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Ein Toter bei Protesten in Burkina Faso

Mit Tränengas und Luftschüssen haben Soldaten in Ouagadougou tausende Demonstranten auseinandergetrieben. Eine Person kam dabei ums Leben.

Positionieren sich vor dem Gebäude des Fernsehsenders: Mitglieder der Armee in Burkina Faso. (2. November 2014)
Positionieren sich vor dem Gebäude des Fernsehsenders: Mitglieder der Armee in Burkina Faso. (2. November 2014)
ISSOUF SANOGO, AFP
Will laut eigenen Aussagen für einen ruhigen demokratischen Übergang sorgen: Vizechef der Präsidentengarde, Oberst Isaac Zida, während einer Pressekonferenz. (31. Oktober 2014)
Will laut eigenen Aussagen für einen ruhigen demokratischen Übergang sorgen: Vizechef der Präsidentengarde, Oberst Isaac Zida, während einer Pressekonferenz. (31. Oktober 2014)
Keystone
Protestierende zeigen sich mit einem Polizeischild. (30. Oktober 2014)
Protestierende zeigen sich mit einem Polizeischild. (30. Oktober 2014)
AFP
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Bei Protesten gegen die Machtübernahme des Militärs in Burkina Faso ist ein Mensch getötet worden. Das bestätigte ein Sprecher des neuen Militärmachthabers Isaac Zida.

Soldaten hatten nach Medienberichten am Sonntag Warnschüsse abgegeben, um tausende Demonstranten in der Hauptstadt Ouagadougou auseinanderzutreiben. Die Kundgebungsteilnehmer forderten, dass nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Blaise Compaoré auch Zivilisten an der Macht im Land beteiligt werden müssten und stürmten das Gebäude des staatlichen Fernsehens.

«Übergang» im «Konsens»

Die Armee versprach am Sonntagabend ihrerseits einen «Übergang» im «Konsens». Ein Übergangsgremium werde einberufen, um die Neuordnung im «breiten Konsens» zu organisieren, erklärte Oberst Auguste Barry nach Gesprächen mit führenden Vertretern der Opposition.

An dem Treffen nahm unter anderem der Chef der grössten Oppositionsfraktion im Parlament, Zéphirin Diabré, teil, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Zudem waren Ex-Aussenminister Ablassé Ouedraogo und Ex-Parlamentspräsident Roch Marc Christian Kaboré beteiligt.

Die Staatengemeinschaft drohte mit Sanktionen, sollte die Armee nicht rasch die Macht an eine zivile Regierung übergeben. Die Soldaten riegelten den zentralen Platz der Nation ab, wo tausende Demonstranten zuvor Transparente mit Aufschriften wie «Gegen die Beschlagnahme unseres Sieges, es lebe das Volk» oder «Zida, hau ab» mit Blick auf den neuen Militärmachthaber Isaac Zida geschwenkt hatten.

(Video: Reuters)

Soldaten besetzten am Nachmittag auch die Sendezentrale des Radio- und Fernsehsenders RTB. Die Einheit gehörte offenbar zur Präsidentengarde, deren Vizekommandeur Zida bis zum Sturz des Präsidenten Blaise Compaoré war. In- und ausländische Journalisten flohen aus dem Gebäude, während die Soldaten die Menge vor dem Gelände mit Schüssen in die Luft vertrieb.

Macht an zivile Kräfte

Gesandte der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union und der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Cedeao waren zuvor mit der Armeeführung um Oberstleutnant Zida zusammengetroffen, um eine Übergabe der Macht an eine Zivilregierung zu erreichen. Sollte es keine Machtübergabe an Zivilisten geben, seien «die Konsequenzen klar - wir wollen die Verhängung von Sanktionen gegen Burkina Faso vermeiden», warnte der UN-Sondergesandte für Westafrika, Mohamed Ibn Chambas. Laut Chambas versicherte die Armeeführung bei dem Treffen, sie habe die Botschaft der Staatengemeinschaft verstanden.

Auch die USA forderten das Militär auf, «umgehend» die Macht an zivile Kräfte zu übergeben. Das Aussenministerium in Washington erklärte, die US-Regierung verurteile «den Versuch des Militärs, dem Volk Burkina Fasos seinen Willen aufzuzwingen». Die Militärführung solle sich an die Verfassung halten und umgehend freie und faire Präsidentenwahlen organisieren. Deutschland verurteilte ebenfalls die Übernahme der Staatsgewalt und die Ausserkraftsetzung der verfassungsmässigen Ordnung durch das Militär. Die Armee solle die Macht «unverzüglich» wieder abgeben, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin.

Rücktritt nach 27 Jahren

Die Verfassung schreibt vor, dass im Fall eines Rücktritts des Präsidenten der Parlamentspräsident dessen Amt übernimmt, doch erklärte Oberstleutnant Zida die Verfassung am Freitag für ausgesetzt.

Auslöser der Proteste gegen den bisherigen Präsidenten Compaoré war eine geplante Verfassungsänderung, die ihm eine weitere Amtszeit erlauben sollte. Nach 27 Jahren an der Macht verlangten jedoch besonders die jungen Leute nach einem Wechsel.

Unter dem Druck gewaltsamer Massenproteste trat Compaoré am Freitag zurück und floh in die benachbarte Elfenbeinküste. Laut der Opposition wurden bei den Protesten 30 Menschen getötet, doch konnte die Nachrichtenagentur AFP nur vier Todesopfer bestätigen. Nach dem Rücktritt Compaorés beanspruchte zunächst Armeechef Honoré Traoré die Führung während der Übergangszeit, am Samstag stellte er sich schliesslich mit dem Generalstab hinter Zida.

AFP/wid

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