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Bange Stunden in den Händen der Jarmuk-Märtyrer

Seit Mittwoch befinden sich 21 Philippinos in Gefangenschaft einer extremistischen syrischen Rebellengruppe. Heute sollen die UN-Soldaten frei kommen. Doch bereits ein früherer Übergabetermin war geplatzt.

Verlangen den Abzug der syrischen Soldaten aus ihrem Gebiet: Mitglieder der «Märtyrer der Jarmuk Brigaden».
Verlangen den Abzug der syrischen Soldaten aus ihrem Gebiet: Mitglieder der «Märtyrer der Jarmuk Brigaden».
AFP

Die nahe den Golanhöhen von syrischen Rebellen gefangen genommenen UN-Friedenssoldaten könnten am Samstag frei kommen. Wie die Vereinten Nationen am Freitag mitteilten, wurden die nötigen Vorkehrungen für eine Freilassung der 21 Philippiner getroffen. Die UN-Friedensmission, die die Waffenruhe zwischen Israel und Syrien bewacht, habe am Freitag ein Team in das Dorf entsandt, in dem die Blauhelmsoldaten festgehalten werden, teilte Sprecherin Josephine Guerrero mit. Wegen der späten Stunde und der Dunkelheit habe man sich aber gegen eine Fortsetzung der Operation entschieden. Die Bemühungen um eine Freilassung würden am Samstag fortgesetzt.

Am Freitagmorgen war der Termin für eine angekündigte Übergabe der philippinischen Soldaten ergebnislos verstrichen. Der Chef der UN-Friedenstruppen, Hervé Ladsous, erklärte in New York, vielleicht könne ein kurzer Waffenstillstand in der umkämpften Region eine Freilassung ermöglichen. Das oppositionelle Syrische Beobachterzentrum für Menschenrechte in London sagte am späten Freitagabend, die Rebellengruppe, in deren Gewalt sich die Friedenssoldaten befinden, sei offenbar dazu bereit die Gefangenen am Samstag freizulassen, wenn in der Gegend eine Waffenruhe herrsche und der Beschuss eingestellt würde.

Gefangen in Kellern

Die 21 UN-Soldaten waren am Mittwoch in der Nähe des Dorfes Dschamlah knapp zwei Kilometer von den israelisch besetzten Golanhöhen gefangen genommen worden. Ladsous sagte, sie würden in den Kellern von vier oder fünf Häusern in Dschamlah festgehalten. Die Gegend steht unter heftigem syrischem Beschuss.

Was die Rebellengruppe «Märtyrer der Jarmuk Brigaden» genau fordert, war nicht ganz klar. Zunächst war die Rede davon, dass sie einen Abzug der syrischen Regierungstruppen aus der Region wollen. Dann meldete sich über Skype ein Mann zu Wort, der nach eigenen Angaben für die Rebellengruppe spricht. Diese habe den Eindruck, dass die UN-Truppen ihre Aufgabe nicht erfüllten, weil sie die Kämpfe in der Gegend nicht unterbänden, sagte der Mann. Derzeit sei es im Umkreis zu gefährlich, sie freizulassen. «Aber sobald sie jemand von den UN offiziell abholt, wird dies hier ein Ende haben», sagte er.

24-Stunden-Frist ist längst verstrichen

Dieselbe Rebellengruppe hatte nach Angaben des oppositionellen Syrischen Beobachterzentrums in der vergangenen Woche mehrere Kontrollstellen der syrischen Armee in der Gegend überrannt. Am Freitag griff sie in einem Dorf südlich von Dschamlah Regierungstruppen an. Es kam zu heftigen Zusammenstössen, wie das Beobachterzentrum erklärte. Die Regierungstruppen hätten die Gegend von Hubschraubern aus bombardiert. Die Rebellengruppe gilt nicht als zimperlich: Anfang des Monats hängten sie in einem Flüchtlingslager in Damaskus zwei Palästinenser unter dem Verdacht der Zusammenarbeit mit der Regierung von al-Assad.

Die philippinische Regierung hatte sich zunächst sehr zuversichtlich gezeigt, dass die Männer binnen 24 Stunden wieder frei wären. Nach der gescheiterten Übergabe am Freitagmorgen sagte Aussenamtssprecher Raul Hernandez in Manila, die Aufständischen beharrten auf ihrer Forderung nach einem Abzug der Regierungstruppen aus der Region.

Die Beobachtermission UNDOF ist seit 1974 auf den Golan-Höhen im Einsatz. Israel hatte den strategisch wichtigen Landstrich im Sechs-Tage-Krieg von 1967 besetzt, 1973 scheiterte Syrien im Jom-Kippur-Krieg mit der Rückeroberung. 1981 annektierte Israel die Golan-Höhen, der UN-Sicherheitsrat bezeichnete den Schritt aber als ungültig. Die derzeit etwa 1100 UN-Beobachter kontrollieren den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien und überwachen eine Pufferzone zwischen den besetzten Gebieten und dem syrischen Staatsgebiet.

Kämpfe halten seit zwei Jahren an

Rebellen kämpfen seit zwei Jahren gegen die Truppen von Präsident Bashar al-Assad. Inzwischen sind nach UN-Angaben 70'000 Menschen ums Leben gekommen. Zudem seien vier Millionen der insgesamt 22 Millionen Einwohner Syriens auf der Flucht oder vertrieben worden, erklärten die Vereinten Nationen am Freitag. Das UN-Welternährungsprogramm erwartet, dass im April rund 2,5 Millionen Syrer mit Nahrungsmitteln versorgt werden müssen.

Assad sei aber immer noch fest entschlossen, im Amt zu bleiben, sagte der russische Aussenminister Sergej Lawrow der BBC. Assad werde «nicht gehen», das sei absolut sicher und auch kein Täuschungsmanöver des Präsidenten. Russland werde Assad auch nicht zum Rücktritt drängen. «Das kann nicht ich entscheiden, dass kann niemand anderes als das syrische Volk entscheiden», sagte Lawrow.

dapd/ sda/ afp/mrs

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