Zum Hauptinhalt springen

Christen flüchten vor Islamisten-Sekte

Die radikalislamische Sekte Boko Haram verbreitet Angst und Schrecken im Nordosten Nigerias: Nach Anschlägen mit über hundert Todesopfern flüchten viele Einwohner.

Anschlagsserie: Verwandte des ermordeten Polizisten tragen den Sarg zur Beerdigung in Damaturu.
Anschlagsserie: Verwandte des ermordeten Polizisten tragen den Sarg zur Beerdigung in Damaturu.
AFP

Nach einer Anschlagsserie der radikalislamischen Sekte Boko Haram im Nordosten Nigerias fliehen viele Einwohner aus Damaturu, der Hauptstadt des Staates Yobe. Die Anschläge forderten über 100 Todesopfer.

Besonders die Christen und Zuwanderer hätten sich entschlossen, Damaturu zu verlassen, sagte ein Geistlicher.

Warnung der US-Botschaft

Gestern hat die auch US-Botschaft in Nigeria in dem Land lebende US-Bürger vor möglichen Bombenanschlägen auf Luxushotels in Abuja gewarnt. So könnte Boko Haram während der kommenden nigerianischen Feiertage das Sheraton, Hilton und weitere Luxushotels ins Visier nehmen, hiess es in einer offiziellen Warnung. Diese Hotels werden vor allem von Ausländern und der nigerianischen Elite aufgesucht. Eine Anschlagsserie der radikalen muslimischen Sekte Boko Haram hat seit Freitag mehr als 100 Menschen das Leben gekostet.

Die Anschläge am Freitag ereigneten sich in und um Damaturu, der Hauptstadt des nordostnigerianischen Staates Yobe. Ein Sprecher von Boko Haram mit dem Kampfnamen Abul-Kaka drohte in einem Interview mit der Tageszeitung «Daily Trust» am nächsten Tag mit neuen Angriffen. Bei den Bombenanschlägen wurde unter anderem ein neu gebautes Polizeirevier komplett zerstört, Büros der Regionalverwaltung wurden niedergebrannt.

Bombenanschläge und bewaffnete Angriffe

Begonnen hatte die Serie mit der Explosion einer Autobombe vor einem dreistöckigen Gebäude, das von den Streitkräften genutzt wurde. Viele Wachmänner seien dabei ums Leben gekommen, sagte der Rot-Kreuz-Mitarbeiter Ibrahim Bulama.

Später zogen nach Angaben von Bulama bewaffnete Männer durch Damaturu, sprengten eine Bankfiliale und griffen mindestens drei Polizeiwachen und einige Kirchen an. Die Gebäude wurden zerstört. In der Nacht überfielen Männer ein Dorf in der Nähe der Provinzhauptstadt und töteten nach Angaben von Augenzeugen mindestens zwei Menschen.

Am nächsten Morgen verliessen die Menschen in Damaturu nur zögernd ihre Häuser und betrachteten die Verwüstungen. Sie bestatteten die Toten und begannen mit den Aufräumarbeiten. Bulama sagte telefonisch aus der Stadt, die Menschen befürchteten, dass es wieder zu Gewalt kommen könnte.

Polizist in Maiduguri erschossen

Zuvor waren in Maiduguri, etwa 130 Kilometer östlich von Damaturu, vier Bomben explodiert. Ziele waren eine theologische Ausbildungsstätte und ein Militärstützpunkt. Der Polizeichef erklärte, vier Menschen seien getötet worden. Am Sonntag wurde in Maiduguri, dem spirituellen Sitz der Sekte, zudem ein Polizist erschossen. Bewaffnete Mitglieder von Boko Haram stoppten das Auto des Beamten, als dieser auf dem Weg zur Moschee war und erschossen ihn. Seiner Familie, die ebenfalls im Auto sass, erlaubten sie weiterzufahren, sagte Kommissar Simeon Midenda.

Die Boko-Haram-Sekte, die in Nigeria die strikte Scharia einführen will, wird für zahlreiche Anschläge im muslimischen Norden Nigerias verantwortlich gemacht. Allein in diesem Jahr wurden dabei mehr als 360 Menschen getötet.

Papst verurteilt Anschlagsserie

Papst Benedikt XVI. betete am Sonntag für die Opfer der Anschlagsserie und rief zu einem Ende der Gewalt auf. Er verfolge mit Sorge die Nachrichten aus Nigeria, sagte Benedikt vor Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. Gewalt verschlimmere die Probleme nur und säe Hass und Zwietracht sogar unter den Gläubigen.

dapd/afp/kle

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch