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Der enttäuschte General

Obamas neue Afghanistan-Strategie ist ein Rückschlag für den zuständigen Kommandanten David Petraeus. Er wollte eine Grossoffensive starten – stattdessen wird er aus der Ferne den Truppenabzug miterleben müssen.

Petraeus kritisiert Obamas Abzugsplan. (Video: Reuters)

Die Ankündigung von US-Präsident Barack Obama, bis September 2012 mehr als 30'000 Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, markiert das Ende der Bemühungen der USA, mit grosser Truppenstärke die aufständischen Taliban im Land zu bekämpfen. Stattdessen wollen die US-Streitkräfte verstärkt gegen Anführer von Terrororganisationen vorgehen.

Diese Änderung des Vorgehens der USA ist ein Rückschlag für den derzeitigen Kommandanten der Truppen in Afghanistan, General David Petraeus. Die Pläne seien aggressiver, als er gedacht habe, sagte Petraeus. Er warnte vor Risiken, die der Truppenabzug berge.

Vor einem Jahr propagierten er und sein Vorgänger Stanley McChrystal noch eine mit vollen Ressourcen ausgestattete und umfassende Kampagne gegen die Aufständischen, um den festgefahrenen Afghanistan-Einsatz zum Erfolg zu führen. Petraeus wird den Truppenabzug allerdings nicht mehr an vorderster Front miterleben, er wird Direktor der CIA. Sein Nachfolger General John Allen wird die Aufgabe übernehmen, die Segel der US-Streitkräfte in Afghanistan zu streichen.

Obamas plötzliche Kehrtwende

Vor zwei Jahren sah alles noch anders aus. Nach seinem Amtsantritt im Jahr 2009 feuerte Obama den damaligen Afghanistan-Kommandanten David McKiernan und setzte stattdessen McChrystal ein, um dessen «fundamental neuen Ansatz» für den Einsatz im Land voranzutreiben. In einem Bericht an Gates schrieb McChrystal damals, dass die USA verlieren könnten, wenn Obama den Kampf nicht neu definiere und weitere Truppen sende. Der US-Präsident stimmte mit McChrystals Sicht überein, dass das wichtigste Ziel der Schutz der afghanischen Bevölkerung sein müsse – nicht nur vor Gewalt, sondern auch vor Korruption und Nötigung. Der Forderung seines Kommandanten nach 40'000 Soldaten kam Obama dann aber nicht ganz nach und schickte etwas mehr als 30'000.

Mit dem Beginn der Truppenreduzierung werden die USA den Ansatz, die Bevölkerung zu schützen und die afghanische Regierung zu stärken, zwar nicht aufgeben. Aber es scheint, dass Obama angesichts der Präsidentschaftswahl 2012 bereit ist, seine Kriegsziele zurückzufahren, um damit möglicherweise Punkte bei den Wählern zu gewinnen.

Am Ende bleibt die Frage, wie eine politische Lösung in Afghanistan aussehen wird. Ist der militärische Druck auf die Taliban gross genug, dass sie ernsthafte Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung führen wollen? Der scheidende US-Verteidigungsminister Robert Gates glaubt das nicht – zumindest nicht vor Ende des Jahres, erklärte er. Doch angesichts der Kriegsmüdigkeit, die sowohl in den USA als auch in Afghanistan vorherrscht, gesteht auch Gates ein, dass die derzeitige truppenintensive Strategie nicht mehr haltbar sei.

dapd/miw

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