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Die Nato bombardiert Sirte

Kampfjets des Militärbündnisses flogen zur Unterstützung der Rebellen-Offensive mehrere Angriffe auf die Stadt. Derweil berichtet die Nato von Brutalität durch Ghadhafi-Treue gegen die Zivilbevölkerung.

Aus vollen Rohren: Rebellen schiessen vor Sirte Raketen ab. (24. September 2011)
Aus vollen Rohren: Rebellen schiessen vor Sirte Raketen ab. (24. September 2011)
Reuters
Warten auf den Sieg? Libysche Rebellen in der Nähe von Bani Walid. (22. Sepember 2011)
Warten auf den Sieg? Libysche Rebellen in der Nähe von Bani Walid. (22. Sepember 2011)
Keystone
«Die Strategie in Bani Walid heisst abwarten», sagt ein Sprecher des Übergangsrats: Die Kämpfer hinter der Frontlinie füllen ihre Zeit mit Spässen. (10. September 2011)
«Die Strategie in Bani Walid heisst abwarten», sagt ein Sprecher des Übergangsrats: Die Kämpfer hinter der Frontlinie füllen ihre Zeit mit Spässen. (10. September 2011)
AP/Keystone
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Nato-Kampfflugzeuge haben erneut die libysche Küstenstadt Sirte angegriffen, in die zeitgleich Kämpfer des Nationalen Übergangsrats vorrückten. In der Heimatstadt des gestürzten Machthabers Muammar al-Ghadhafi seien mehrere Ziele beschossen worden, «die von den Ghadhafi-Truppen für Angriffe auf die Zivilbevölkerung genutzt wurden», erklärte die Nato in Brüssel.

Das Bündnis habe Informationen aus der 360 Kilometer östlich von Tripolis gelegenen Stadt, wonach die dortigen Ghadhafi-Kämpfer «brutal» gegen die Einheimischen vorgehen. Unter anderem habe es Hinrichtungen gegeben, erklärte die Nato weiter. Derweil rückten die Truppen der neuen Führung des Landes nach eigenen Angaben immer weiter vor. Es gehe zunächst vor allem darum, der Zivilbevölkerung das Verlassen von Sirte zu ermöglichen.

Erster Angriff seit einer Woche

Die Kämpfer der libyschen Revolutionstruppen hatten erstmals seit einer Woche einen grösseren Vorstoss gestartet und die Heimatstadt des gestürzten Machthabers Muammar al-Ghadhafi unter Beschuss genommen. Die früheren Rebellen feuerten Raketen auf Sirte ab, die Ghadhafi-Getreuen erwiderten das Feuer. Explosionen erschütterten die Stadt, über den Strassen stieg Rauch auf.

Die Revolutionsstreitkräfte sagten, ihr Ziel sei es, zwei westliche Stadtteile von Sirte einzunehmen. Vor einer Woche waren die Kämpfer von den Ghadhafi-Anhängern in Sirte zurückgeschlagen worden. Die Stadt ist eine von drei verbliebenen Hochburgen Ghadhafis.

Bei den neuen Kämpfen wurde nach Angaben eines Arztes mindestens einer der Anti-Gaddafi-Kämpfer getötet, 25 weitere wurden verletzt. Einer der Kommandeure erklärte, seine Soldaten würden in Richtung des Stadtzentrums vorstossen. Von Häuserdächern würden aber Ghadhafi-treue Scharfschützen auf sie schiessen.

Familien verlassen Sirte

Hunderte Kämpfer der Revolutionsstreitkräfte besetzten einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt westlich der Innenstadt von Sirte, das 400 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tripolis liegt. Anschliessend gelang ihnen laut Augenzeugen der Vormarsch bis zu einer Rundfunkstation. Zahlreiche Kämpfer seien durch Handgranaten und Schüsse von Scharfschützen auf Hochhäusern verletzt worden.

Nach Angaben der Kämpfer haben im Laufe der vergangenen Woche mehr als 1300 Familien die Stadt verlassen. Dutzende von ihnen, die an einem ausserhalb gelegenen Kontrollpunkt warteten, sprachen von immer dramatischeren Zuständen in Sirte. Ganze Familie versteckten sich in Kellern und viele Kinder litten wegen des Mangels an sauberem Wasser an Durchfall.

In Tripolis kam es am Samstag zu einer Serie von Explosionen in einem Depot für Militärfahrzeuge. Aus dem Gebäude in der Nähe des Hafens quoll dichter schwarzer Rauch. Die Ursache der Explosionen war zunächst nicht bekannt.

Ghadhafis Tochter meldet sich

In ihrer ersten Nachricht seit dem Fall der Hauptstadt Tripolis vor einem Monat bezeichnete Aischa Ghadhafi die neuen Führer des Landes als Verräter und erklärte, einige von ihnen hätten dem Ghadhafi-Regime angehört, bevor sie im Bürgerkrieg übergelaufen seien.

«Ich versichere Ihnen, es geht im gut, er ist gläubig und guten Mutes, trägt seine Waffe und kämpft Seite an Seite mit den Kriegern», sagte Aischa al-Ghadhafi in der vierminütigen Botschaft, die von dem in Syrien ansässigen Fernsehsender Al-Rai ausgestrahlt wurde, dem inzwischen wichtigsten Sprachrohr Gaddafis.

Aischa ruft zum Widerstand auf

Gleichzeitig rief Aischa al-Ghadhafi in ähnlichem Wortlaut wie zuvor ihr Vater die «Löwen von Tripolis» und anderen Städten auf, sich gegen die neue Führung des Landes zu erheben. Diese versucht nach wie vor, die letzten Hochburgen des früheren Machthabers zu erobern. Einer der Kommandeure erklärte am Freitag, seine Truppen planten einen neuen Angriff auf die Ghadhafi-Bastion Bani Walid.

Ghadhafis Tochter Aischa war Ende August zusammen mit ihrer Mutter und zwei Brüdern nach Algerien geflohen, wo sie nach Angaben des algerischen Gesundheitsministeriums ein Mädchen zur Welt brachte. Der Aufenthaltsort ihres Vaters ist nach wie vor unbekannt.

dapd/kpn, pbe

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