Zum Hauptinhalt springen

Iran feuert Raketen auf US-Basen ab, Trump: «So weit, so gut»

Teheran hat zum Vergeltungsschlag ausgeholt. Religionsführer Khamenei hat sich schon geäussert, Trump hält sich noch zurück.

reuters/sda/red
Die Aufnahmen sollen die vom Iran auf US-Ziele im Irak abgefeuerten Raketen zeigen. Video: AP

Der Iran hat aus Vergeltung für die Tötung von General Qassim Soleimani zwei Militärstützpunkte im Irak angegriffen, in denen US-Soldaten sowie verbündeter Staaten stationiert sind. Betroffen seien der Luftwaffenstützpunkt al-Asad und eine Basis in der nördlichen Stadt Erbil. Ob es bei den Angriffen Tote oder Verletzte gegeben hat, ist noch unklar (hier geht's zum News-Ticker).

Dies schürt die Furcht vor einer weiteren Eskalation der Nahost-Krise. Die USA hatten zuvor mit massiven Gegenangriffen gedroht. Doch vorab meldet sich US-Präsident Donald Trump in ruhigem Ton zu Wort. Die Lage werde noch sondiert, twitterte er und kündigte für Mittwoch eine Erklärung an. «Alles ist gut!», schrieb er dazu. Gleichzeitig kamen seine wichtigsten Minister zu einer Krisensitzung zusammen.

Auch der iranische Präsident Hassan Rohani wird noch am Mittwoch eine Rede zum Angriff halten. Das kündigte das iranischen Staatsfernsehen an. Derselbe Sender berichtete, dass bei den Angriffen 80 Menschen ums Leben gekommen sind. Das Fernsehen sprach von getöteten «amerikanischen Terroristen». Ausserdem seien Helikopter und militärische Ausrüstung des US-Militärs schwer beschädigt worden. Insgesamt seien 15 iranische Raketen auf US-Ziele abgeschossen worden. Keine davon sei abgefangen worden. Nach Angaben von Verteidigungsminister Amir Hatami seien bei dem Angriff Kurzstreckenraketen eingesetzt worden.

Die vergangene Nacht sei ein «Schlag ins Gesicht» der USA gewesen, sagte das geistliche und staatliche Oberhaupt des Irans, Ayatollah Ali Khamenei. Die US-Truppen müssten die Region verlassen. Ihre Präsenz sei die Quelle von Korruption. «Die USA sind der Feind des Irans.» Das iranische Staatsfernsehen zitierte Vertreter Khameneis mit den Worten, die Raketenangriffe seien das «schwächste» mehrerer Vergeltungsszenarien gewesen. 100 andere potenzielle Ziele seien ins Auge gefasst worden.

Die iranischen Revolutionsgarden teilten mit, bei der «Operation Märtyrer Soleimani» sei der mit 35 Raketen attackierte Luftwaffenstützpunkt Ain al-Asad «vollständig zerstört» worden. Der Angriff mit ballistischen Boden-Boden-Raketen auf die «von den Amerikanern besetzte» Basis sei «in jeder Hinsicht ein voller Erfolg».

Die irakische Armee teilte mit, dass keine ihrer Soldaten getötet worden und insgesamt 22 Raketen eingeschlagen seien.

Abzug von US-Truppen gefordert

Die iranischen Revolutionsgarden forderten die USA auf, ihre Truppen aus der Region abzuziehen, um Menschenleben nicht weiter zu gefährden. Jede US-Reaktion werde mit einer härteren Reaktion erwidert, schrieben in einer Presseerklärung. Die Angriffe seien nur der erste Schritt gewesen, sagte ein Kommandant im iranischen Fernsehen. Der Iran werde die Amerikaner nicht verschonen.

Die iranische Regierung bezeichnete die Angriffe als Akt der Selbstverteidigung. Der Iran habe angemessene Massnahmen zur Selbstverteidigung ergriffen und abgeschlossen, twitterte Irans Aussenminister Mohammed Jawad Sarif in der Nacht auf Mittwoch. Sein Land sei nicht auf Eskalation oder Krieg aus. Es werde sich aber gegen jede Aggression verteidigen.

«Wir arbeiten an ersten Einschätzungen der Schäden», erklärte das Pentagon. Auch zu möglichen Opfern machte das US-Militär zunächst keine Angaben. «Diese Stützpunkte sind wegen Hinweisen auf geplante Angriffe des iranischen Regimes auf unsere Truppen und Interessen in der Region in hoher Alarmbereitschaft gewesen», hiess es aus Washington. Die US-Luftfahrtbehörde FAA sperrte unterdessen für US-Fluggesellschaften den Luftraum über dem Irak, dem Iran, dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Asiatische sowie arabische Fluggesellschaften kündigten in der Nacht auf Mittwoch zudem die Änderung von Flugrouten an.

Demokraten reagieren auf Angriffe

In Sorge um die US-Truppen aber auch mit Zurückhaltung meldete sich der frühere Vizepräsident und Präsidentschaftsbewerber Joe Biden. Auf Twitter sagte er, dass er abwarten werde, die Angriffe zu kommentieren. Seine Frau und er würden für die US-Truppen beten.

Und die Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren schrieb, dass die Angriffe eine Erinnerung daran seien, die Lage im Nahen Osten zu deeskalieren und beendete ihren Tweet mit den Worten «Das amerikanische Volk will keinen Krieg mit dem Iran.»

«Amerikaner im Irak unter Beschuss», twitterte Präsidentschaftskandidat Pete Buttigieg. Auch er bete für die Soldaten und deren Familien.

Neue Eskalationsstufe

US-Präsident Trump hatte am Dienstag vor den Angriffen gesagt: «Falls der Iran irgendetwas macht, was er nicht tun sollte, werden sie die Konsequenzen erleben. Und das sehr stark.» Das Weisse Haus in Washington teilte unterdessen mit, dass Trump über die Situation unterrichtet wurde. CNN zeigte Bilder von der Ankunft von Verteidigungsminister Mark Esper, Aussenminister Mike Pompeo und Generalstabschef Mark Milley im Weissen Haus. Trumps wichtigste Minister kamen zu einer Krisensitzung zusammen.

Luftaufnahme des Stützpunktes al-Asad Ende Dezember 2019. Die Basis ist die grösste Luftwaffenbasis im Irak, auf der US-Soldaten stationiert sind. Bild: AP
Luftaufnahme des Stützpunktes al-Asad Ende Dezember 2019. Die Basis ist die grösste Luftwaffenbasis im Irak, auf der US-Soldaten stationiert sind. Bild: AP

Im Irak sind rund 5000 US-Soldaten stationiert, die ein internationales Militärbündnis zum Kampf gegen die IS-Terrormiliz anführen. Die US-Stützpunkte im Irak sind zuletzt häufiger mit technisch einfacheren Raketen von örtlichen schiitischen Milizen, die vom Iran unterstützt werden, angegriffen worden. Ein direkter Angriff aus dem Iran markiert jedoch eine neue Eskalationsstufe im Konflikt zwischen den USA und dem Iran.

Europäische Soldaten wohlauf

Die deutsche Bundeswehr teilte in der Nacht auf Mittwoch mit, ihren in Erbil stationierten Soldaten gehe es gut. Dort sind nach offiziellen Angaben derzeit 115 Bundeswehrsoldaten stationiert.

Beim Angriff auf den Militärstützpunkt al-Asad seien auch keine dänischen Soldaten verletzt oder getötet worden, teilte die dänische Armee mit, die 130 Soldaten dort stationiert hat. Das norwegische Militär erklärte, es gebe unter seinen Soldaten in al-Asad weder Verletzte noch Tote.

Börsen reagieren

Aus Furcht vor einer weiteren Eskalation der Krise zwischen den USA und Iran rutschten die Börsen in Asien ab. In Tokio verlor der Nikkei-Index im frühen Handel 2,5 Prozent. Der MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien ausserhalb Japans gab 0,5 Prozent nach.

Im Gegenzug legten die Erdölpreise und die «Krisenwährung» Gold zu. US-Leichtöl WTI verteuerte sich um 4,42 Prozent auf 65,47 Dollar pro Barrel. Der Goldpreis kletterte um 1,9 Prozent auf 1603,93 je Feinunze.

General Qassim Soleimani war in der Nacht zum Freitag von US-Drohnen in der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet worden. Washington erklärte danach, der Chef der Al-Quds-Brigaden habe Angriffe auf US-Bürger geplant. Soleimani war der wichtigste Vertreter des iranischen Militärs im Ausland. Er galt als Architekt der iranischen Militärstrategie in den Nachbarländern. Im Iran wird er nun als Märtyrer verehrt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch