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Einheit von Salehs Garde läuft zur Opposition über

Die Unterstützung für Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh bröckelt. Nachdem er seine Truppen aus der Hauptstadt abziehen musste, hat sich offenbar auch eine Brigade seiner treusten Soldaten abgesetzt.

In heftige Kämpfe verwickelt: Soldaten des jemenitischen Regimes in der Hauptstadt Sanaa. (11. Juni 2011)
In heftige Kämpfe verwickelt: Soldaten des jemenitischen Regimes in der Hauptstadt Sanaa. (11. Juni 2011)
Keystone
Angespannte Lage: Regierungskritische Demonstranten blockieren in der Hauptstadt Sanaa ganze Quartiere. (4. Juni)
Angespannte Lage: Regierungskritische Demonstranten blockieren in der Hauptstadt Sanaa ganze Quartiere. (4. Juni)
Keystone
Tausende Jemeniten sind zurzeit auf der Strasse und fordern bessere Bedingungen in ihrem Land: Proteste am 27. Januar 2011.
Tausende Jemeniten sind zurzeit auf der Strasse und fordern bessere Bedingungen in ihrem Land: Proteste am 27. Januar 2011.
AFP
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Eine Einheit der mächtigen Republikanischen Garde ist nach Angaben eines jemenitischen Aktivisten zur Opposition übergelaufen. Es ist der erste Bericht über abtrünnige Eliteeinheiten, die bislang eine wesentliche Stütze für den Machterhalt von Präsident Ali Abdullah Saleh darstellten. Ein Brief des Brigadegenerals Ibrahim al Dschaifi, Kommandeur der 9. Brigade der Garde, sei vor tausenden Demonstranten in der Provinzhauptstadt Damar verlesen worden, sagte der Aktivist Abdul-Rahman Ahmed.

Zuvor hatte der einflussreiche Stammesführer und frühere Verbündete Salehs, Scheik Sadek al Ahmar, die Republikanische Garde aufgefordert, zu den Gegnern des Präsidenten überzulaufen. Die Republikanische Garde wird von einem der Söhne Salehs kommandiert.

Südjemenitische Stadt in Händen von Extremisten

Hunderte islamistische Extremisten haben nach Militärangaben ihre Herrschaft über die südjemenitische Stadt Sindschibar gefestigt, nachdem sie vor zwei Tagen bereits die Kontrolle über Banken und Regierungsgebäude in der Stadt übernommen hatten. Kritiker werfen Präsident Saleh vor, tatenlos zuzusehen, um von den Massenprotesten gegen seine Herrschaft abzulenken. Saleh hatte oftmals gewarnt, ohne ihn übernehme das Terrornetzwerk al-Qaida die Herrschaft im Jemen.

Angehörige der Streitkräfte berichteten, die Extremisten hätten in der Nacht auf heute Panzer erobert, nachdem der Gouverneur, der Sicherheitschef und der Kommandeur einer Heeresbrigade die Stadt verlassen hatten. Ausserhalb der Stadt sei es zu Gefechten zwischen den Streitkräften und den Extremisten gekommen. Dabei waren nach Angaben von Medizinern sechs Zivilpersonen verletzt worden.

Saleh und Stämme vereinbaren Truppenrückzug

Präsident Saleh und der Anführer des mächtigsten Stammes des Landes haben sich nach fünf Tagen schwerer Feuergefechte in der Hauptstadt Sanaa gestern auf einen Rückzug ihrer Kämpfer geeinigt. 124 Menschen waren seit vergangenem Dienstag bei den Kämpfen ums Leben gekommen. Die seit Monaten andauernden Proteste gegen den seit 33 Jahren regierenden Saleh dürften unabhängig von dem Abkommen weiter gehen.

Nach Ansicht von Experten hängt die Zukunft der Protestbewegung im Jemen von der Zahl der Stämme und Sicherheitskräfte ab, die sich gegen Saleh wenden. Seit das Regime immer härter gegen die Proteste vorgeht, haben bereits einige Einheiten der Streitkräfte dem Präsidenten die Gefolgschaft entsagt. Auch die einflussreiche Haschid-Stammeskonföderation, zu der auch Salehs Stamm gehört, hatte sich vor zwei Monaten gegen den Präsidenten gewandt, ihre Kämpfer aber zunächst nicht gegen das Regime eingesetzt.

Strassenkämpfe in Sanaa

Der Konflikt zwischen Saleh und al Ahmar, dem Haschid-Stammesführer, war eskaliert, als Soldaten des Präsidenten zu Wochenbeginn versucht hatten, das Haus al Ahmars zu stürmen. Dessen Anhänger schlugen zurück, brachten zwei Militärlager unter ihre Kontrolle und besetzten das Hauptstadtviertel Hassaba. Einer der Vermittler sagte, beide Seiten hätten sich in dem Abkommen am Samstag darauf geeinigt, am Sonntagmorgen mit dem Abzug ihrer Kräfte aus dem Viertel zu beginnen. Ein Vertrauter al Ahmars bestätigte die Einigung.

Die Kämpfe der vergangenen Woche folgten auf ein Scheitern eines Vermittlungsversuches der Golfstaaten über einen Machtverzicht Salehs. Das Abkommen hätte dem Präsidenten im Gegenzug für einen Rücktritt Immunität zugesichert.

dapd/mrs

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