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Die Fischadler durchkämmen den Dschungel nach Joseph Kony

100 Millionen Klicks und die monatelange Suche mit Bodentruppen haben nichts gebracht. Jetzt sollen US-Spezialflugzeuge und Elitesoldaten den ugandischen Kriegsverbrecher in der Wildnis aufspüren.

Vier Spezialflugzeuge wollen die USA nach Uganda entsenden: V-22 Ospreys bei einem Demonstrationsflug. (31. Juli 2005)
Vier Spezialflugzeuge wollen die USA nach Uganda entsenden: V-22 Ospreys bei einem Demonstrationsflug. (31. Juli 2005)
Keystone
Die Osprey (Fischadler) verfügt über drehbare Rotoren: Sie kann deshalb wie ein Helikopter senkrecht starten und landen. (19. Juni 2003)
Die Osprey (Fischadler) verfügt über drehbare Rotoren: Sie kann deshalb wie ein Helikopter senkrecht starten und landen. (19. Juni 2003)
Keystone
Die Organisation Invisible Children machte die Jagd nach Kony international zum Thema: Eine Kiste mit Plakaten steht im Büro der Organisation in San Diego. (8. März 2012)
Die Organisation Invisible Children machte die Jagd nach Kony international zum Thema: Eine Kiste mit Plakaten steht im Büro der Organisation in San Diego. (8. März 2012)
Keystone
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Vor zwei Jahren war Joseph Kony plötzlich ein Internetphänomen. Es schien, als wolle sich die ganze Welt an der Suche nach dem Kriegsverbrecher beteiligen. Ein Hilfswerk rief mit dem Film «Kony 2012» zur Jagd auf den Ugander auf. Gegen 100 Millionen Mal wurde das Werk auf Youtube angeklickt. Später klebten Aktivisten rund um den Globus den öffentlichen Raum mit Kony-Plakaten voll. Die weltweite Aufmerksamkeit sollte dazu führen, dass der Anführer der sogenannten Lord's Resistance Army (LRA) endlich an den Internationalen Strafgerichtshof überführt werden konnte.

Den Haag hatte schon 2005 einen Haftbefehl erlassen. Die LRA hat über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg Zehntausende Kinder entführt und zu Soldaten gemacht. Sie ist zudem für die Vertreibung von rund zwei Millionen Menschen verantwortlich.

Nur, Kony blieb trotz der Kampagne unauffindbar, auch als die Afrikanische Union zwischenzeitlich mehrere Tausend Soldaten zur Suche nach Zentralafrika entsandte, die von US-Spezialisten unterstützt wurden. Derzeit soll er sich im Grenzgebiet zwischen der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo und dem Südsudan befinden – einer kaum erschlossenen Wildnis. Es gibt dort nur wenige Strassen und vereinzelt Landepisten, die für herkömmliche grössere Flugzeuge ungeeignet sind.

Boten statt Satellitentelefon

Kony und seine Kämpfer haben nach Jahrzehnten im Dschungel viel mehr Erfahrung mit dem schwierigen Gelände als ihre Häscher. Sie sollen zudem auf die internationalen Suchanstrengungen reagiert haben. Wie die «Washington Post» im letzten Jahr berichtete, sollen sie unter anderem den Gebrauch von Funkgeräten und Satellitentelefonen eingestellt haben. Nachrichten würden stattdessen mit Boten übermittelt.

Spurlos sind die letzten zwei Jahre jedoch nicht an Kony vorbeigegangen. Die Zahl seiner Kämpfer soll auf unter 300 geschrumpft sein, wie das «Wall Street Journal» berichtet. Seit 2010 sei die Zahl der Personen, die durch die LRA getötet wurden, um 75 Prozent gefallen. Ihre Kampffähigkeit sei deutlich zurückgegangen. Auch sind in den letzten Jahren laut der «Washington Post» drei von fünf Kommandanten der Organisation «vom Schlachtfeld entfernt worden».

«Die entscheidende Wende»

Jetzt intensivieren die USA ihre Suche nach Kony. Wie bekannt wurde, werden über 100 US-Elitesoldaten zusätzlich nach Zentralafrika entsandt. Insgesamt sollen damit bis zu 300 US-Soldaten den Kriegsverbrecher jagen. Unterstützt werden sie von vier Flugzeugen des Typs V-22 Osprey (Fischadler).

Kasper Agger, ein Experte die Lord's Resistance Army, lobte gegenüber der Nachrichtenagentur AP die Entscheidung als möglicherweise entscheidenden Faktor für eine Wende bei der bislang erfolglosen Jagd auf Kony. Die Anführer der LRA seien derzeit aufgrund von Desertionen und der immer intensiver werdenden internationalen Suche nach ihrem Chef schwächer denn je.

Grosse Hoffnung wird vor allem in die vier Spezialflugzeuge gesetzt. Konys Kämpfer verstecken sich in einem riesigen Gebiet. Die «Washington Post» zitiert eine Mitarbeiterin des US-Verteidigungsministeriums. Demnach war bei der Suche nach Kony bislang die Transportgeschwindigkeit ein Hauptproblem. Es dauerte zu lange, um ein Gebiet zu erreichen, aus dem Informationen über Kony eingegangen waren. Die Verantwortlichen hätten daher ein besseres Transportmittel angefordert.

Unterstützung im Kampf gegen al-Qaida

Die Fischadler verfügen über drehbare Rotoren und können deshalb wie ein Helikopter auch vertikal starten und landen. Sie sind zudem schneller als die kleinen gewöhnlichen Flugzeuge, die auf den wenigen Plätzen im Dschungel sonst noch landen können. Jede V-22 Osprey kann 24 Soldaten transportieren. Zur Selbstverteidigung verfügt sie zudem über Maschinengewehre.

Wie lange die Flugzeuge in Uganda eingesetzt werden, gab das US-Verteidigungsministerium nicht bekannt. Laut der «Washington Post» wird der Einsatz aber als gute Möglichkeit gesehen, um neue Partnerschaften mit afrikanischen Regierungen in der Region aufzubauen. Auch weil in diesem Teil Afrikas al-Qaida auf dem Vormarsch sei.

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