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Doppelanschlag auf Hotel- und Geschäftskomplex in Pakistan

Im pakistanischen Peshawar haben zwei Bomben 35 Menschenleben gefordert. Auch in Afghanistan starben bei Anschlägen mindestens 21 Personen.

Versorgt einen Verletzten: Sanitäter in Peshawar.
Versorgt einen Verletzten: Sanitäter in Peshawar.
Keystone

Bei einem Doppelanschlag in einem gut besuchten Hotel- und Geschäftskomplex in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar sind gestern Abend mindestens 35 Menschen getötet worden. Bis zu 100 Personen wurden nach Spitalangaben verletzt. Es sei zu befürchten, dass die Zahl der Toten noch steige. Im Abstand von vier Minuten hätten sich zwei Explosionen ereignet, sagte ein Polizeivertreter. «Die erste Detonation war eher klein, aber als sich die Leute um die Explosionsstelle versammelten, gab es eine zweite, die wirklich gross war.»

Der Komplex, in dem sich ein Hotel, ein Supermarkt, Studentenunterkünfte und Kioske befinden, liegt in einem Wohngebiet von Peshawar. Sechs Geschäfte und das Hotel wurden durch die Explosionen stark beschädigt. Geschirr, Möbel und zerfetzte Körperteile lagen verstreut herum.

Bombe im Badezimmer und Selbstmordattentäter

Fernsehsender zeigten Krankenwagen, die Tote und Verletzte abtransportierten. Unter den Getöteten waren zwei Journalisten, die für die englischsprachigen pakistanischen Zeitungen «Today» und «The News» arbeiteten. Auch ein Mitarbeiter der Deutschen Presseagentur dpa wurde verletzt.

Nach Angaben eines Bombenexperten der Polizei, Shafqat Malik, wurde die erste Explosion von einem ferngezündeten Sprengsatz ausgelöst, der in einem Badezimmer des Hotels abgelegt war. Die zweite Bombe sei von einem Selbstmordattentäter auf einem Motorrad in der Nähe des Hotels gezündet worden.

Besuch Karzais

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Seit der Tötung von Al-Qaida-Chef Osama bin-Laden durch US-Elitesoldaten in Pakistan im vergangenen Monat haben muslimische Extremisten jedoch verstärkt Bomben- und Selbstmordanschläge im Land verübt.

Die Explosionen erfolgten nur wenige Stunden nach einem Besuch von Afghanistans Präsident Hamid Karzai, der Pakistan dazu aufforderte, in den nordwestpakistanischen Stammesgebieten an der Grenze stärker gegen Schutzräume für die Extremisten vorzugehen. In Pakistan sind seit 2007 mehr als 4400 Menschen durch Angriffe und Anschläge getötet worden, die den Taliban oder anderen islamistischen Extremistengruppen zugeschrieben werden.

Anschlägen auch in Afghanistan Bei mehreren Anschlägen sind auch in Afghanistan mindestens 21 Menschen getötet worden. Der folgenschwerste Bombenanschlag war jener im Süden Afghanistans, bei dem 16 Menschen getötet wurden. Unter den getöteten Insassen eines Kleinbusses waren acht Kinder, wie das Innenministerium mitteilte. Ihr Fahrzeug sei im Bezirk Chakres in der südlichen Provinz Kandahar von der Explosion der am Strassenrand deponierten Bombe getroffen worden.

Das Gebiet ist eine Hochburg der radikal-islamischen Taliban- Rebellen. Polizeichef Abdul Rasik machte denn auch die Taliban für die Tat verantwortlich. Ziel der Bombe seien afghanische oder Nato-Truppen gewesen, sagte er.

Im Osten Afghanistans wurden bei einem Selbstmordanschlag vier Menschen getötet, darunter drei Polizisten. 25 weitere Menschen wurden verletzt. Der Täter sprengte sich vor einem Polizeigebäude in der Provinz Chost in die Luft. In der Hauptstadt der Provinz Ghasni tötete ein Selbstmordattentäter ein Kind, drei weitere wurden verletzt. Der Täter schob nach Polizeiangaben einen Wagen zum Verkauf von Eiscreme.

Täglich fast zwölf Zivilpersonen getötet

Die Gewalt in Afghanistan erreichte zuletzt einen neuen Höhepunkt: Laut einem am Samstag veröffentlichten Uno-Bericht kamen in dem Konflikt in Afghanistan im Mai 368 Zivilpersonen gewaltsam ums Leben, 593 wurden verletzt. Der vergangene Monat war damit der blutigste für Zivilpersonen seit 2007.

Die UNO schreibt 82 Prozent der getöteten Menschen den Aufständische zu und 12 Prozent den internationalen und afghanischen Truppen. Auf NATO-Luftangriffe waren 3 Prozent der Toten zurückzuführen.

US-Spionageabwehr in Afghanistan

Laut einem Bericht der «New York Times» vom Freitagabend will die US-Armee 80 Beamte der Spionageabwehr nach Afghanistan schicken, um die Infiltration der afghanischen Sicherheitskräfte durch Taliban-Kämpfer zu bekämpfen. Die Zeitung berief sich auf nicht näher genannte Armeevertreter.

Die afghanischen Sicherheitskräfte sollen bis Ende 2014 schrittweise die Verantwortung für die Sicherheit im Land übernehmen. Derzeit sind noch 130'000 internationale Soldaten im Land stationiert. Ab Juli soll deren schrittweiser Abzug beginnen.

SDA/miw

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