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«Die Armee kommt, bringen Sie sich in Sicherheit»

Syriens Armee hat ihre Offensive im Norden ausgeweitet. In zahlreichen Städten werden Razzien durchgeführt. Über die Lautsprecher der Moscheen wird vor den herannahenden Truppen gewarnt.

Propagandaschlacht: Die syrische Regierung fordert ihre Bürger zur Rückkehr aus der Türkei auf. (Quelle: Reuters)

Nach ihrem Einmarsch in die Städte Jisr al-Shughur und Maarat al-Noaman soll die syrische Armee jetzt in mehrere Dörfer der Provinz Idlib vorgestossen sein. Das berichtete ein Sprecher der Regimegegner an der syrisch-türkischen Grenze.

Nur ein kleiner Teil der rund 45'000 Einwohner von Jisr al-Shughur sei bisher in die Türkei geflüchtet, sagte der Sprecher in einem Telefoninterview der Nachrichtenagentur DPA. Die meisten Bewohner der Stadt, die von der Armee in den vergangenen Tagen mit schweren Waffen angegriffen wurden, hätten dagegen in den umliegenden Dörfern Zuflucht gesucht.

Da sie sich wegen der Razzien der Armee in diesen Dörfern nun aber auch nicht mehr sicher fühlten, sei mit einem weiteren Zustrom von Flüchtlingen in die Türkei in den kommenden Tagen zu rechnen. Seit Dienstag hätten erneut rund 700 Syrer die Grenze überquert. Damit sei die Zahl der Flüchtlinge in der Türkei auf rund 9000 angestiegen.

Massenflucht aus der Pilgerstadt

In der Pilgerstadt Maarat al-Noaman wurde die Bevölkerung nach Angaben von Bewohnern über die Lautsprecher der Moscheen zur Flucht aufgerufen. «Die Armee kommt, bringen Sie sich und Ihre Familien in Sicherheit», hiess es demnach. Ein Professor der Pharmazie sagte der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon, etwa 70 Prozent der Bevölkerung habe den Ort bereits verlassen. In Maarat al-Noaman hatten in den vergangenen Wochen zahlreiche Menschen gegen Assad protestiert.

Flüchtlinge aus Maarat al-Noaman berichteten den Helfern an der Grenze, als die Armee vor etwa zwei Tagen damit begonnen habe, in ihre Stadt einzumarschieren, seien etliche Soldaten desertiert. Die Staatsmedien stellen die Strafexpedition der Armee in der Provinz Idlib, zu der die Städte Jisr al-Shughur und Maarat al-Noaman gehören, als «Operation gegen bewaffnete Terroristen» dar.

Die Nachrichtenagentur Sana meldete, viele Bewohner seien in ihre Häuser zurückgekehrt, «nachdem die Armee die Ortschaften von den Elementen der bewaffneten terroristischen Vereinigungen gesäubert hatte».

Über 1000 Tote

Seit Beginn der Massenproteste gegen Präsident Bashar al-Assad vor drei Monaten sind nach Angaben von syrischen Menschenrechtsgruppen 1300 Zivilisten und 300 Soldaten getötet worden. Die Angaben konnten von unabhängiger Seite nicht überprüft werden. Die syrische Regierung hat die Arbeit ausländischer Journalisten stark eingeschränkt.

SDA/jak

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