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Das dokumentierte Massaker

Der syrische Präsident Bashar Assad hat die Protesthochburg Jasr al-Shughur stürmen lassen. Amateuraufnahmen geben einen Eindruck davon, wie repressiv die Armee gegen die eigene Bevölkerung vorgeht.

Die syrische Armee hat nach Angaben des Staatsfernsehens die Protesthochburg Dschisrasch Schugur im Nordwesten des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Die Regierungstruppen seien mit bis zu 150 Panzern in die seit Tagen eingekesselte Stadt eingezogen. Die Armeeverbände hätten «bewaffnete Elemente» in die umliegenden Berge vertrieben, berichtete gestern das syrische Staatsfernsehen.

Die Soldaten hätten in den Strassen Maschinengewehrsalven abgefeuert. Auch aus über der Stadt kreisenden Helikoptern werde geschossen. Zuvor sei die Stadt wahllos von Panzern beschossen worden. Flüchtlinge berichteten von getöteten Zivilisten. Zudem hätten Soldaten umliegende Felder zerstört sowie Kühe und Schafe getötet.

Angeblich Massengrab gefunden

Nach Angaben der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA fanden die einrückenden Truppen beim Sitz der örtlichen Geheimpolizei ein «Massengrab». Aus diesem seien zehn verstümmelte Leichen geborgen worden, die sterblichen Überreste von Polizisten und Soldaten, die angeblich von «terroristischen Gruppen» getötet wurden. Die Agentur SANA meldete weiter, die Truppen seien gegen Bewaffnete in einem Spital vorgegangen.

Die 50'000-Einwohner-Stadt Dschisrasch Schugur in der Provinz Idlib steht seit Tagen im Zentrum des Konflikts zwischen syrischen Sicherheitskräften und regierungskritischen Demonstranten. Nach Darstellung der offiziellen syrischen Medien griffen dort am 6. Juni «bewaffnete Gruppen» das Hauptquartier der Sicherheitskräfte an und töteten 120 Polizisten. Bürgerrechtler und Oppositionelle hatten dies zurückgewiesen und erklärt, es habe eine Meuterei in den Reihen der Polizei gegeben. Offenbar hätten sich die Sicherheitskräfte geweigert, auf unbewaffnete Demonstranten zu schiessen.

Massenflucht der Einwohner

Zahlreiche Bewohner der 50'000-Einwohner-Stadt waren vor den gewaltsamen Auseinandersetzungen geflohen. Der Einmarsch der Armee am Sonntag wurde mit einem «Hilferuf der Bevölkerung» begründet. Das Staatsfernsehen berichtete, die Armee habe ein Massengrab mit den Opfern des Angriffs vom 6. Juni entdeckt.

Seit Mitte März fordern Regierungsgegner in Syrien die Absetzung des autoritär regierenden Staatschefs Baschar el Assad. Die Staatsmacht in Damaskus geht seither mit aller Härte gegen die Demonstranten vor. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden bereits mehr als 1200 Zivilisten getötet und tausende Regierungsgegner inhaftiert.

Ban spricht mit Assad

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den syrischen Präsidenten Baschar Assad zu einem Ende der Gewalt gegen Demonstranten aufgefordert. Er habe mehrfach mit Assad gesprochen und ihn aufgefordert, auf die Menschen zu hören und den Willen des Volkes zu respektieren, sagte Ban während eines Besuchs in Kolumbien.

«Ich bin tief besorgt und traurig, dass so viele Menschen bei friedlichen Demonstrationen getötet wurden», erklärte Ban. Er habe Assad aufgefordert, ein UN-Team einreisen zu lassen, um den Menschen zu helfen.

(AFP/dapd/sda)

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