assads Soldaten töten 16 Demonstranten

Während Protestaktionen im Anschluss an die Freitagsgebete kamen an verschiedenen Orten insgesamt 16 Menschen ums Leben. Derweil besuchte Angelina Jolie ein Flüchtlingslager in der Türkei.

Gespaltene Bevölkerung: Regime-Anhänger protestieren gegen den US-Botschafter Robert Ford. Syrische Sicherheitskräfte sichern ab. (8. Juli 2011)
Gespaltene Bevölkerung: Regime-Anhänger protestieren gegen den US-Botschafter Robert Ford. Syrische Sicherheitskräfte sichern ab. (8. Juli 2011)
Reuters
Demonstration nach dem Freitagsgebet in Damaskus. (8. Juli 2009)
Demonstration nach dem Freitagsgebet in Damaskus. (8. Juli 2009)
Reuters
Ein Amateurvideo zeigt, wie Panzer der Regierung in die Stadt Daraa einfahren.(25. April 2011)
Ein Amateurvideo zeigt, wie Panzer der Regierung in die Stadt Daraa einfahren.(25. April 2011)
Reuters
1 / 28

Syrische Sicherheitskräfte haben ihr hartes Vorgehen gegen Regimegegner fortgesetzt und nach Angaben von Aktivsten mindestens 16 Demonstranten getötet. Unter den Opfern sei ein 16-jähriger Junge, berichtete das Örtliche Koordinationskomitee, das die Proteste gegen die syrische Regierung dokumentiert.

Landesweit zogen tausende Menschen nach den Freitagsgebeten auf die Strassen, um das Ende des Regimes von Präsident Baschar Assad zu fordern.

Nach Angaben von Aktivisten töteten Sicherheitskräfte neun Menschen in der zentralen Stadt Homs. Jeweils zwei Menschen seien in der ostsyrischen Stadt Deir el Sur und in Harasta, einem Vorort der Hauptstadt Damaskus, getötet worden. Ein weiterer Mensch kam den Angaben zufolge in der nördlichen Stadt Aleppo ums Leben. Der 16-Jährige und eine weitere Person seien im Dorf Dael im Süden des Landes getötet worden, hiess es.

Kontrolle über Maaret al-Numan

Die syrischen Truppen hätten heute auch die vollständige Kontrolle über die Stadt Maaret al-Numan übernommen, teilten zwei syrische Menschenrechtsaktivisten am Morgen mit. Unterstützt durch Panzer und Kampfhelikopter seien zahlreiche Soldaten in die 100'000 Einwohner zählende Stadt eingerückt.

Maaret al-Numan liegt an der Hauptverbindungsstrasse zwischen Damaskus und der grössten syrischen Stadt Aleppo, etwa 45 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Nach Angaben der Aktivisten ziehen die Streitkräfte zudem Verbände um die Stadt Chan Scheikhon zusammen, die südlich von Maaret al-Numan liegt.

Von den Streitkräften wird die Konzentration der Truppen damit begründet, dass die Verbindungsstrasse zwischen Damaskus und Aleppo nicht unter die Kontrolle von «bewaffneten Terrororganisationen» fallen dürfe. Dies erklärte ein Sprecher der Streitkräfte gegenüber der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA.

Der Flüchtlingsstrom reisst nicht ab

Bereits in der vergangenen Woche waren viele Einwohner der Provinz Idlib in der Nähe der türkischen Grenze vor dem Militär geflohen. Zuflucht erhielten sie in fünf Zeltstädten in der Provinz Hatay im Süden der Türkei. Allein seit gestern früh haben nach türkischen Angaben erneut 1200 Syrier die Grenze überquert. Insgesamt sind derzeit gegen 10'000 syrische Flüchtlinge in türkischen Flüchtlingslagern untergebracht.

Flüchtlinge im türkischen Dorf Güvecci zeichneten ein trostloses Bild der Lage in ihrer Heimat. «Es sind bereits etwa 7000 über die Grenze gekommen. Mehr und mehr Frauen und Kinder kommen bis an den Stacheldraht heran», sagte Abu Ali, der aus der Stadt Jisr al-Shughur floh.

Deserteure werden erschossen

Die Flüchtlingslager werden von den türkischen Behörden von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Den Angaben zufolge erhalten die geflohenen Syrer dort drei Mahlzeiten pro Tag, warmes Wasser soll ihnen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Zudem seien arabischsprachige Psychologen und Imame vor Ort. In einem der Lager wird heute Hollywoodstar Angelina Jolie erwartet, die ehrenamtliche Botschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR ist.

Nach Angaben von Flüchtlingen wurden in Syrien Soldaten erschossen, die sich weigerten, auf Demonstranten zu schiessen. «Assads Männer töten jeden innerhalb der Streitkräfte, der Polizei oder andere, die sich weigern, ihren Befehlen zu folgen», sagte Abu Ali. «Sie töten die, die Freiheit wollen».

Proteste im In- und Ausland

Unterdessen rief die syrische Oppositionsbewegung für den heutigen Freitag erneut zu Protestmärschen auf. Die landesweiten Demonstrationen sollten unter dem Motto «Tag des Saleh al Ali» stattfinden, benannt nach einem alevitischen Führer, der im 20. Jahrhundert einen Aufstand gegen die französischen Kolonialherren anführte.

Auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warf Assad Grausamkeit vor. Gleichzeitig bot er dem syrischen Präsidenten Hilfe an, die Krise in den Griff zu bekommen.

Die Türkei und Syrien hatten einst fast einen Krieg gegeneinander geführt. Doch die Beziehungen beider Staaten haben sich in den vergangenen Jahren stark verbessert, die Visumspflicht wurde abgeschafft und Handelsbeziehungen vertieft. Die beiden Länder trennt eine etwa 850 Kilometer lange Grenze.

Syriens Nachbarn im arabischsprachigen Raum halten sich derweil zurück. Sie fürchten ein Chaos, das auf Assads Sturz folgen könnte. Syrien gilt als einflussreiche Regionalmacht, deren Einfluss sich auf Israel, den Libanon und den Irak erstreckt.

Deutschland und Frankreich fordern UN-Resolution

Deutschland und Frankreich wollen angesichts des brutalen Vorgehens der syrischen Armee den Druck auf die Regierung in Damaskus erhöhen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Freitag nach einem Treffen mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, dass Berlin und Paris «sehr gemeinsam» und «sehr beständig» für eine rasche Resolution des Weltsicherheitsrates werben wollten, in der die Gewalt gegen das syrische Volk verurteilt wird.

Die Kanzlerin hoffte auf ein «Einsehen» der Mitglieder des UN-Gremiums, dass dieses Vorgehen von Präsident Bashar al-Assad «nicht akzeptabel» sei. Um Erfolg zu haben, wollen Frankreich und Deutschland nach Worten von Merkel auch mit Russland sprechen. In Moskau gibt es Widerstand gegen den unter anderem von Deutschland eingebrachten Resolutionsentwurf.

SDA/dapd/AFP/kpn, ssc

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch