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Einziger Christ in pakistanischer Regierung ermordet

Zwei Monate nach dem Mord an einem Gouverneur ist in Pakistan ein weiterer prominenter Kritiker des Blasphemiegesetzes ermordet worden: Islamisten erschossen den christlichen Minister Shabaz Bhatti.

Kugelhagel in Islamabad: In diesem Auto wurde der Minister Shabaz Bhatti erschossen.
Kugelhagel in Islamabad: In diesem Auto wurde der Minister Shabaz Bhatti erschossen.
Reuters

Nach Angaben der Polizei war der Minister Shabaz Bhatti von drei mit Kalaschnikow-Schnellfeuergewehren bewaffneten Männern getötet worden. Die Windschutzscheibe seines Autos wies mehrere Einschusslöcher auf. Bhattis Fahrer wurde schwer verletzt, der Politiker selber starb auf dem Weg ins Spital.

Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Bhatti, der das pakistanische Blasphemiegesetz öffentlich angeprangert hatte, sei ein Gotteslästerer gewesen, erklärte ein Sprecher der Islamisten.

Mehrere Todesdrohungen erhalten

Islamisten hatten Bhatti vor dem Attentat bereits mehrmals mit dem Tod bedroht. Der 42-jährige Minister hatte für eine Änderung des umstrittenen Gesetzes gekämpft, das bei Beleidigung des Islams die Todesstrafe vorsieht.

Unter anderem setzte er sich für die Christin Asia Bibi ein, die wegen Gotteslästerung von einem Gericht zu Tode verurteilt wurde. Der Fall ist vor dem Obersten Gericht in Punjabs Hauptstadt Lahore hängig.

Erst im vergangenen Monat hatte Bhatti in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa Änderungen am Blasphemiegesetz gefordert. Er hatte kritisiert, das Gesetz werde von muslimischen Extremisten als Werkzeug genutzt, «um ihre persönlichen Rechnungen zu begleichen». Minderheiten würden unter dem Gesetz leiden.

Auf Flugblättern warnten die Taliban am Tatort, dass jeder, der den Blasphemiegesetzen kritisch gegenüberstehe, das gleiche Schicksal wie Bhatti ereile.

Premier verurteilt Attentat

Pakistans Premierminister Yousef Raza Gilani verurteilte den Anschlag scharf. «Solche Taten werden die Entschlossenheit der Regierung zum Kampf gegen Terrorismus und Extremismus nicht mindern», sagte er.

Bhatti war bereits der zweite führende pakistanische Politiker, der wegen seiner Kritik am Gesetz gegen Gotteslästerung ermordet wurde. Anfang Jahr war der Gouverneur der ostpakistanischen Provinz Punjab, Salman Taseer, von seinem Leibwächter erschossen worden. Auch er hatte sich für Asia Bibi eingesetzt.

Der Mord an Taseer beunruhigte viele weltlich und liberal Gesinnte in Pakistan. Zahlreiche islamistische Politiker und Geistliche äusserten aber auch ihre Sympathie und Unterstützung für den Attentäter. Beobachter werteten dies als Zeichen für die wachsende Radikalisierung der muslimischen Bevölkerung in Pakistan.

In Pakistan sind Schätzungen zufolge lediglich drei Prozent der rund 170 Millionen Einwohner nicht-muslimischen Glaubens. Sie gehören vor allem den unteren Schichten an und sind im Alltag immer wieder Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt.

Reformversuche gescheitert

Pakistans Blasphemiegesetz verbietet generell die Beleidigung jeder Religion, wird aber in der Praxis bei angeblicher Herabsetzung des Islam angewandt. Die schwersten Strafen können bei der Schändung des Korans und des Namens des Propheten Mohammed verhängt werden. Islamisten laufen Sturm gegen Änderungen an dem Gesetz.

Die PPP-Abgeordnete Sherry Rehman war Anfang Februar damit gescheitert, Änderungen des Gesetzes ins Parlament einzubringen. Unter dem Druck islamistischer Massenproteste hatte Premierminister Syed Yousuf Raza Gilani angekündigt, Rehman werde ihre Änderungsvorschläge zurückziehen. Auch sie erhielt Todesdrohungen.

sda/AFP/bru/raa

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