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Eine Neunjährige erklärt US-Abgeordneten den Drohnenkrieg

Bei US-Drohnenangriffen in Pakistan werden immer wieder Zivilisten getötet. Nun ist ein Mädchen mit ihrem Vater und Bruder nach Washington gereist, um ihre Geschichte zu erzählen.

«Was nur hat meine Grossmutter falsch gemacht?»: Nabila zeigt auf dem Capitol eine Zeichnung ihres Zushauses. (29. Oktober 2013)
«Was nur hat meine Grossmutter falsch gemacht?»: Nabila zeigt auf dem Capitol eine Zeichnung ihres Zushauses. (29. Oktober 2013)
Keystone

Nabila erntete gerade Gemüse auf dem Feld ihrer Familie, als plötzlich eine Drohne mit Raketen auf sie schoss. Ihre Grossmutter wurde beim Angriff vor einem Jahr getötet, die heute Neunjährige und sieben weitere Kinder wurden verletzt. Jetzt will die kleine Pakistanerin von der US-Regierung wissen: «Was nur hat meine Grossmutter falsch gemacht?» Gemeinsam mit ihrem Vater Rafiq Rehman und ihrem 13-jährigen Bruder Zubair reiste Nabila nach Washington, um den vielen unbekannten Opfern des US-Drohnenkriegs in Pakistan ein Gesicht zu geben.

Am Dienstag hat Nabila vor Mitgliedern des US-Kongresses gesprochen. Mit einer Zeichnung von ihrem Zuhause hat sie den Alltag illustriert. Am Himmel kreisen zwei schwarze Drohnen. Nabila und ihre Familie leben in Nord-Waziristan, einer unwegsamen Bergregion an der Grenze zu Afghanistan, die von Taliban- oder Al-Qaida-Gruppierungen häufig als Rückzugsgebiet genutzt wird. Seit 2004 gehen die USA dort mit Drohnen gegen die radikalislamischen Aufständischen vor – sie versichern, diese seien gezielter als andere Kampfformen und forderten weniger Opfer unter der Zivilbevölkerung.

Beim Ernten angegriffen

Das Schicksal von Nabila und ihrer Familie erzählt eine andere Geschichte. Ihre Grossmutter habe ihr gerade gezeigt, wie sie reife Okraschoten von unreifen unterscheiden könne, als sie plötzlich einen lauten Knall hörte. «Genau da, wo meine Oma stand, kamen zwei blendend helle Lichter auf die Erde nieder und trafen sie», erzählt die Neunjährige. «Und dann wurde alles Schwarz».

Ein Granatsplitter drang in Nabilas rechte Hand ein, ihr Bruder wurde am linken Bein von mehreren Splittern getroffen. Beide mussten im Spital behandelt werden, für Zubairs Operationen musste die Familie einen Kredit aufnehmen. Er ist bis heute traumatisiert, schläft schlecht und wagt sich kaum noch aus dem Haus. «Mein Leben ist zerstört», sagt der 13-Jährige.

Empört hat die Familie danach die Versionen der Medien zu dem Angriff: Einmal hiess es, der Drohnenangriff habe einem Gebäude gegolten, ein anderes Mal, die Raketen hätten ein Fahrzeug mit mehreren Aufständischen getroffen.

Alle US-Argumente falsch

Alles falsch, versichert Rafiq Rehman der AFP. Das Feld habe weitab von jedem Gebäude oder von Strassen gelegen. «Meine Tochter sieht nicht aus wie ein Terrorist, auch meine Mutter nicht. Ich kann einfach nicht begreifen, warum das passieren musste.» Das Schicksal der Familie wurde auch deshalb von Amnesty International aufgegriffen, um von den USA zu verlangen, die Geheimniskrämerei um die Drohnenangriffe zu beenden und zuzugeben, dass unter den Opfern immer wieder unschuldige Zivilisten sind.

Und auch wegen der falschen Medienberichte hat sich die Familie bereit erklärt, an einem neuen Dokumentarfilm: «Unmanned: America's Drone War» mitzuwirken, der den Drohnenkrieg kritisch beleuchtet.

Nach Washington gekommen sei er als «Lehrer», sagt Rafiq Rehman. «Ich wollte die Amerikaner erziehen, sie sollen wissen, dass meine Kinder verletzt wurden». Seine Tochter wird wütend angesichts der Beteuerungen der US-Regierung, die Drohnenangriffe seien ein «legitimes Mittel zur Selbstverteidigung»: «Wenn ich höre, dass sie nur hinter Leuten her sind, die Amerika Schlechtes angetan haben, dann frage ich mich: Was habe ich Amerika getan? Und was meine Grossmutter?»

Ständige Angst vor Drohnen

Über ihrem Dorf flögen ständig Drohnen, erzählt Rehman. Selbst die Kleinsten kennen und fürchten sie demnach. Er wolle nur eines, sagte der Familienvater: Dass die Gewalt aufhört. Wie, das weiss er auch nicht so genau, «vielleicht sollten alle miteinander sprechen und verhandeln».

Die Familie wolle «Antworten, kein Geld» versichert auch US-Anwältin Jennifer Gibson, die ihnen in Washington zur Seite steht. «Sie hoffen, wenn sie hierhin kommen und sagen: 'wir sind die namenlosen Opfer, die ihr nur als Zahlen kennt', dann wird vielleicht doch irgendwann irgendjemand zuhören und sich fragen, ob diese Politik wirklich so klug ist».

SDA/rub

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