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Die heimliche Hauptstadt der Moderne ist in Gefahr

Endlich herrscht Frieden in Eritrea. Bedeutet das für das architektonische Weltkulturerbe in Asmara die Rettung? Oder wird die eritreische Hauptstadt jetzt zur Beute der Investoren?

In keiner Stadt der Welt kann man die verschiedenen Stile der modernen Architektur auf so kleinem Raum studieren wie in Asmara. Foto: iStock

In keiner Stadt der Welt kann man die verschiedenen Stile der modernen Architektur auf so kleinem Raum studieren wie in Asmara. Foto: iStock

Es ist noch früh am Morgen, aber Medhanie Teklemariam sagt, man müsse jetzt unbedingt etwas trinken gehen, sonst verstehe man das alles nicht, sonst habe man letztlich keine Ahnung von Asmara. Medhanie schleppt einen durch die Strassen der Hauptstadt von Eritrea, vorbei an riesigen Art-déco-Kinos, an Villen im Bauhaus-Stil und über grosse Boulevards in eine Bar, die düster wäre, würden der Tresen und die Spiegel dahinter das wenige Licht nicht reflektieren. Dass die Zeit stehen geblieben ist, sagt sich leicht dahin, aber hier steht sie wirklich am Tresen, die alte Zeit. Das Crispi ist eine italienische Bar aus den Dreissigerjahren, wie es sie selbst in Italien nicht mehr gibt. Es ist der Lieblingsort von Medhanie Teklemariam, dem obersten Denkmalschützer der Stadt. Es ist alles original, vom verchromten Tresen über die jahrzehntealten Campari-Flaschen in den Regalen bis hin zu den Asmarinos am Tresen, den alten Männern in ihren Sonntagsanzügen, die einen Espresso trinken. Oder wie Medhanie Teklemariam einen kleinen Pastis. «Das ist Asmara», sagt er und lacht.

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