Zum Hauptinhalt springen

Bewaffnete Moderatorin im libyschen Staats-TV

Der Kampf um Tripolis hat begonnen. Die Front befindet sich offenbar 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. In Tripolis beginnen sich die Einwohner zu wehren. Derweil gibt sich eine TV-Moderatorin martialisch.

Die libyschen Rebellen vermuten Machthaber Muammar al-Ghadhafi weiter in Tripolis. Die von den Aufständischen gestartete Offensive diene dazu, Ghadhafi in der Hauptstadt zu isolieren, sagte der Sprecher des Nationalen Übergangsrats, Ahmed Dschibril.

An der am Samstagabend begonnenen «Operation Sirene» seien Rebelleneinheiten innerhalb von Tripolis und im Umland der Hauptstadt beteiligt. Auch die Nato sei eingebunden, sagte Dschibril. «Wir rechnen damit, dass es mehrere Tage dauern dürfte, bis Ghadhafi umzingelt ist.»

Zwei Szenarien

Die Rebellen rechnen laut Dschibril mit zwei Szenarien: Entweder werde Ghadhafi sich in den kommenden Tagen ergeben, oder er schaffe es, sich aus Tripolis in eine andere Region oder ins Ausland abzusetzen. Sollte sich Ghadhafi entscheiden, Libyen zu verlassen, würden die Rebellen dies «positiv begrüssen und akzeptieren», sagte Dschibril.

Augenzeugen zufolge finden in Tripolis seit Samstagabend in mehreren Stadtteilen heftige Gefechte statt. In der vergangenen Woche hatten die Rebellen mehrere strategisch wichtige Städte unter ihre Kontrolle gebracht und die Schlinge um Tripolis immer enger gezogen.

Nato-Sprecher Oberst Roland Lavoie sagte in Brüssel, der Frontverlauf könne derzeit nicht genau bestimmt werden. Die Lage verändere sich ständig. Gekämpft werde jetzt zumeist innerhalb von Ortschaften, wodurch es für Nato-Kampfflugzeuge schwierig sei, exakte militärische Ziele auszumachen.

600 Rebellen rücken vor

600 Rebellenkämpfer seien von der Küstenstadt Sawija aus Richtung Osten vorgerückt und hätten den Stadtrand von Dschedaim erreicht – 30 Kilometer vor Tripolis. Rebellenkämpfer Murad Dabdub sagte, Ghadhafi-Truppen würden die Rebellen mit Raketen, Mörsern und Flugabwehrfeuer beschiessen.

Die libysche Hauptstadt Tripolis ist am Morgen offenbar weiter von heftigen Kämpfen zwischen Aufständischen und Anhängern von Machthaber Muammar al-Ghadhafi erschüttert worden. Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, waren zudem mehrere schwere Explosionen zu hören, als Nato-Kampfflugzeuge über das Stadtzentrum flogen. Welche Ziele sie genau bombardierten, war unklar.

Bewaffnete Moderatorin

Der Nachrichtensender al-Jazeera veröffentlichte Bilder des libyschen Staats-Fernsehens, welche eine bewaffnete Moderatorin zeigen. Sie und ihre Mitarbeiter würden die TV-Station mit Waffengewalt vor den Rebellen verteidigen, sagt die Ghadhafi-Anhängerin. Sie sei bereit, als Märtyrerin zu sterben.

Einwohner von Tripolis kämpfen

Seit gestern Abend waren in Tripolis Explosionen sowie Gefechtslärm von leichten und schweren Waffen zu hören. Zeugen berichteten von gewaltsamen Auseinandersetzungen in mindestens drei Stadtteilen.

Ein Einwohner von Tripolis beschreibt gegenüber al-Jazeera die Kämpfe im Quartier Bab al-Aziziya. Er habe mit seinen Nachbarn selber zu den Waffen gegriffen und den Kampf gegen die Ghadhafi-Truppen aufgenommen. «Wir haben gestern Abend die Strassen blockiert. Wir benötigen dringend einen Nato-Helikopter, der auf die Soldaten auf den Dächern feuert.»

Über 120 Tote

In Tripolis haben sich Aufständische und Regierungstruppen in der Nacht heftig bekämpft. Nach Angaben der Rebellen sollen mehr als 120 Aufständische getötet worden sei. Seitens der Regierung verlautete, dass alles unter Kontrolle sei.

Die Aufständischen in Libyen haben nach eigener Darstellung Teile der Hauptstadt unter ihre Kontrolle gebracht. Sie belagerten den Gebäudekomplex von Machthaber Muammar al-Ghadhafi, hiess es.

In der Oppositionshochburg Benghazi und anderen von den Aufständischen gehaltenen Städten feierten tausende Menschen die in den vergangenen Tagen erzielten Erfolge der Rebellen.

«Das Ende sehr nah»

Der Präsident des Nationalen Übergangsrats der Rebellen, Mustafa Abdel Dschalil, sagte in Benghazi, dass ein Sieg über al-Ghadhafi sechs Monate nach dem Beginn des Aufstands kurz bevorstehe. «Wir haben Kontakt zu Menschen im inneren Führungszirkel Ghadhafis», sagte er. Alles deute darauf hin, dass «das Ende sehr nah» sei. Indes gab es Gerüchte über Fluchtvorbereitungen des Machthabers.

Ghadhafi rief seine Anhänger in einer über das Staatsfernsehen verbreiteten Audiobotschaft auf, dem «Mummenschanz» ein Ende zu bereiten. «Ihr müsst zu Millionen marschieren, um die zerstörten Städte zu befreien», sagte er. Die Rebellen nannte Ghadhafi «Verräter und Ratten», die libysches Öl für Frankreich sichern wollten. «Sie sind schmutzig und entweihen die Moscheen», sagte er.

Sliten, Sawija und Brega erobert

Ghadhafis Regierungssprecher Mussa Ibrahim sprach am Abend im staatlichen Fernsehen von «kleinen Auseinandersetzungen» in mehreren Stadtvierteln. Die Kämpfe hätten nur etwa eine halbe Stunde gedauert. «Mittlerweile ist die Situation wieder unter Kontrolle», sagte er. Später versicherte Ghadhafis Sohn Seif el Islam im Staatsfernsehen, die Führung habe «einen langen Atem». «Wir werden uns nicht unterwerfen, wir werden den Kampf nicht beenden», sagte er.

Die libyschen Aufständischen hatten seit Freitag immer wieder Erfolge in ihrem Kampf gegen Ghadhafis Truppen gemeldet. Demnach nahmen sie die Städte Sliten, Sawija und Brega ein und brachten damit wichtige Teile der libyschen Ölinfrastruktur unter ihre Kontrolle. In ihrem Kampf gegen al-Ghadhafi werden die Rebellen von einer internationalen Koalition unter Führung der Nato unterstützt, die auf der Grundlage einer Resolution des UN-Sicherheitsrats zum Schutz der Zivilbevölkerung Luftangriffe gegen die Truppen des Machthabers fliegt.

dapd/sda/AFP/bru/ami

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch