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Der Iran nutzt ein «geheimes Atomnetzwerk»

Die internationale Atomenergiebehörde hat soeben ihren Bericht zum Atomprogramm Irans vorgelegt: Teheran arbeite an der Entwicklung von Atomwaffen und greife auf die Hilfe von Verbündeten zurück.

Der Iran formulierte schon in den 1960er-Jahren das Ziel, Kernkraft zur Energiegewinnung nutzen zu wollen. 2002 wurde erstmals bekannt, dass im islamischen Gottesstaat Atomanlagen gebaut wurden. Die internationale Atomenergie-Organisation IAEA forderte die Offenlegung aller Standorte und Aktivitäten.
Der Iran formulierte schon in den 1960er-Jahren das Ziel, Kernkraft zur Energiegewinnung nutzen zu wollen. 2002 wurde erstmals bekannt, dass im islamischen Gottesstaat Atomanlagen gebaut wurden. Die internationale Atomenergie-Organisation IAEA forderte die Offenlegung aller Standorte und Aktivitäten.
Keystone
2005: Durch die Wahl des religiösen Hardliners Mahmoud Ahmadinejad, hier im Jahr 2007, erhöhen sich die Spannungen.
2005: Durch die Wahl des religiösen Hardliners Mahmoud Ahmadinejad, hier im Jahr 2007, erhöhen sich die Spannungen.
Reuters
4. November 2011: Angst vor dem Iran als Atommacht: In Israel wird mit militärischen Übungen der Ernstfall simuliert. Schon längere Zeit diskutiert Israel einen Angriff gegen den Iran. Ein neuer Bericht der IAEA, wonach der Iran den Bau einer Atombombe begonnen habe, erhöht die Spannungen.
4. November 2011: Angst vor dem Iran als Atommacht: In Israel wird mit militärischen Übungen der Ernstfall simuliert. Schon längere Zeit diskutiert Israel einen Angriff gegen den Iran. Ein neuer Bericht der IAEA, wonach der Iran den Bau einer Atombombe begonnen habe, erhöht die Spannungen.
Reuters
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Die internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat sich «ernsthaft besorgt» über eine mögliche militärische Dimension des iranischen Atomprogramms geäussert. Es gebe «glaubwürdige» Informationen, wonach der Iran vor Ende 2003 ein Programm zur Entwicklung von Atomwaffen verfolgte und diese Aktivitäten möglicherweise auch danach fortgesetzt habe, hiess es in einem soeben veröffentlichten Bericht. In dem Bericht hiess es, die IAEA habe Informationen von zehn Ländern erhalten und auch eigene Quellen analysiert, vor allem Satellitenbilder. Der Iran greife aller Wahrscheinlichkeit nach auf ein «geheimes Atomnetzwerk» zurück. Medien hatten von einem russischen und pakistanischen Experten berichtet, die Teheran unterstützten.

Der Behörde liegen dem Bericht zufolge Belege vor, wonach der Iran an der Entwicklung einer Nuklearwaffe gearbeitet habe und dazu bereits Tests einzelner Komponenten vorgenommen habe. In vorangegangenen Berichten hatte die Behörde bereits über die Bemühungen des Iran zur Herstellung von Uran und Plutonium berichtet. Im neuesten Bericht konzentrierte sie sich auf mutmassliche Bemühungen, radioaktives Material in Nuklearsprengköpfe zu füllen und Raketen zu entwickeln.

Russland «tief enttäuscht und verblüfft»

Das russische Aussenministerium kritisierte, die angekündigte Veröffentlichung des Berichts habe bereits in den vergangenen Tagen zu «Spannungen» geführt. Russland sei «tief enttäuscht und verblüfft». Durch die Veröffentlichung könne die Chance zur Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den Weltmächten und dem Iran sinken. In Hinblick auf die Spekulationen um einen russischen Wissenschaftler, der das iranische Atomprogramm unterstützt haben soll, erklärte das Ministerium, «alle nötigen Informationen zu dieser Frage seit langem an die IAEA» weiterzuleiten.

Im Vorfeld der Veröffentlichung des Berichts hatte der iranische Aussenminister Ali Akbar Salehi am Dienstag gesagt, es gebe «keine zuverlässigen Beweise, dass der Iran einen atomaren Sprengkopf entwickeln wird». Dem Westen und den USA warf er vor, «ohne ernsthafte Argumente und Beweise» Druck auf den Iran auszuüben. Zugleich versicherte er erneut, das Atomprogramm diene ausschliesslich friedlichen Zwecken.

Israels Präsident Schimon Peres hatte am Wochenende erklärt, ein Angriff Israels und anderer Länder auf iranische Atomanlagen werde «immer wahrscheinlicher».

Vorabberichte veröffentlicht

Zuvor fachten zahlreiche Vorabmeldungen die Spekulationen um eine iranische Atombombe an. Der «Guardian» schreibt, dass in dem Bericht Details zu möglicherweise bereits stattgefundenen Atomwaffentests veröffentlicht werden. Die Tests könnten in einem Militärkomplex in Parchin stattgefunden haben, 18 Meilen südöstlich von Teheran.

Ein fünfseitiges Dokument belege zudem Experimente mit dem sogenannten R265-Generator: Eine Halbkugel aus Aluminium, auf der Sprengsätze angebracht sind. Das Gerät basiert auf einem komplexen System, das ermöglicht, dass eine grosse Anzahl von Sprengsätzen gleichzeitig gezündet werden und so eine nukleare Kettenreaktion in Gang gesetzt werden kann.

Die «FAZ» schreibt, dass der Iran nicht nur in der Entwicklung des Zündmechanismus tätig war sondern auch in der Urananreicherung und der Konstruktion eines atomaren Sprengkopfes, den iranische Raten transportieren könnten.

Ahmadinejad unnachgiebig

Vor der Veröffentlichung des Berichts hat sich Mahmoud Ahmadinejad unnachgiebig gezeigt: Der Generaldirektor der IAEA sei ein Handlanger der USA. Der Iran plane nicht den Bau einer Atomwaffe und werde seine Nuklearaktivitäten fortsetzen.

IAEA-Generaldirektor Yukiya Amano habe keine eigene Macht und verstosse gegen die Regeln der IAEA, sagte Ahmadinejad weiter. Amano veröffentliche Papiere, die ihm von den USA vorgelegt würden. Die USA hätten ihr Budget für Nuklearwaffen kürzlich um 81 Milliarden Dollar aufgestockt, erklärte der Präsident. Das sei 300 Mal so viel wie der Etat des iranischen Atomprogramms. Wenn der Iran die Kontrolle der USA über die Welt auflösen wollte, bräuchte er dazu keine Bomben. «Wir verlassen uns auf unsere Gedanken, unsere Kultur und Logik», erklärte Ahmadinejad.

Wenn der Iran Atomwaffen bauen wollte, würde er das der Welt auch offen mitteilen, sagte der iranische Aussenminister Ali Akbar Salehi während eines Besuchs in Armenien am Dienstag. «Aber unser Verstand und unsere Erfahrung sagen uns, dass Nuklearwaffen nicht als Abschreckung dienen», sagte Salehi. Der IAEA-Bericht habe nur das Ziel, den Druck auf den Iran zu erhöhen.

Barak schliesst Angriff nicht aus

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak schloss unterdessen einen militärischen Angriff gegen das iranische Atomprogramm nicht aus. Barak sagte dem israelischen Rundfunk, er sei skeptisch, ob die internationale Gemeinschaft nach dem neuesten Bericht der IAEA wirksame Sanktionen gegen den Iran verhängen werde. Ohne diese sei keine Option vom Tisch.

Im Interview mit Redaktion Tamedia sagt der Nahost- und Sicherheitsexperte Roland Popp, dass Israel die Staatengemeinschaft unter Druck setze und versuche, den Iran in der internationalen Gemeinschaft weiter zu isolieren. Ein militärischer Akt sei dennoch nicht ausgeschlossen.

AFP/sda/dapd/fkl

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