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Busse mit erschöpften Zivilisten verlassen Homs

80 Frauen, Kinder und ältere Menschen konnten bei Einbruch der Dunkelheit aus der umkämpften syrischen Stadt befreit werden. Die Lage der Zurückgebliebenen wird laut Beobachtern immer ernster.

Unter Beschuss: UNO-Mitarbeiter versorgen einen geschwächten Syrer – zuvor waren vier Helfer durch einen Granatenangriff verletzt worden. (8. Februar 2014)
Unter Beschuss: UNO-Mitarbeiter versorgen einen geschwächten Syrer – zuvor waren vier Helfer durch einen Granatenangriff verletzt worden. (8. Februar 2014)
Keystone
Schwach und erschöpft: Syrische Zivilisten machen sich auf den Weg zum Evakuierungs-Treffpunkt in Homs. (7. Februar 2014)
Schwach und erschöpft: Syrische Zivilisten machen sich auf den Weg zum Evakuierungs-Treffpunkt in Homs. (7. Februar 2014)
Reuters
An Bord der Busse befinden sich Frauen, ältere Menschen und Verletzte. (7. Februar 2014)
An Bord der Busse befinden sich Frauen, ältere Menschen und Verletzte. (7. Februar 2014)
Keystone
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Nach Monaten der Belagerung haben erste Zivilisten am Freitag die syrische Stadt Homs verlassen können. Etwa 80 Frauen, Kinder und ältere Menschen gelangten bis zum Einbruch der Dunkelheit in Bussen aus den von Rebellen gehaltenen, aber von syrischen Soldaten belagerten Stadtteilen. Viele von ihnen erschienen Beobachtern zufolge schwach und erschöpft.

«Ich habe die Information erhalten, dass etwa 20 Familien weggebracht wurden», sagte der Leiter der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman.

200 Menschen sollen evakuiert werden

Rund 200 Zivilisten – Frauen, Kinder, Verwundete und ältere Menschen - sollen die Altstadt verlassen können. Der Stadtteil steht unter Kontrolle der Aufständischen, wird aber seit anderthalb Jahren von Truppen des Machthabers Baschar al-Assad belagert.

Den rund 3000 Menschen, die dort leben, soll am Samstag erstmals humanitäre Hilfe gebracht werden. Die Lage gilt dort wegen der langen Belagerung als äusserst kritisch. Aktivisten berichten, dass die Menschen bereits hungerten.

Der am Freitag eingeleiteten Hilfsaktion war eine Einigung zwischen der Regierung in Damaskus, den Aufständischen und der UNO vorausgegangen. Sie kam erst nach langem Tauziehen zustande.

Regierung nimmt an Gesprächen teil

Gemäss der Einigung dürfen Kinder bis 15 Jahre, Männer über 55 sowie Frauen die Stadt verlassen. In den Morgenstunden des Freitags trat zudem eine Waffenruhe in Kraft, die bis zum Nachmittag von den Konfliktparteien respektiert wurde. Sie soll für drei Tage gelten, bis die humanitären Aktionen abgeschlossen sind.

Eine erfolgreiche Umsetzung der Hilfsmassnahmen hätte Signalwirkung für die zweite Runde der Genfer Friedensgespräche, die am kommenden Montag beginnen soll. Am Freitag sagte die syrische Regierung erstmals ihre Teilnahme offiziell zu, wie Vize-Aussenminister Faisal al-Mekdad der staatlichen Nachrichtenagentur Sana bestätigte.

Die erste Runde der Friedensgespräche war Ende Januar ohne greifbare Ergebnisse zu Ende gegangen. Vertreter der Regierung und der Opposition hatten in Genf heftig über die Hilfe für Homs diskutiert, ohne dass sie eine Einigung erzielten.

Den letzten Anstoss für die nunmehr erzielte Vereinbarung gaben offenbar Gespräche des syrischen Oppositionsführers Ahmed al-Dscharba zu Wochenbeginn in Moskau. Russland ist einer der wichtigsten Unterstützer des Assad-Regimes.

Fassbomben bei Kämpfen in Aleppo eingesetzt

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gelang es den Regierungstruppen in der nördlichen Stadt Aleppo am Freitag, das Zentralgefängnis wieder in ihre Gewalt zu bringen, das am Donnerstag zu weiten Teilen von islamistischen Rebellen erobert worden war.

Ob – wie zunächst vermeldet – tatsächlich hunderte Gefangene freikamen, war unklar. Die Regierungstruppen setzten das Bombardement der Rebellenviertel in Aleppo mit Fassbomben fort. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte diese Praxis, da die Fassbomben «verheerende Auswirkungen in Wohngebieten» hätten.

Im syrischen Bürgerkrieg sind nach Schätzungen von Aktivisten mehr als 130'000 Menschen getötet worden. Friedliche Demonstrationen gegen das Assad-Regime waren Anfang 2011 von den Sicherheitskräften blutig niedergeschlagen worden.

Im Laufe der Zeit formierte sich ein bewaffneter Widerstand, der heute stark zersplittert und von mehr oder weniger radikalen islamistischen Milizen geprägt wird.

sda/AP/fko

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