Zum Hauptinhalt springen

Der Einäugige

Islamistenführer Mokhtar Belmokhtar ist für die waghalsige Geiselnahme in einer abgelegenen Erdgasförderanlage in Algerien verantwortlich. Wer ist «Mister Marlboro», der in Afghanistan ein Auge verloren hat?

Wegen Nebenaktivitäten «vom rechten Pfad» abgekommen und als ein Anführer der al-Qaida im Islamischen Maghreb abgesetzt: Mokhtar Belmokhtar in einer undatierten Aufnahme der mauretanischen Informationswebseite ANI.
Wegen Nebenaktivitäten «vom rechten Pfad» abgekommen und als ein Anführer der al-Qaida im Islamischen Maghreb abgesetzt: Mokhtar Belmokhtar in einer undatierten Aufnahme der mauretanischen Informationswebseite ANI.

Seit vielen Jahren führt er verschiedene Islamistengruppen in der Sahara an – bis vor kurzem war er einer der bekanntesten Anführer des nordafrikanischen Al-Qaida-Ablegers AQMI: Der Algerier Mokhtar Belmokhtar hat sich seine Kenntnis der Wüste und der Verbindungen von Stammesverbänden mit örtlichen Gruppen zu Nutzen gemacht, um in der Grauzone zwischen Südalgerien, Mali, Tschad, Niger und Mauretanien sein Unwesen zu treiben. Auch die jüngste Geiselnahme von zahlreichen Ausländern auf einem Gasfeld in Algerien soll auf sein Konto gehen.

Belmokhtar, der wegen des Verlusts eines Auges auch den Beinamen «Lawar» – «der Einäugige» – trägt, wird 1972 in Ghardaia 600 Kilometer südlich von Algier geboren. In einem seltenen Interview mit einem Jihadistenforum erklärte er im November 2007, in sehr jungen Jahren von den afghanischen Mujahedin in ihrem Kampf gegen die sowjetische Armee begeistert gewesen zu sein. Mit kaum 19 Jahren schliesst er sich diesen an und lässt sich in afghanischen Trainingslagern ausbilden, aus denen später das Terrornetzwerk al-Qaida entsteht. Im Kampf gegen die Russen soll er sein Auge verloren haben.

Massaker an Zivilisten

1993 kehrt Belmokhtar in seine Heimat Algerien zurück, wo er schnell zu einem der Militärchefs der Islamistengruppe GIA aufsteigt, die im Kampf gegen die Regierung Massaker an Zivilisten verübt. Fünf Jahre später schliesst sich Belmokhtar der Salafistengruppe GSPC an, die als blutrünstigste der bewaffneten Gruppen in Algerien galt. Dem ehemaligen französischen Geheimdienstler Louis Caprioli zufolge kennt sich Belmokhtar äusserst gut im Süden Algeriens aus, was ihm beim Waffenhandel in der Region einen Vorteil verschafft.

Um seine Waffenkäufe zu finanzieren, wird Belmokhtar im Zigarettenschmuggel tätig – was ihm vorübergehend den Beinamen «Mister Marlboro» einbringt. Auch in Autodiebstähle, Schutzgelderpressung, illegale Einwanderung und Drogenhandel soll Belmokhtar verwickelt sein.

Als Anführer der örtlichen al-Qaida abgesetzt

Verschiedenen Quellen in der Region zufolge heiratet Belmokhtar mehrere Frauen von Tuareg-Stämmen im Niger und im Norden Malis. Durch die familiäre Vernetzung ist er über die Bewegung von Einsatzkräften in der Region immer auf dem Laufenden. Nach seiner Absetzung bei der GSPC zieht sich der Islamist nach Nordmali zurück, wo er sich Geheimdienstler Caprioli zufolge ständig von Grenze zu Grenze bewegt, um nicht gefasst zu werden. GSPC wird schliesslich zur al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQMI).

Belmokhtar steigt schliesslich zu einem der bekanntesten Anführer von AQMI auf, die er im Norden Malis etabliert. Im Oktober 2012 wird er als einer der beiden ranghöchsten Anführer des Netzwerks abgesetzt, wie es aus übereinstimmenden Quellen heisst. Offenbar soll er nach Ansicht der Gruppe mit seinen zahlreichen illegalen Nebenaktivitäten als Schmuggler «vom rechten Pfad» abgekommen sein.

Auch als am Mittwoch ein islamistisches Kommando ein Gasfeld im Osten Algeriens attackiert, fällt schnell der Name Belmokhtar. Am Abend dann bekennt sich die von Belmokhtar angeführte Gruppe Unterzeichner für Blut zu dem Angriff.

(AFP)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch